Statistik

Migranten häufiger von Armut bedroht

Auf ein neues Rekordhoch ist die bundesweite Armutsquote gestiegen. Nicht verschont wurden von dieser Entwicklung auch Migranten. Überhaupt gelten Menschen mit ausländischen Wurzeln mehr als doppelt so häufig als armutsgefährdet.

Donnerstag, 20.11.2014, 8:22 Uhr|zuletzt aktualisiert: Sonntag, 23.11.2014, 20:13 Uhr Lesedauer: 2 Minuten  |   Drucken

Die bundesweite Armutsquote ist im Jahr 2013 auf ein neues Rekordhoch von 15,5 Prozent gestiegen. Das geht aus am Mittwoch vom Statistischen Bundesamt veröffentlichten Daten hervor. Aufgeteilt nach den alten und neuen Bundesländern wird ein starkes Ost-West-Gefälle deutlich: 2013 waren 19,8 Prozent aller Menschen in Ostdeutschland armutsgefährdet, in Westdeutschland vergleichsweise niedrige 14,4 Prozent.

Wie Recherchen des MiGAZIN außerdem zeigen, gibt es zudem ein starkes Armutsgefälle zwischen Menschen mit und ohne deutschen Pass sowie zwischen Menschen mit und ohne Migrationshintergrund. Während fast jeder dritte Ausländer im Jahr 2013 (32 Prozent) von armutsgefährdet war, lag diese Quote bei deutschen Staatsbürgern bei 13,9 Prozent. Ein ähnliches Bild auch bei der Unterscheidung nach dem Migrationshintergrund: Jeder Vierte mit ausländischen Wurzeln (26,6 Prozent) war armutsgefährdet, bei Menschen ohne Migrationshintergrund betrug diese Quote 12,6 Prozent.

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Migranten holen auf
Im langfristigen Vergleich hat sich die Situation von Ausländern und Migranten allerdings leicht verbessert. So lag im Jahr 2005 die Armutsquote von Menschen ohne deutschen Pass um 2,3 Prozent höher. Auch bei Menschen mit Migrationshintergrund wurde ein Rückgang der Armutsgefährdungsquote von 1,6 Prozent verzeichnet. Die Armutsgefährdungsquote von deutschen Staatsbürgern und Menschen ohne Migrationshintergrund stieg im selben Vergleichszeitraum um jeweils 1,1 Prozent.

Der allgemeine negative Trend des vegangenen Jahres ging aber auch an Ausländern und Menschen mit Migrationshintergrund nicht vorbei. Im Vergleich zum Jahr 2012 stieg ihre Armutsquote um 0,5 bzw. um 0,3 Prozent.

Info: Als armutsgefährdet gelten gemäß der Definition der Europäischen Union Menschen, die mit weniger als 60 % des mittleren bedarfsgewichteten Einkommens (Median) der Bevölkerung in Privathaushalten auskommen müssen. Nach den Ergebnissen des Mikrozensus galten im Jahr 2013 beispielsweise Einpersonenhaushalte mit einem monatlichen Einkommen von weniger als 892 Euro als armutsgefährdet.

Rentenentwicklung verantwortlich
Kritik an dieser Entwicklung kommt unter anderem vom Sozialverband VdK Deutschland. Die neuen Daten machten deutlich, dass „Armut keine Randerscheinung mehr ist. Das Problem ist akut wie noch nie und darf nicht mehr wegdiskutiert werden“, forderte Ulrike Mascher, Präsidentin des Verbands. Sie sprach von einer „prekären Lage vieler alter Menschen im Land“.

Mascher machte für diesen Trend die Rentenentwicklung der letzten Jahre verantwortlich: „Man erkennt, dass das Absenken des Rentenniveaus nicht spurlos an den Rentnern vorbeigeht.“ Deshalb müssten die Regelsätze in der Grundsicherung für ältere Menschen und dauerhaft Erwerbsgeminderte angehoben und jährlich bedarfsgerecht angepasst werden. Auch müssten die hohen Abschläge bei den Erwerbsminderungsrenten abgeschafft werden, sagte die VdK-Chefin. (mig/epd)

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