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Die Macht der Schlagzeilen

Über sachliche Moscheebrände und hysterische Kinderspiele

Können Sie sich noch erinnern? „Scharia Polizei in Wuppertal“, hießen die Schlagzeilen vergangener Wochen vereinzelt und „Übergriffe auf Moscheen werden auf deutschem Boden nicht geduldet“, titelten nahezu alle Medien. Nein?

Von Vykinta Ajami Montag, 15.09.2014, 8:22 Uhr|zuletzt aktualisiert: Montag, 15.09.2014, 17:07 Uhr Lesedauer: 2 Minuten  |   Drucken

Die letzten Wochen zeichneten sich unter anderem durch zwei Ereignisse aus: mehrere Moscheebrände und die provokative Aktion der sogenannten„Scharia-Polizei“ in Wuppertal. Beides Islamrelevant mit einem Unterschied: das eine ist kriminell, das andere lächerlich. Und weil sich brennende Gebetshäuser mit einem Streich einiger weniger Jugendlicher kaum vergleichen lässt, sind die Reaktionen der Mainstream Medien umso bizarrer.

Auf insgesamt fünf Moscheen wurde in den vergangenen Wochen Anschläge verübt: zwei in Bielefeld, jeweils eine in Berlin, in Gladbach und in Oldenburg. Die Schlagzeilen dazu lauteten: „Brand in Gladbacher Moschee“, „Erneut Brandanschlag auf Bielefelder Moschee“, „Großbrand an der Mevlana Moschee“ oder „Ermittlungen nach Moscheebrand“. Wie sachlich und nüchtern dazu, nicht wahr? Ganz anders bei der sogenannten Scharia Polizei: „Bundesinnenminister: Scharia wird auf deutschem Boden nicht geduldet“, „NRW-Innenminister: ‚Scharia-Polizei‘ ein Problem für Europa“, „Merkel fordert, entschieden gegen ‚Scharia-Polizei‘ vorzugehen“.

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Warum rufen Bilder von brennenden Moscheen keine Empörungsschlagzeilen hervor, dafür aber ein Streich einer Handvoll Jugendlichen?

Wie würde es wohl klingen, wenn man das Empathieverhältnis der beiden Fälle umkehren würde? Drehen wir den Spieß doch einfach mal um: „Scharia Polizei in Wuppertal“ oder „Ermittlungen gegen Scharia Polizei“. Und weil die Wenigesten die „Scharia Polizei“ kennen – so ganz ohne Hysterie verbreitet sich so eine Meldung sehr langsam – würden viele Redaktionen wahrscheinlich sogar folgendes Titeln: „Wuppertaler Salafisten spielen Polizei“. So oder so ähnlich würde es klingen, wenn diese provokative Aktion nicht mehr Aufmerksamkeit bekommen hätte, als sie wert ist.

Übertragen wir die Empörung über die „Scharia-Polizei“ auf die Moscheebrände, hätten wir ein Zitat von der Bundeskanzlerin oder zumindest dem für die innere Sicherheit verantwortlichen Bundesinnenminister gelesen: „Übergriffe auf Moscheen werden auf deutschem Boden nicht geduldet.“

So hätte es laufen können, müssen. Ist es aber nicht – wäre auch eine schöne Abwechslung gewesen. Aber die Schönheit liegt bekanntlich im Auge des Betrachters. Und die Wahrheit? Irgendwo zwischen der Feder und der Perspektive des Schreibenden.

Aber weder Schönheit noch Wahrheit können etwas ohne Macht. Und wer hat sie? Jene, für die diese Schlagzeilen geschrieben werden: die Mehrheit und ihre Erwartungshaltung nach Unterhaltung – sonst wird nicht konsumiert. In dem Sinne: erwarten Sie noch oder differenzieren Sie schon? Ganz schön viel Macht für so eine kleine Zeile – und ganz schön viel Ohnmacht dazu.

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