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Ausländische Hochschulabschlüsse © mauritsreijnoudt @ flickr.com (CC 2.0), bearb. MiG

Ein Fuß in den Arbeitsmarkt

Europaweite Anerkennung non- und informeller Kompetenzen

Die Anerkennung ausländischer Abschlüsse ist inzwischen möglich. Was aber, wenn der Einwanderer keine formelle Ausbildung absolviert hat, aber über sehr gute Kompetenzen und langjährige Erfahrung verfügt? Für solche Fälle hat ein Forscherteam ein Schema entwickelt.

Von Donnerstag, 16.07.2015, 8:21 Uhr|zuletzt aktualisiert: Donnerstag, 16.07.2015, 16:07 Uhr Lesedauer: 2 Minuten  |   Drucken

Die Anerkennung ausländischer Berufsabschlüsse hat in den letzten Jahren große Fortschritte gemacht. Im Europäischen Vergleich steht Deutschland damit sehr weit vorne, wie eine jüngste Studie im Rahmen des EU-Projekts DIVERSE in Koordination des WWELL Research Centre der Katholischen Universität Mailand herausgefunden hat.

Doch wie sieht es mit der Anerkennung non- und informeller Kompetenzen aus? Zahlreiche Einwanderer verfügen über Kompetenzen, die teilweise dringend auf dem Arbeitsmarkt gebraucht werden, doch sie können diese nicht zur Anwendung bringen, da Ihnen der Nachweis für die formale Berufs- oder Ausbildungsqualifikation fehlt. Wie kann zum Beispiel eine tunesische Frau, die zehn Jahre in einem Familienbetrieb als Bäckerin gearbeitet hat, aber nie eine Ausbildungsbank gedrückt hat und keinen Berufsabschluss vorzeigen kann, nachweisen, dass sie über die entsprechenden Kompetenzen verfügt?

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Unter anderem diesem Thema widmete sich ein Forschungsteam an der Karlshochschule International University (Karlsruhe) als deutscher Verbundpartner im oben genannten EU-Projekt. Herausgekommen ist ein Audit-Schema, welches non- und informelle Kompetenzen einer Anerkennung zuführt. Wesentlich ist dabei die Verwendung von so genannten Lernergebniseinheiten. Ein Katalog der Lernergebniseinheiten wurde bereits für viele Berufe europaweit definiert. Es handelt sich dabei um kleinteilig beschriebene, kompetenzbasierte Aufgaben, die innerhalb eines Berufs erfüllt werden müssen. Im Falle eines Bäckers sind dieses beispielsweise die Kalkulation von Preisen und Dienstleistungen oder die Entwicklung von Rezepturen und Produktionsmethoden für Backwaren.

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Gemäß dem an der Karlshochschule entworfenen Vorschlag für ein Audit-Schema werden diese Lernergebniseinheiten einzeln geprüft. Abschließend erhält der Kandidat ein Zertifikat über die Prüfungen, wodurch bislang non-formale Kompetenzen formalisiert werden. Dieses erfordert allerdings ein Umdenken: Wesentlich ist nicht mehr wo und wie lange eine Person gelernt hat, sondern über welche Kompetenzen eine Person verfügt, unabhängig davon, ob diese formal oder informelle erworben wurden.

Natürlich ist die Prüfung non-formaler und informeller Kompetenzen aufwändiger und kostspieliger als das derzeitige Verfahren für die Anerkennung formaler Abschlüsse, bei dem meistens einfach die Curricula der ausländischen und der deutschen Ausbildungen nebeneinander gelegt werden. Das Forschungsteam der Karlshochschule macht auch hier einen Vorschlag zur gerechten und sozialverträglichen Finanzierung des Anerkennungsverfahrens, indem es die Entwicklung nachfolgender und einkommensabhängiger Verfahrensgebühren empfiehlt. Damit werden die größten Profiteure des Anerkennungsverfahrens stärker belastet und das Risiko für den einzelnen Antragsteller wird minimiert.

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