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Pegida

Neonazis und Bürgertum

Heute wäre das Bürgertum die Gemeinschaft aller deutschen Staatsbürger, unabhängig von der Abstammung, der Rasse, der Sprache, der Heimat und Herkunft, des Glaubens, der religiösen oder politischen Anschauungen. So bestimmt es unser Grundgesetz. Wer ein Problem damit hat, ist selbst das Problem und das muss dann auch so benannt werden, liebe Journalisten!

Von Anja Seuthe Donnerstag, 04.12.2014, 8:24 Uhr|zuletzt aktualisiert: Donnerstag, 04.12.2014, 17:40 Uhr Lesedauer: 3 Minuten  |   Drucken

Die patriotischen Europäer gegen die Islamisierung des Abendlandes, kurz PEGIDA, haben es in alle Medien geschafft. Das ist unschön, aber berechtigt. Wer wöchentlich mehrere Tausend Menschen zu „Spaziergängen“ gegen die Islamisierung zusammenbringen kann, und das auch noch in mehr als einer deutschen Stadt, hat Aufmerksamkeit verdient.

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Auf die Frage, wer denn diese Menschen seien, heißt es: „Da marschiert das Bürgertum mit den Neonazis.“

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Aha. Wohl kaum. Fragt man die Veranstalter, dann marschiert da nur das Bürgertum. Schließlich hat man mit Nazis nichts am Hut. Dass extrem rechte Parteien wie die NPD, Die Rechte und Pro NRW die Aufmärsche unterstützen, hilft allerdings nicht gerade dabei, ein „sauberes“ Image zu bewahren. Nun gut, da können die PEGIDA Aktivisten nichts zu, dass „ungebetene Gäste“ in großen Zahlen an ihren Spaziergängen teilnehmen. Andererseits wiederum muss man sich die Frage stellen, WARUM denn unsere extrem rechten Mitbürger sich durch den Aufruf der PEGIDA angesprochen fühlen?

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Die Frage ist nicht schwer zu beantworten. Dazu reicht ein Blick auf die Internetseite der PEGIDA. Da heißt es: „Für unser Vaterland, für Deutschland, es ist unser Land, das Land unserer Ahnen, Nachfahren und Kinder…“. Das klingt schon ziemlich eindeutig. Eindeutig ausländerfeindlich! Migranten haben nun mal per Definition keine Ahnen in Deutschland. Die PEGIDA selbst betont zwar, es ginge einzig und allein gegen die Islamisierung, nicht aber gegen Ausländer, lässt aber dann Sprüche los wie: „Wir sind nicht gegen Griechen, wir sind nicht gegen Italiener…“ Aha. Vielleicht ist man doch rassistisch unterwegs? Zumindest ein kleines Bisschen? Mit dem Islam hat diese Argumentation auf jeden Fall nichts zu tun.

Genau so wenig, wie die Aufmärsche etwas mit Bürgertum zu tun haben. Die PEGIDA hat recht. Da marschiert nicht das Bürgertum mit Neonazis. Da marschieren schlicht und ergreifend Neonazis. Wer denkt, vom Alter und Geschlecht auf die Gesinnung schließen zu können, ist nicht viel besser als die Rassisten auf der Straße. Da waren nicht nur Hooligans unterwegs? Sondern auch ältere „gutbürgerliche“ Ehepaare? Wer sagt, denn, dass nur junge gewaltbereite Männer Neonazis sein können? Was macht denn einen Neonazi aus? Und vor allem, inwiefern unterscheidet sich das „gutbürgerliche“ Ehepaar von den Neonazis, wenn es durch die Straße zieht und „Ausländer raus!“ skandiert?

Meine Bitte an die Journalisten, benennt die Dinge so, wie sie sind. Das Bürgertum bezeichnete ursprünglich eine mittelständische Bevölkerungsschicht, die im Schutze der Burgmauern besondere Rechte genoss. Heute wäre das die Gemeinschaft aller deutschen Staatsbürger, unabhängig von der Abstammung, der Rasse, der Sprache, der Heimat und Herkunft, des Glaubens, der religiösen oder politischen Anschauungen. So bestimmt es unser Grundgesetz. Rechtsextreme Demonstranten, die das offensichtlich anders sehen, „Bürgertum“ zu nennen, ist ein Schlag ins Gesicht für alle diejenigen, die daran glauben, dass ein friedliches Zusammenleben auf der Basis unseres Grundgesetzes in Deutschland möglich ist.

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