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Gelichter

(A)rabischer (F)rühling in (D)eutschland

Feindbilder sind in der Politik längst wichtiger als Fakten. Eines dieser Feinbilder sind Nichtwähler, die durch Ihre Wahlverweigerung die Rechtsextremen stark machen. Und dann sind da aber auch die Nichtwähler, die durch ihre plötzliche Wahlbeteiligung die Rechtsextremen stark machen. Von Sven Bensmann

Von Dienstag, 13.09.2016, 8:22 Uhr|zuletzt aktualisiert: Mittwoch, 14.09.2016, 17:15 Uhr Lesedauer: 2 Minuten  |   Drucken

Dieser Tage wird immer wieder betont, dass in der Politik, insbesondere bei Wahlen, Fakten für viele praktisch keine Rolle mehr spielen. Dass Gefühle an deren Stelle getreten sind, dass speziell ebenso obskure wie diffuse Bedrohungsszenarien an deren Stelle getreten sind. Dass die AfD dieses Spiel besser beherrsche, als die etablierten Parteien. Feindbilder sind das A und O dieser neuen Politik.

Eines dieser Feinbilder sind zum Beispiel die hunderttausenden Nichtwähler, die durch Ihre Wahlverweigerung die Rechtsextremen stark machen. Der Albtraum eines jeden Demokraten.

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Und dann sind da aber auch die hunderttausenden Nichtwähler, die durch ihre plötzliche Wahlbeteiligung die Rechtsextremen stark machen. Der Albtraum eines jeden Demokraten.

Klingt fast als ginge es um einen (A)rabischen (F)rühling in (D)eutschland. Die haben ja auch ihr neu erworbenes Wahlrecht dazu missbraucht, die Falschen zu wählen.

Der eine spricht dann Mangels eigenen Vokabulars von Dunkeldeutschland, wo doch das Wort eigentlich sein einziges Instrument ist. Andere finden in ihrer Ohnmacht, diese Dämmerung eines Vierten Reiches zu benennen, noch ideenlosere Begriffe.

Die AfD wiederum ist der erfolgreichste Feindbuilder unserer Zeit. Mit abwegigen Ideen, wie derjenigen, dass Mecklenburg-Vorpommern von den fast einem Dutzend zugewanderten Wessis aus bereits erfolgreich islamisierten Städten überfremdet wird, hat die AfD die CDU überholt und ist zur zweitgrößten Fraktion gewachsen. Mit dem Feindbild des AfD-Wählers gehen gleichermaßen nun fast alle der übrigen Parteien hausieren: Sachpolitik ist tot, es lebe das Feindbild. Die haben wir schließlich schon alle, sie müssen nur angemessen unkultiviert werden.

Die CSU hingegen geht wie immer ihren Sonderweg: Sie kopiert so unverschämt des intellektlose Eigentum der AfD, dass die, würde sie aus ebenso schamlosen Karrieristen zusammengesetzt sein, wie die Bayern-Union, wohl eine Patentrechtsverletzungsklage anstreben würde.

Und natürlich kenne auch ich meine Feinde. Sie waren die Lehrer, die mich unterrichten sollten, mich selbst zu verachten: Konformismus. Assimilation. Unterwerfung. Ignoranz. Doppelmoral. Brutalität.

All das findet sich in der AfD wie in der CSU.

Verständlich ist natürlich auch, dass es einfacher ist, die AfD zu wählen. Und je einfacher der Mensch, desto einfacher ist seine Wahl. So einfach lässt sich auch die Dominanz der CSU in Bayern erklären.

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  1. Franke sagt:

    „Und je einfacher der Mensch, desto einfacher ist seine Wahl. So einfach lässt sich auch die Dominanz der CSU in Bayern erklären.“

    Ach nein. Hier hört man aber ja überhaupt kein Ressentiment heraus.

  2. Isabell sagt:

    Es ist nicht zuletzt die Arroganz von Linken, welche die Leute dazu bringt, AFD zu wählen. Ich denke nicht, dass die Durchschnitts AFD-Wähler viel gegen Migranten oder Ausländer haben, die aus wirklicher Not kommen. Sie haben in Wirklichkeit die Nase voll vom Sozialismus. Alle, die nicht links sind, sind offensichtlich automatisch böswillig oder dumm, primitiv, schlicht, „intellektlos“ (Zitat) oder „unverschämt“ (Zitat). Sachpolitik macht nur die Linke (hört, hört). Und Demkraten sind sind so und so und so nur Linke. Was mich ärgert ist, dass man die Bayern als Volk von einfachen Landbewohnern hinstellt. Sollte ich das falsch verstanden haben, bitte ich mich zu korrigieren.