Jesuiten kritisieren Flüchtlingspolitik

„Das überfordert ein Land wie die Bundesrepublik nicht“

Weniger als ein Prozent der weltweit 51 Millionen Menschen auf der Flucht kämen nach Europa und davon etwa nur ein Viertel nach Deutschland. Das dürfe Deutschland nicht überfordern, kritisiert der Jesuiten-Flüchtlingsdienst und fordert eine neue Flüchtlingspolitik.

Freitag, 14.11.2014, 8:21 Uhr|zuletzt aktualisiert: Sonntag, 16.11.2014, 20:00 Uhr Lesedauer: 1 Minuten  |   Drucken

Der Jesuiten-Flüchtlingsdienst hat die deutsche und europäische Flüchtlingspolitik scharf kritisiert. Asyl sei kein Gnadenakt, sondern ein Grundrecht, betonte Deutschland-Direktor Pater Frido Pflüger auf der Jahrespressekonferenz am Donnerstag in Berlin. Weniger als ein Prozent der weltweit 51 Millionen Menschen auf der Flucht kämen nach Europa und davon etwa nur ein Viertel nach Deutschland. „Das überfordert ein Land wie die Bundesrepublik nicht“, unterstrich der katholische Geistliche.

Ein Blick auf die Alterstabelle des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge zeige, dass Flüchtlinge keine Belastung seien, sondern eine Bereicherung sein könnten – „wenn man sie nur lassen würde“. Ein Drittel von ihnen im vergangenen Jahr seien Kinder gewesen, 70 Prozent der Asylsuchenden unter 30 Jahre. Statt sie zu integrieren und willkommen zu heißen, würden sie mit Arbeitsverbot belegt und darüber häufig psychisch krank. „Ich frage mich, wie lange wir uns diese gefühllose und ökonomisch sinnlose Politik noch leisten wollen“, so der Pater: „Wir sollten die Talente nutzen, statt Lebensjahre zu verschenken.“

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Von EU und Bundesregierung fordert die katholische Hilfsorganisation, legale Fluchtwege nach Europa zu schaffen, mehr Kontingentflüchtlinge aufzunehmen und sogenannte humanitäre Visa einzuführen. Es sei ein Armutszeugnis und zudem zutiefst unchristlich, wenn Europa Menschen auf der Flucht im Meer ertrinken lasse, betonte der Pater. Der 1980 gegründete Jesuiten-Flüchtlingsdienst ist heute in über 50 Ländern aktiv. Seine Projekte kommen den Angaben zufolge mehr als 600.000 Menschen zugute. (epd/mig)

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