Burhan Kesici, Zekeriya Altug, Aiman Mazyek, Muslime, Islam
Vertreter des islamischen Religionsgemeinschaften bei der Pressekonferenz. Burhan Kesici (Islamrat), Zekeriya Altuğ (Ditib), Aiman Mazyek (ZMD) (vlnr).

Hilferuf

Muslime beklagen mangelnde Solidarität nach Angriffen auf Moscheen

Der Koordinationsrat der Muslime hat nach den jüngsten Anschlägen auf Moscheen mehr Solidarität von deutschen Politikern eingefordert. Bundesinnenminister Seehofer forderten sie auf, Islamfeindlichkeit in Deutschland ernster zu nehmen.

Freitag, 16.03.2018, 6:25 Uhr|zuletzt aktualisiert: Mittwoch, 21.03.2018, 17:39 Uhr Lesedauer: 2 Minuten  |   Drucken

Muslime in Deutschland fühlen sich nach einer Häufung von Angriffen auf Moscheen in den vergangenen Tagen von Politik, Behörden und Gesellschaft weitgehend allein gelassen. Man vermisse eine spürbare Anteilnahme der Öffentlichkeit, heißt es in einer Erklärung des Koordinationsrates der Muslime (KRM), die am Donnerstag in Berlin präsentiert wurde. Der KRM ist eine Zusammenschluss der vier größten islamischen Religionsgemeinschaften (Ditib, Islamrat, VIKZ und ZMD) in Deutschland. Sie fordern einen „Schulterschluss gegen diese Schandtaten“.

In der vergangenen Woche hatten sich Anschläge insbesondere gegen türkisch geprägte muslimische Einrichtungen gehäuft. Brandanschläge gab es unter anderem auf Moscheen in Berlin und Baden-Württemberg. Nach Angaben der drei Verbände gab es seit Jahresbeginn 27 Übergriffe auf Moscheen.

Der Verlust von Menschenleben werde dabei billigend in Kauf genommen, sagte Ditib-Vorstand Zekeriya Altuğ. Muslime stünden ohnehin unter rechtsextremer Bedrohung. Durch ausländische Terrorgruppen werde das Problem verschärft, sagte der Ditib-Vertreter unter Anspielung auf mutmaßliche Bekennerschreiben von PKK- und PYD-Gruppierungen in Deutschland nach Angriffen auf Moscheen.

Konflikt nicht auf deutschem Boden austragen

Altuğ sagte, der Konflikt in Syrien, aktuell aufgelöst durch die türkische Militärintervention im Norden Syriens, dürfe nicht auf deutschem Boden ausgetragen werden. Aiman Mazyek, Vorstandsvorsitzender des Zentralrates der Muslime, sagte, die Angriffe richteten sich gegen deutsche Moscheen und Muslime. Sein Verband hatte am Mittwoch seine Geschäftsstelle wegen Drohungen geschlossen.

Altuğ widersprach gleichzeitig dem Vorwurf, der Konflikt werde auch durch Gebetsaufrufe in Ditib-Moscheen angeheizt. Zwar räumte er ein, dass einzelne Vertreter, darunter Ehrenamtliche der Moscheen, Gebetsaufrufe für den Erfolg der Militäroffensive veröffentlicht hätten. Verbandsvertreter würden in solchen Fällen aber sofort intervenieren. Ditib trage solche Aufrufe nicht mit, betonte er.

Muslime wollen Schulterschluss

Die Vertreter der Religionsgemeinschaften lobten Solidarisierungsaktionen örtlicher Politiker. Gleichzeitig betonten sie, sie vermissten solch einen Schulterschluss in der Bundespolitik. Die Bundesregierung, konkret den neuen Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) forderten sie auf, Islamfeindlichkeit in Deutschland ernster zu nehmen und mehr dagegen zu unternehmen. „Es brennen Moscheen hier. Wir können da doch nicht einfach zur Tagesordnung zurückgehen“, sagte Mazyek.

2017 gab es nach Angaben des Bundesinnenministeriums 1.069 Angriffe auf Muslime oder islamische Einrichtungen. Islamfeindliche Straftaten werden erst seit vergangenem Jahr systematisch erfasst. Die Zahl antisemitischer Straftaten lag 2017 bei 1.495. Angriffe, die sich gegen Christen richteten, gab es 127. (epd/mig)

Zurück zur Startseite
MiGAZIN ABONNIEREN (mehr Informationen)

MiGAZIN wird von seinen Lesern ermöglicht. Sie tragen als Abonnenten dazu bei, dass wir unabhängig berichten und Fragen stellen können. Vielen Dank!

WEITERE INFOS
MiGLETTER (mehr Informationen)

Bestelle jetzt den kostenlosen MiGAZIN-Newsletter:

Auch interessant
MiGDISKUTIEREN (Bitte die Netiquette beachten.)

  1. Stefan Böckler sagt:

    In Bezug auf die jüngsten Anschläge auf Moscheen ist doch wohl zwischen anti-islamischen und anti-türkischen Motiven zu unterscheiden, und beide Motive sollten m. E. zunächst mal deutlich getrennt werden. .