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Wolfgang Wippermann: Niemand ist ein Zigeuner. Zur Ächtung eines europäischen © edition Körber-Stiftung

Rezension zum Wochenende

„Wäsche weg! Die Zigeuner kommen!“

Tief sitzen die Vorurteile gegen die Menschen, die man früher "Zigeuner" nannte. Nicht nur in Deutschland, in ganz Europa werden Roma ausgegrenzt. Der Historiker Wolfgang Wippermann fordert in seinem neuen Buch Gerechtigkeit und gesellschaftliche Anerkennung.

Von Freitag, 29.05.2015, 8:21 Uhr|zuletzt aktualisiert: Sonntag, 31.05.2015, 11:39 Uhr Lesedauer: 2 Minuten  |   Drucken

Der Historiker Wolfgang Wippermann beschreibt in seinem Sachbuch „Niemand ist ein Zigeuner“ Vorurteile gegenüber Roma und macht auf ein gesamteuropäisches Phänomen aufmerksam. Ihm ist bewusst, dass er mit seinen Thesen nur sensibilisieren und aufklären kann. Veränderungen müssen in der Gesellschaft passieren. Das essayistisch geschriebene Werk ist sehr anschaulich, informativ und lesenswert.

Als Professor lehrt Wolfgang Wippermann seit 1978 an der FU in Berlin. Sein Schwerpunkt ist Faschismus, Rassismus und religiöser Fundamentalismus. Den Antiziganismus – die Zigeunerfeindlichkeit- sieht der Historiker als ein Feindbild, das bekämpft werden muss.

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Aktuell ist dieses Feindbild auch in den Medien und den Stammtischen. Mit der Armutszuwanderung aus Südeuropa würden in den Großstädten angeblich zunehmend „herum ziehende Gauner“ beobachtet, mehr Diebstähle und Einbrüche gemeldet, Menschen in lumpigen, bunten Outfits gesichtet. Kennen wir doch irgendwie alle diese Sätze, oder? „Zieh-Gauner“, genau daraus sei auch der Begriff Zigeuner entstanden, erklärt Wolfgang Wippermann.

Die Roma sind eine Kulturnation ohne eigenen Staat. Der Historiker ist der Meinung, dass dieser auch gar nicht nötig sei, wenn die Roma alle Bürgerrechte in Europa bekämen. „Sie leben seit über eintausend Jahren in Europa und gehören dazu“ ist seine Meinung. Als Wertegemeinschaft dürfe Europa eine Feindschaft gegen Roma, wie sie auch den Antisemitismus nicht duldet, nicht billigen. Professor Wolfgang Wippermann gesteht im Interview, dass wir Menschen uns nicht völlig von Vorurteilen befreien könnten, auch er selbst nicht. Allerdings sei ein reflektierter und kritischer Umgang damit und vor allem eine Offenheit dem Andersartigen gegenüber notwendig. Das Fremde mache zwar Angst und verunsichere, dennoch dürfe es nicht verteufelt werden. Ressentiments einer Ethnie gegenüber seien gefährlich.

In seinem Buch schildert er die sozialen und rassistischen Verfolgungen und Diskriminierungen von Roma in der Geschichte von Europa und geht auch auf aktuelle Ereignisse ein. Sein Buch ist ein Aufruf, ein Appell. Vielleicht trägt es dazu bei, dass sich das Bewusstsein der Leser ändert, ihre Assoziation mit dem Begriff „Zigeuner“, dann könnte sich auch die Wahrnehmung ändern und schließlich der Umgang mit den Menschen.

Aufklären tut es den Leser in jedem Fall. Das ist auch dringend nötig, denn verschiedene Umfragen der letzten Jahre in Deutschland bestätigen die Stigmatisierung, die an den Roma haftet. Ein trauriges Ergebnis, an dem die Gesellschaft arbeiten muss. Historiker stellen die Geschichte dar, damit Erkenntnisse gewonnen werden. Genau diese bietet uns das Buch „Niemand ist ein Zigeuner“. Ich habe es gern gelesen und kann es wirklich empfehlen!

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