10. Ausländerbericht der Regierung

Bildung bewahrt Migranten nicht vor Armut

Migranten erreichen in Deutschland immer höhere Bildungsabschlüsse, sind auf dem Ausbildungsmarkt jedoch immer noch von Chancenungleichheit betroffen. Dem 10. Ausländerbericht zufolge ist eine Bildungskarriere unabhängig von der sozialen Herkunft immer noch nicht möglich.

Donnerstag, 30.10.2014, 8:25 Uhr|zuletzt aktualisiert: Dienstag, 04.11.2014, 17:51 Uhr Lesedauer: 3 Minuten  |   Drucken

Jugendliche mit Migrationshintergrund machen immer häufiger Abitur, haben es aber nach wie vor schwer in Deutschland. Nach dem am Mittwoch in Berlin vorgelegten 10. Ausländerbericht schützt selbst ein guter Schulabschluss nicht vor Armut. So liegt die Gefährdungsquote bei Abiturienten mit ausländischen Wurzeln mit 20 Prozent doppelt so hoch wie bei Gleichaltrigen ohne Migrationshintergrund. Die Integrationsbeauftragte der Bundesregierung, Aydan Özoğuz (SPD), sprach dennoch von deutlichen Fortschritten.

So haben Migranten etwa bei der Bildung aufgeholt. Der Anteil unter den ausländischen Schülern, die an einem Gymnasium einen Abschluss erreichten, stieg dem Bericht zufolge zwischen 2008 und 2012 von 11,2 auf 16,2 Prozent. Außerdem kletterte der Anteil der Studenten mit ausländischer Staatsangehörigkeit an deutschen Hochschulen auf 12 Prozent. Allerdings brechen mit 41 Prozent weitaus mehr Ausländer ihr Bachelor-Studium ab als Deutsche (28 Prozent).

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Nach dem Bericht sind ausländische Schüler aber weiterhin an Hauptschulen über- und an Gymnasien unterrepräsentiert. 40 Prozent aller Jugendlichen mit Migrationshintergrund machten 2012 einen Hauptschulabschluss. Ihr Anteil sank gegenüber 2008 um fünf Prozentpunkte. Mehr als elf Prozent verließen jedoch die Schule ohne einen Hauptschulabschluss. Unter den Deutschen waren es 5,4 Prozent.

Der Bildungserfolg hänge immer noch von der sozialen Herkunft ab, heißt es. Dies wirke sich etwa bei der Notenvergabe aus und bei Empfehlungen für Schulwechsel. Als Grund wird auf die „fehlende ethnische Diversität der Lehrerschaft“ und im Lehrmaterial. Zudem werden „negative Stereotypen“ bei Lehrern beklagt.

Der Name ist entscheidend
Özoğuz bezeichnete es als alarmierend, dass 30,5 Prozent der jungen Menschen aus dem Ausland ohne Berufsausbildung bleiben – und damit dreimal mehr als unter den Deutschen. Zudem würden Bewerber mit einer Einwanderungsgeschichte bei der Suche nach einem Ausbildungsplatz weiterhin diskriminiert. In dem Bericht wird auf eine Studie des Sachverständigenrats deutscher Stiftungen für Integration und Migration (SVR) verwiesen, wonach Jugendliche mit türkisch oder arabisch klingenden Namen schlechtere Aussichten auf eine Einladung zu einem Bewerbungsgespräch haben.

Wie aus dem Bericht weiter hervorgeht, gehen Kinder aus Zuwandererfamilien seltener in eine Kita oder werden von einer Tagesmutter betreut. Aus Sicht der Integrationsbeauftragten liegen die Quoten von Kindern mit Migrationshintergrund unter drei Jahren mit 17,1 Prozent noch deutlich unter denen der Gleichaltrigen ohne Migrationshintergrund (34,6 Prozent).

Zugleich plädierte die SPD-Politikerin für mehr kulturelle Vielfalt in Wirtschaft und der öffentlichen Verwaltung. Das müsse als Normalität und Chance begriffen werden, sagte sie. In Sportvereinen seien mit neun Prozent noch deutlich seltener Mitglieder mit Migrationshintergrund zu finden. Außerdem könne in Deutschland „noch lange nicht von gleichberechtigter Teilhabe im Gesundheitswesen“ gesprochen werden. Das liege zum Teil an sprachlichen und kulturellen Hürden bei den Migranten. 20 Prozent von ihnen könnten nicht ausreichend Deutsch sprechen, um Informationsmaterialien zu verstehen.

Der aktuelle Ausländerbericht beurteilte die Lage von Migranten von Frühjahr 2012 bis 2014. Im Jahr 2012 lebten 16,3 Millionen Migranten in Deutschland. Mit 18,3 Prozent bildeten die Türken die größte Gruppe unter der Bevölkerung mit Migrationshintergrund. Nach den Worten der Integrationsbeauftragten soll der Name des Berichts geändert werden, weil er Daten zu Personen mit Migrationshintergrund beleuchtet. Dafür bedarf es einer Gesetzesänderung, so Özoğuz. (epd/mig)

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