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Ein Mahmal gegen die Sklaverei in Sansibar © missy @ flickr.com (CC 2.0), bearb. MiG

Sklaven

Menschen ohne Rechte

Der internationale Tag der Erinnerung an den Sklavenhandel suggeriert, als sei Sklaverei bereits Geschichte. Sklaverei ist aber ein aktuelles Massenphänomen, die wir in Produkten mit Dumpingpreisen sehen können. Von Katarzyna Plucinska

Von Freitag, 21.08.2015, 8:24 Uhr|zuletzt aktualisiert: Montag, 24.08.2015, 17:31 Uhr Lesedauer: 3 Minuten  |  

Am 23. August jedes Jahres wird der internationale Tag der Erinnerung an den Sklavenhandel und dessen Abschaffung gefeiert. Offiziell ist Sklaverei in jeglicher Form verboten, was unter anderem in der Menschenrechtskonvention der Vereinten Nationen (1948) verschriftet wurde. In Wirklichkeit gibt es sie aber immer noch, ob in Form von Menschenhandel, Zwangsarbeit, Zwangsprostitution oder Missbrauch von Kindern als Kindersoldaten.

Im Prozess der Sklaverei wird ein Mensch einem anderen Menschen unterworfen und von diesem zwecks seiner eigenen Profitabilität ausgebeugt. Der Versklavte wird entrechtet und sowohl psychisch sowie physisch misshandelt. Er wird verdinglicht und vom Sklavenhalter nach Lust und Laune weiter verkauft. Heutzutage assoziieren wir den Sklavenhandel vor allem mit der Kolonialisierung Afrikas und dem atlantischen Dreieckshandel. Auf diesem Weg trafen die Sklaven aus Schwarzafrika in Amerika und Europa ein. Der kamerunische Philosoph Achille Mbembe rekonstruiert in seinem Buch: „Kritik der schwarzen Vernunft“ die Herausbildung des Rassismus und der Sklaverei als Folge des globalen Kapitalismus. Der Zusammenhang zwischen den drei Größen spiegelt sich dann deutlich in der von der damaligen Welt kreierten Bezeichnung „Neger“ wieder, die den Menschen als Ware kennzeichnete. Da der Menschenhandel schon immer ein profitables Geschäft war, suchten unsere Vorfahren nach einem Ausweg, um ihn nicht vollständig abschaffen zu müssen. Obwohl in 1865 die Sklaverei in den Vereinigten Staaten offiziell verboten wurde, führte Alabama in demselben Jahr einen Black Code ein, der die Mobilität schwarzer Arbeiter einschränkte, so dass sie weiter auf Plantagen arbeiten mussten.

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Die rücksichtslose Ausnutzung von Menschen beschränkt sich nicht auf die Vergangenheit, sondern reicht bis in die Gegenwart. Laut einer Studie der International Labour Organization (ILO) sind heutzutage weltweit fast 21 Millionen Menschen Opfer von Zwangsarbeit. Die illegal erwirtschafteten Gewinne für Hintermänner betragen jährlich kaum vollstellbare 150 Milliarden US-Dollar. Nicht ohne Grund wird der Menschenhandel, gleich nach dem Drogen- und Waffenhandel, als die dritte der gewinnbringendsten Kriminalitätsarten angesehen. Selbst in Europa – einschließlich der EU – übertreffen geschätzte Profite 45 Milliarden.

Um gegen die Kriminalität erfolgreich kämpfen zu können, wurde im April 2011 im Europäischen Parlament eine Menschenhandelsrichtlinie (sog. Richtlinie 2011/36/EU) festgelegt. Im Vergleich mit früheren Vorschriften wird jetzt der Begriff Menschenhandel breiter definiert, so dass er auch Delikte wie erzwungene Betteltätigkeiten oder Organentnahme zum Zwecke des illegalen Organhandels umfasst. Für die Straftaten, die unter dem Menschenhandel fallen, droht ein Freiheitsentzug von mindestens fünf Jahren, bzw. in besonderen Fällen von mindestens zehn Jahren.

Moderne Ausbeutung von Menschen und Arbeitskräften basiert oft auf Armut, fehlender Bildung und Migration, welche Menschen in die Falle der Zwangsarbeit locken. Aufgrund Sprachbarrieren und Unkenntnis von ihren Rechten sehen sie häufig keine Möglichkeit, sich aus ihrer Lage zu befreien. Um diesen Menschen zu helfen, agieren weltweit zahlreiche Organisationen wie „YouCanFree.Us“ oder „International Organization for Migration (IOM)“. Auch in Deutschland laufen Projekte wie z.B.: „Bündnis gegen Menschenhandel zur Arbeitsausbeutung (BGMA)“. Auf der Website der BGMA findet man eine Liste mit Beratungsstellen, die zu einzelnen Bundesländern zugeordnet wurden. Die Beratung wird dort kostenlos, anonym und unabhängig vom Aufenthaltsstatus geboten.

Sklaverei ist ein aktuelles Massenphänomen, das gern als weit entferntes und für uns fremdes Problem angesehen wird. Dabei halten die meisten Menschen den Menschenhandel für abscheulich und unmoralisch. Sie verurteilen die Täter streng und lassen sich gleichzeitig von Dumpingpreisen verblenden. Denn wie viele von uns denken an unsichtbare Arbeiter, die zugunsten unseres Wohlstandes schuften müssen? Wie viele von uns glauben, dass sie für ein besseres Leben als die Unsichtbaren geschaffen wurden? Ich hoffe, dass viele von uns klug und demütig genug sind, um zu wissen, dass es keiner unserer Verdienste ist, in einem satten Teil der Welt zu leben und dass wir sogar schneller als gedacht unter die Unsichtbaren geraten können… Aktuell Meinung

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  2. Anton Berendi sagt:

    Leider hört beim ‚billigen‘ T-Shirt bei Kik das Einfühlungsvermögen und die Empathie auf. Noch.

    Daß im Dunkel die dort leben,
    so du selbst nur Sonne hast;
    daß für dich sie Lasten heben,
    neben ihrer eignen Last.;
    daß du frei durch ihre Ketten,
    Tag erlangst durch ihre Nacht:
    was wird von der Schuld dich retten,
    daß du daran nie gedacht!
    Karl Kraus

    http://www.inkota.de/aktuell/kampagnen/news/vom/01/mai/2014/das-ist-untragbar/