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Das abgebrannte Haus sollte eine Flüchtlingsunterkunft werden © Martin Gommel

Prozess um Brandanschlag auf Flüchtlingsheim

Tatmotiv: Angst vor Straftaten von Asylbewerbern

Beim Prozessauftakt um einen Brandanschlag auf eine bewohnte Flüchtlingsunterkunft im Sauerland überraschten zwei Hauptverdächtige mit bizarren Tatmotiven: Sie hätten Angst gehabt, die Asylbewerber könnten sonst ihrerseits Straftaten begehen. Schaden hätten sie den Menschen nicht zufügen wollen.

Freitag, 03.06.2016, 8:21 Uhr|zuletzt aktualisiert: Sonntag, 05.06.2016, 19:49 Uhr Lesedauer: 1 Minuten  |   Drucken

Zum Auftakt des Prozesses um einen Brandanschlag auf eine Flüchtlingsunterkunft im Sauerland hat ein Angeklagter Angst vor Straftaten von in der Nachbarschaft lebenden Asylbewerbern als Tatmotiv angegeben. Der mutmaßliche Haupttäter sagte am Dienstag vor dem Landgericht Hagen, er habe Angst vor möglichen Einbrüchen oder sexuellen Übergriffen der in dem Haus lebenden Asylbewerber auf seine Familienmitglieder gehabt.

Bei dem Anschlag in Altena im Oktober war es zu einem Schwelbrand im Dachstuhl eines Hauses gekommen, in dem syrische Flüchtlinge untergebracht waren. Die Feuerwehr konnte den Brand schnell löschen. Verletzt wurde niemand. Die Staatsanwaltschaft wirft den zwei Angeklagten gemeinschaftlich versuchten Mord in sieben Fällen und Brandstiftung vor. (AZ: 31 Ks 500 Js 543/15 – 1/16).

Die beiden Männer sind geständig, machten am ersten Prozesstag aber teilweise unterschiedliche Angaben. Beide Angeklagten, die seit Februar in Untersuchungshaft sitzen, erklärten vor Gericht, sie hätten das Haus unbewohnbar machen wollen, aber die Bewohner nicht schädigen oder gar töten wollen. Die Frage der Vorsitzenden Richterin, wie sie dies sicherstellen wollten, konnten die beiden nicht beantworten.

Die Vertreter der Nebenkläger – drei der insgesamt sieben damaligen Bewohner des Hauses – wiesen mit Blick auf die Einlassungen des mutmaßlichen Haupttäters darauf hin, dass nicht die Flüchtlinge in fremde Häuser eingedrungen seien und Straftaten begangen hätten, sondern vielmehr die beiden Angeklagten.

Die beiden Beschuldigten hatten nach Angaben der Polizei Hagen bereits bei ihren polizeilichen Vernehmungen die Tat in vollem Umfang gestanden. Der mutmaßliche Haupttäter ist von Beruf Feuerwehrmann, der zweite Täter soll während der Brandstiftung „Schmiere“ gestanden haben. Angesetzt sind elf weitere Verhandlungstage bis zum 19. August. (epd/mig)

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