Anzeige
Burka, Ganzkörperschleier, Handy, Frau, Muslimin
Eine Frau im Ganzkörperschleier © Patrick Denker @ flickr.com (CC 2.0), bearb. MiG

Martina Schwager

Burka-Debatte ist Ausdruck von Fremdenhass

Worum geht es bei der Diskussion um ein Burkaverbot? Um religiöse Fragen oder um Frauenrechte? Nein, sagt Religionswissenschaftlerin Ina Wunn. Die Diskussion sie ein Entgegenkommmen an die Anhänger von AfD und Pegida.

Donnerstag, 18.08.2016, 8:23 Uhr|zuletzt aktualisiert: Sonntag, 21.08.2016, 19:21 Uhr Lesedauer: 2 Minuten  |   Drucken

Die Diskussion um ein Burkaverbot ist nach Ansicht der hannoverschen Religionswissenschaftlerin Ina Wunn Ausdruck fremdenfeindlicher Tendenzen in der deutschen Gesellschaft. Es gehe dabei nicht wirklich um religiöse Fragen oder um Frauenrechte, sagte Wunn dem Evangelischen Pressedienst. Vielmehr seien entsprechende Forderungen ein Entgegenkommen an Anhänger von „Pegida“ und AfD.

„Das ist keine religiöse, sondern eine politische Debatte“, betonte die Professorin am Institut für Theologie und Religionswissenschaften der Universität Hannover. Damit wendeten sich die Unionspolitiker, die sie begonnen hätten, an ein bestimmtes Wählerklientel, das den Fortbestand des christlichen Abendlandes bedroht sehe und in Schwarz-Weiß-Mustern denke. Ähnlich beurteilt sie auch das Burkiniverbot in einigen französischen Badeorten als eine populistische Entscheidung im Sinne der rechten Politikerin Marine Le Pens.

___STEADY_PAYWALL___

Rechtslage verbietet Bekleidungsvorschrift

Anzeige

Dabei ist die Rechtslage nach Ansicht der Religionswissenschaftlerin zumindest in Deutschland eindeutig. Hier könne es keine Bekleidungsvorschriften geben. „Wenn mir dicke Bäuche in zu kurzen T-Shirts nicht gefallen, kann ich sie auch nicht einfach verbieten lassen“, stellte Wunn klar.

Zu mehr Sicherheit würde ein Burkaverbot ebenfalls nicht beitragen, sagte sie: „Im Gegenteil. Das könnte radikale junge Muslime eher noch in ihrer Weltsicht bestärken, dass der Islam eine bedrohte und verfolgte Religion ist, die sich mit Gewalt zur Wehr setzen muss.“ Auch in Frankreich sähen sich die Muslime durch Burka- und Burkiniverbote nur in ihrer Meinung bestärkt, unterdrückt zu werden.

Latente Angst vor dem Fremden

Wunn wies darauf hin, dass in Deutschland zwar nur sehr wenige Musliminnen lebten, die eine Burka oder einen Niqab trügen. In Baden-Baden oder München hingegen seien jedoch durchaus voll verschleierte arabische Touristinnen anzutreffen: „Die Einheimischen haben kein Problem mit Burka oder Niqab.“

In bestimmten Gruppen existiere dagegen eine latente Angst vor dem Fremden. Der daraus entstehende Abwehrmechanismus richte sich in Deutschland derzeit vor allem gegen den Islam, sagte die Professorin. Wenn das Fremde dann noch zum Konkurrenten werde, verstärke sich die Abwehr. Das habe sich schon bei der Kopftuch-Debatte gezeigt: „Das Kopftuch hat niemanden gestört, solange die muslimischen Frauen damit zu Hause blieben. Da hat auch niemand ihre angebliche Unterdrückung beklagt. Jetzt wird es zum Problem, weil kopftuchtragende Muslimas in gehobene Positionen und Ämter streben und zu Konkurrentinnen auf dem Arbeitsmarkt werden.“ (epd/mig)

Zurück zur Startseite
UNTERSTÜTZE MiGAZIN! (mehr Informationen)

Wir informieren täglich über Migration, Integration und Rassismus. Dafür wurde MiGAZIN mit dem Grimme Online Award ausgezeichnet. Um diese Qualität beizubehalten und den steigenden Ansprüchen an die Themen gerecht zu werden bitten wir dich um Unterstützung: Werde jetzt Mitglied!

MiGGLIED WERDEN
MiGLETTER (mehr Informationen)

Bestelle jetzt den kostenlosen MiGAZIN-Newsletter:

Auch interessant
MiGDISKUTIEREN (Bitte die Netiquette beachten.)