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Das Jenidze-Gebäude wurde 1909 im orientalischen Baustil errichtet und gehört seitdem zum Stadtbild Dresdens © tm-md @ flickr.com (CC 2.0), bearb. MiG

Geschichte des Islams in Deutschland

Zusammenleben geprägt von gegenseitigem Respekt und religiöser Toleranz

Unter den aktuellen Flüchtlingen, die in die BRD kommen, sind auch viele Menschen muslimischen Glaubens. Sie werden mindestens skeptisch beäugt. "Der Islam" wird in großen Bevölkerungsteilen als Bedrohung empfunden. Für manche Politiker gehört "der Islam" nicht zu Deutschland. Dabei wird übersehen, dass es eine jahrhundertelange Geschichte des Islams in Deutschland gibt.

Von Montag, 28.09.2015, 8:23 Uhr|zuletzt aktualisiert: Mittwoch, 30.09.2015, 23:56 Uhr Lesedauer: 14 Minuten  |   Drucken

Spätestens seit den Terroranschlägen am 11.9.2001, an dem deutsche Muslime als Täter mitbeteiligt waren, wird der Islam in großen Bevölkerungsteilen der BRD als Bedrohung empfunden. In oft vereinfachender und hetzerischer Weise wird eine „Islamisierung“ als Bedrohung für die westlichen Einwanderungsgesellschaften konstruiert. Der Islam wird als monolithischer Block gesehen und mit den negativen Attributen militant, totalitär, antidemokratisch und frauenfeindlich versehen. Unterschiedliche Glaubensvorstellungen bei Sunniten, Schiiten, Alewiten, Alawiten usw. oder die Auffassung eines säkularen Islams fehlen häufig in der Debatte. Negative unveränderliche Merkmale werden in der Wissenschaft, in den Medien und auch von gesellschaftlichen Verantwortungsträgern transportiert. Die ständige Wiederholung der These, die christlichen europäischen Gesellschaften müssten sich gegen einen immer als fundamentalistisch und monolithisch verstandenen Islam wehren, dient dazu, religiöse Konkurrenzangst zu nationalisieren und zu ethnisieren. 1 Der Islam wird als existenzbedrohend für die deutsche Gesellschaft und ihre „nationale Identität“ dargestellt. In all diesen Szenarien taucht ein altbekanntes Muster auf; nämlich die Zurichtung der Gesellschaft nach Carl Schmitts Prinzipien der Freund-Feind-Bestimmung 2.

Der Bau von Moscheen in Deutschland beschäftigte lange Zeit die bundesrepublikanische Öffentlichkeit. Vor allem der Neubau einer Moschee in Köln-Ehrenfeld hatte eine überlokale gesamtgesellschaftliche Relevanz und war Teil eines „Kulturkampfes von rechts“. 3 Die rechte Partei Pro Köln machte die Ablehnung des Baus der Moschee zu einem wesentlichen Teil ihres Kommunalwahlkampfes 2004 und sprach von einer „schleichenden Islamisierung“, die in der BRD vor sich gehen würde. 4 In einem Flugblatt hieß es: „Wo eine Moschee steht, wird als nächstes ein Minarett und dann der Muezzin-Ausruf bei der zuständigen Behörde beantragt. Den nicht-islamischen Kölnern stehen also spannende Zeiten bevor. (…) Die islamischen Verbände in Köln haben sich von den islamischen Extremisten bislang nicht distanziert. Es ist also sehr gut möglich, dass die neue Groß-Moschee auch eine gefährliche Zufluchtsstätte für islamische Extremisten wird.“ 5 Pro Köln gelang es, über 20.000 Unterschriften gegen den geplanten Moscheebau zu präsentieren. Dies zeigt, dass ihre islamophobe Stimmungsmache bei einem Teil der Bevölkerung auf fruchtbaren Boden traf. 6

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Innerhalb der Kölner CDU entwickelte sich eine heftige Diskussion um den Neubau; die dabei vorgetragenen Argumente waren zum Teil von rassistischen Ressentiments geprägt und boten eine Steilvorlage für Pro Köln. Erst auf ihrem Parteitag am 14.8.2007 rang sich die CDU zu einer öffentlichen Zustimmung des Baus der Moschee durch. Der Kölner Publizist Ralph Giordano sprach sich gegen den Bau aus, da er darin die Verschärfung einer gesellschaftlichen Polarisierung zwischen Muslimen und der deutschen Bevölkerung sah, die nicht zum Gelingen von Integration beitragen würde. 7 Dies wurde von Pro Köln begeistert aufgenommen und wahlkampftaktisch ausgeschlachtet. Viele gesellschaftliche Lokalgrößen sprachen sich dagegen für den Bau aus, der letztlich auch durchgeführt wurde.

Der damalige Bundespräsident Christian Wulff (CDU) äußerte 2010 öffentlich die Ansicht, „der Islam“ gehöre zu „Deutschland“, was von rechter Seite kritisiert wurde. Als Anfang 2015 Bundeskanzlerin Angela Merkel Wulffs Satz bekräftigte, sorgt dies wiederum für Diskussionen in der CDU. Sachsens Ministerpräsident Stanislaw Tillich widersprach der Einschätzung Merkels. Für Tillich, der dem Präsidium der Bundes-CDU angehört, gehöre der Islam nicht zu Deutschland. Muslime seien in Deutschland willkommen und könnten ihre Religion ausüben, was „aber nicht bedeutet, dass der Islam zu Sachsen gehört.“ CDU-Fraktionschef Volker Kauder betonte, dass „Muslime zu Deutschland gehören“, „der Islam“ jedoch nicht.

Das Bündnis „Patriotische Europäer gegen die Islamisierung des Abendlandes“ (Pegida) protestiert vor allem in Dresden mit mehreren zehntausend Teilnehmern in der Tradition der Montagsdemonstrationen gegen eine „Islamisierung Europas“. Die dort auch angesprochenen Themenbereiche „nationale Identität“ und „Asylmissbrauch“ sind eng mit dem Postulat gegen „Islamisierung“ verknüpft. Pegida transportiert einen antimuslimischen Rassismus, die Demonstrationen sind die größten rechten Aufmärsche seit dem 2. Weltkrieg. Rechte Hooligans der Dresdener Gruppierungen „Faust des Ostens“ (FdO) und „Hooligans Elbflorenz“ (HE) nehmen nachweislich regelmäßig an den Demonstrationen teil, ohne dass diese Schnittstellen von Pegida und HoGeSa thematisiert werden. Die auch dort teilnehmende NPD oder Mitglieder von neonazistischen „Kameradschaften“ auch aus dem benachbarten Ausland werden nicht ausgeschlossen. In diesem Zusammenhang verweisen Pegida-Sprecher lediglich auf das Versammlungsgesetz, das jedem die Teilnahme an den Demonstrationen erlaube. Die bei den Pegida-Aufmärschen beobachteten ethnisch-rassistischen Identitätskonstrukte lassen sich nach dem Sozialwissenschaftler Alexander Häusler folgendermaßen zusammenfassen:

  1. Vgl. dazu Kornexl, K.: Das Weltbild der intellektuellen Rechten in der Bundesrepublik Deutschland. Dargestellt am Beispiel der Wochenzeitschrift Junge Freiheit, München 2008, S. 533f
  2. Carl Schmitt stellte fest: „Die spezifische politische Unterscheidung, auf welche sich die politischen Handlungen und Motive zurückführen lassen, ist die Unterscheidung zwischen Freund und Feind.“ (Schmitt, C.: Der Begriff des Politischen, Berlin 1963, S 26) Schmitt beschreibt in existentialistischer Weise die Freund-Feind-Gruppierungen. Der politische Feind ist derjenige, der durch sein bloßes Dasein für jemanden zur Gefahr wird.
  3. Bozay, K.: Kulturkampf von rechts – Das Dilemma der Kölner Moscheedebatte, in Häusler, A. (Hrsg.): Rechtspopulismus als „Bürgerbewegung“. Kampagnen gegen Islam und Moschee und kommunale Gegenstrategien, Wiesbaden 2008, S. 198-212, hier S. 198
  4. www.pro-koeln-online/artikel6/islamisierung.htm
  5. Flugblatt von Pro Köln zur Kommunalwahl am 26.9.2004
  6. Vgl. dazu Böhm, P.: Auf dem gesellschaftlichen Parkett angekommen, in Sommerfeld, F. Der Moscheestreit. Eine exemplarische Debatte um Einwanderung und Integration, Köln 2008, S. 153-160, hier S. 155
  7. Lausberg, M.: Die Pro-Bewegung. Geschichte, Inhalte, Strategien der „Bürgerbewegung Pro Köln“ und der „Bürgerbewegung Pro NRW“, Münster 2010, S. 70

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MiGDISKUTIEREN (Bitte die Netiquette beachten.)

  1. Petra sagt:

    Vielen Dank für diesen aufschlussreichen Artikel!

  2. Alexei sagt:

    Ich finde es ja immer toll wie immer einseitig festgesetzt wird,dass kulturelle Bereicherung so toll sein soll, denn welcher konkrete Mehrwert soll sich dadurch einstellen? Pragmatisch betrachtet ist Deutschland doch super so wie es ist. Ich persönlich brauch keine kulturelle Bereicherung. Selbst im Vergleich zu vielen anderen westlichen Staaten wie z.B USA steht Deutschland mit seinem sozialstaat und liberalen Gesellschaft super da.
    Mal ernsthaft als Frage gemeint.Was soll uns das konkret bitte bringen?
    Die Kultur und Mentalität die wir haben ist schon großartig so wie sie ist,denn sonst hätten wir diesen Staat mit all seinen sozialen Leistungen nicht aufbauen können,wie man anhand der USA und an den Reaktionen auf Obamacare gesehen hat.

  3. Armin sagt:

    @Alexei: Deine Aussagen setzen ja voraus, dass die heutige Kultur ja schon immer so bestand. Und dann höre ich mir die Geschichten meines Vaters (Gastarbeiter aus Bosnien) an, der da so einiges, aus heutige Sicht verwunderliches, erzählt. Wie z.B., dass früher keiner aufm Rasen saß, erst recht nicht dort gegrillt hat. Das man sich über diese Gastarbeiter und ihrer Art nur wunderte. Und heute, heute kann mal überall (sogar in ner Tanke) einen Grill kaufen, um damit im Freien zu chillen. Also, dies als Beispiel. Kulturen wandeln sich, und welche Einflüsse dort wiederzufinden sind, kann man mit der Zeit nicht mehr groß auseinander halten. Und wer weiß, vielleicht ändert sich das Sozialsystem im Lande, die Falken sitzen überall.. und diese sind selten (in Deutschland) muslimisch.

  4. surviver42 sagt:

    @Dr. Lausberg
    in der headline „den Islam“ mit einer potenziellen „Bedrohung“ zu assoziieren scheint aus ihrer Sicht humaner als mit „Terrorismus“ zu sein, aber die wahre Bedrohung in Deutschland ist nicht „der Islam“, sondern die „Volksverblödung“ und Manipulation der Bevölkerung.
    Die meisten Mainstream-Medien, UND dazu gehören auch TV, berichten über „den Islam“ immer nur einseitig.
    Dies ist gegenüber dem GEZ-Zahler ein Hochverrat.
    Wir haben das Recht auf eine objektive Berichterstattung.
    Eine Bedrohung ist das auch für viele Muslime.
    WARUM?
    Sie werden durch die Medien nicht positiv vertreten/repräsentiert und fühlen sich dadurch an den Rand der Gesellschaft gedrängt.
    WOZU FÜHRT DAS?
    Sie werden konservativ und suchen eine Idendität in der Radikalisierung.

    Ich halte nicht „den Islam“ für eine Bedrohung in der Gesellschaft , sondern die mediale Hetze und die Spalltung der Gesellschaft für noch viel Gefährlicher.