Teddybär, Kinder, Kind, Spielzeug.
Ein Teddybär © Ulrica (@Ullie) auf flickr.com (CC 2.0), bearb. MiG

Hemmschwelle sinkt

Zunehmende Gewalt gegen Flüchtlingskinder

Die wachsende Gewalt gegen Flüchtlinge in Deutschland richtet sich immer häufiger gegen Kinder. Die Beratungsstellen für Betroffene rechter Gewalt registrierten im vergangenen Jahr mindestens 261 ausländische Gewaltopfer im Kindesalter.

Mittwoch, 25.01.2017, 4:25 Uhr|zuletzt aktualisiert: Montag, 30.01.2017, 17:54 Uhr Lesedauer: 2 Minuten  |   Drucken

In Deutschland werden offenbar immer mehr Flüchtlingskinder Opfer rechter Gewalt. Wie das ARD-Magazin Fakt berichtete, wurden 2016 mindestens 261 ausländische Kinder Gewaltopfer. Im Vorjahr seien es 179 Fälle gewesen. Das Magazin beruft sich dabei auf Zahlen von Beratungsstellen für Betroffene rechter, rassistischer und antisemitischer Gewalt.

Bundesweite Zahlen gebe es nicht, der massive Anstieg von Gewalt gegen Flüchtlingskinder sei aber in allen sieben deutschen Beratungsstellen registriert worden, heißt es in dem Bericht. So hätten die Opferberatungsstellen in Ostdeutschland und Berlin im Jahr 2015 insgesamt 172 rassistisch motivierte Angriffe auf Kinder bis 16 Jahre gezählt. 2016 seien es schon 242 Fälle gewesen, eine Steigerung um 41 Prozent.

Dunkelziffer dürfte noch höher liegen

Sven Peter von der Thüringer Opferberatung ezra sagte dem TV-Magazin: „Das haben wir in dieser Fülle noch nicht gehabt.“ Es habe in der Vergangenheit zwar auch Fälle gegeben, in denen Erwachsene oder organisierte Neonazis Kinder angegriffen hätten. „Aber in der Fülle, wie es jetzt ist, hatten wir es noch nicht“, sagte Peter.

Die Dunkelziffer der Straftaten dürfte noch höher liegen. Die Beratungsstellen, die es lediglich in den ostdeutschen Bundesländern, Berlin sowie in Nordrhein-Westfalen gibt, registrierten dem Bericht zufolge ausschließlich Fälle von Körperverletzungen, versuchter Körperverletzungen sowie massive Bedrohungen aus politischen und rassistischen Motiven. Nicht gezählt würden bloße Beleidigungen oder Diskriminierungen. Außerdem hätten die Beratungsstellen nicht von allen Fällen Kenntnis. Zudem sei die Definition von Kindern in den Beratungsstellen unterschiedlich, einige Stellen bezögen bis 13-Jährige mit ein, andere bis 16-Jährige.

Stimmung im Land verantwortlich

Der Soziologe und Rechtsextremismusforscher Matthias Quent macht in dem Bericht als Ursache für die gestiegenen Gewaltdelikte auch die derzeitige Stimmung im Land verantwortlich. „Der aktuelle Rechtsruck, der sich widerspiegelt in den ‚Pegida‘-Mobilisierungen, in rassistischen Tönen, in rechtspopulistischer Mobilisierung, in den Hasskommentaren in den sozialen Netzwerken allgemein, das ist natürlich der Stoff, aus dem Gewalttäter das Gefühl kriegen, sie handeln im Sinne einer größeren Mehrheit und können deswegen ihre Gewalt als berechtigt erfahren“, sagte der Soziologe dem ARD-Magazin.

Den Angaben zufolge wurde bei den Dreharbeiten zu dem TV-Beitrag in der vergangenen Woche auch ein MDR-Kamerateam in Erfurt angegriffen. Die Journalisten, darunter ein Kollege syrischer Herkunft, seien aus einer Gruppe betrunkener junger Männer heraus zunächst rassistisch beleidigt worden. Im weiteren Verlauf sei einer der Angreifer mit einem Gegenstand in der Hand auf den 32-Jährigen aus Syrien stammenden Mitarbeiter losgegangen. Der Journalist sei danach von zwei Angreifern mehrere hundert Meter gejagt worden, ehe er in einen Supermarkt flüchten konnte. (epd/mig)

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