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"Pegida"

Wissenschaftler fordern neues Leitbild für Deutschland

Nach ansicht des Rates für Migration geht ein Riss durch die Gesellschaft: Jeder Zweite befürwortet die wachsende Vielfalt, aber jeder Dritte fordert mehr Mut zu einem stärkeren Nationalgefühl und schließt dabei Eingewanderte aus. Daher brauche Deutschland eine neue Leitbild-Kommission.

Dienstag, 06.01.2015, 8:24 Uhr|zuletzt aktualisiert: Mittwoch, 07.01.2015, 21:22 Uhr Lesedauer: 2 Minuten  |   Drucken

Vor dem Hintergrund islam- und fremdenfeindlicher Proteste in Deutschland haben führende Migrationswissenschaftler eine breite Debatte in Politik und Zivilgesellschaft angemahnt. „Wir benötigen ein neues Leitbild für Deutschland“, sagte der Vorsitzende des Rats für Migration, Werner Schiffauer, am Montag in Berlin. Der Kulturwissenschaftler regte dazu die Gründung einer Kommission unter Federführung der Integrationsbeauftragten der Bundesregierung, Aydan Özoğuz (SPD), an.

„Die Illusion eines ethnisch homogenen Nationalstaats ist einfach nicht mehr zeitgemäß“, sagte Schiffauer. Deutschland sei ein Einwanderungsland. An vielen Orten, vor allem Großstädten, sei dies mehrheitlich akzeptiert. Es gebe aber auch andere Orte, die man nun einholen müsse, sagte Schiffauer.

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Es sei bemerkenswert, dass der Unmut gegen Einwanderung immer wieder von denjenigen getragen werde, die an dieser kulturellen Entwicklung kaum teilhaben und mit Einwanderung am wenigsten zu tun haben.

Rat fordert Integrationskonzept für gesamte Gesellschaft
Laut Bevölkerungsumfragen des Instituts für Interdisziplinäre Konflikt- und Gewaltforschung von 2014 finden 36 Prozent der Bevölkerung, „wir sollten endlich wieder Mut zu einem stärkeren Nationalgefühl haben“. Dieselben Befragten neigen zu anti-demokratischen und menschenfeindlichen Einstellungen. „Auch darauf brauchen wir politische Antworten und Konzepte. Deswegen brauchen wir ein Integrationskonzept für die gesamte Gesellschaft, das auch die Integrationsdefizite in der Mitte der deutschen Gesellschaft thematisiert und gegen Feindlichkeiten gegenüber Muslimen, Flüchtlingen, Roma und anderen Minderheiten angeht“, heißt es in einer Mitteilung des Rates.

Der Professor an der Europa-Universität Viadrina in Frankfurt (Oder) mahnte, die „Pegida“-Bewegung müsse ernst genommen werden. Sie sei ein Hinweis auf einen Riss in der Gesellschaft bei der Frage nach Zuwanderung. Auf der Straße komme etwas zum Tragen, das sich in Umfragen über die Einstellungen der Deutschen bereits länger zeige. Eine schnelle Antwort auf die Demonstrationen gebe es daher nicht.

Dem Rat für Migration gehören rund 80 Wissenschaftler an, die sich mit Fragen der Zuwanderung und Integration befassen und die politische Debatte darüber kritisch begleiten wollen. Das Gremium wird von der Freudenbergstiftung gefördert. (epd/mig)

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