Deutschland, Fahne, Flagge, BRD, Bundesrepublik
Deutschland © János Balázs @ flickr.com (CC 2.0), bearb. MiG

Deutschland!

Ein poetischer Aufschrei

In einem poetischen Aufschrei an Deutschland möchte Burcu Bakil wissen, warum es sich verstellt, wenn es um ihr Kopftuch geht. Sie fordert Deutschland auf, sein Denken zu reformieren. "Trau dich!"

Von Mittwoch, 09.11.2016, 8:22 Uhr|zuletzt aktualisiert: Donnerstag, 10.11.2016, 10:19 Uhr Lesedauer: 2 Minuten  |   Drucken

Deutschland!
Ich stehe hier, auf deinem Boden. Fest verankert mit den Wurzeln meiner Großeltern, die mich mit dem Wind der Hoffnung auf Akzeptanz bis heute getrieben haben.

Früh damit angefangen, deine Sprache, deine Worte zu verinnerlichen und gleichzeitig Bildung zu genießen, an deutschen Schulen, an deutschen Universitäten.

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Doch gab es immer diese gewisse Kluft zwischen „uns“ und „euch“, die durch misinterpretation von Integration entstanden ist und sich bis heute in unsere Reihen eingeschlichen hat.

Sag mir Deutschland,
warum verstellst du dich, wenn es um mich, als Kopftuchträgerin geht? Ich schreie regelrecht danach, von dir gehört zu werden.
Denn geht es um mich, so erschallen meine Worte nur mein eignes Gehör.
Denn ich bin Integriert, jedoch wird nicht differenziert.
Zwischen Integration und Assimilation.
Der Grund dafür ist einzig und allein meine Religion.
Denn meine Zunge ist deiner Sprache gewahr, mein Verhalten verfassungskonform und meine Werte entsprechen deiner Norm.

Sag mir, warum reduzierst du mich nur auf ein Stück Stoff? Du hast mir doch beigebracht, bunt, schräg und pluralistisch zu sein, frei zu denken und „Ich“ zu sein.
Siehst du denn nicht das Licht der Vielfältigkeit und Toleranz, wie ich sie auf meine Mitmenschen projiziere,
Klischees ablege und dich so liebe; wie du bist!?

Nicht alle deine Kinder scheuen sich vor mir, denn sie haben den Hauch meiner lebendigen Worte eingenommen und ihre Herzen habe ich damit gewonnen. Was ist mit deinem?

Ist es nicht an der Zeit, dein Denken zu reformieren? An die kahlen Mauern Liebe zu schmieren?

Nur so erreichen wir gemeinsam die Instanz.
Zu staube machen will ich die Wände der Inakzeptanz, beschreiten möchte ich die Wege der Toleranz.
Vielleicht mag es eine Utopie sein, weit weg davon zu sein. Aber Nein, reiche mir deine Hand und ich werde dir entgegenkommen.
Trau dich, trau dich Deutschland und heiße mich erneut Willkommen.

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