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Wir retten Menschenleben

Zahl der Kirchenasyle deutlich gestiegen

„Wir retten nicht die Welt, aber ein paar Menschenleben“. Fanny Dethloff, Vorsitzende der Bundesarbeitsgemeinschaft “Asyl in der Kirche“ veranschaulicht die Bedeutsamkeit des Kirchenasyls: Rund 80 Prozent der Fälle von Kirchenasyl fielen positiv aus.

Dienstag, 09.09.2014, 8:23 Uhr|zuletzt aktualisiert: Dienstag, 09.09.2014, 20:45 Uhr Lesedauer: 2 Minuten  |   Drucken

Die Zahl der Kirchenasyle in Deutschland ist in diesem Jahr stark angestiegen. Derzeit würden 245 Flüchtlinge in 136 Fällen von Kirchenasyl betreut, teilte die ökumenische Bundesarbeitsgemeinschaft „Asyl in der Kirche“ am Freitag in Frankfurt mit. Dazu kämen rund 50 bereits beendete Kirchenasyle. Im vergangenen Jahr gab es den Angaben zufolge 79 Fälle mit 162 betreuten Menschen. „Wir retten nicht die Welt, aber ein paar Menschenleben“, sagte die Vorsitzende Fanny Dethloff. Die Bundesarbeitsgemeinschaft begeht an diesem Wochenende ihr 20-jähriges Bestehen.

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Rund 80 Prozent der Fälle von Kirchenasyl endeten positiv, erläuterte Dethloff. Dabei reiche die Spanne von der Anerkennung eines Abschiebehindernisses bis zum dauerhaften Bleiberecht. In Hessen befinden sich zurzeit 25 Menschen im 15 Kirchenasyl, wobei sich die Zahlen täglich änderten, sagte der Flüchtlingspfarrer der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau, Andreas Lipsch. Dabei handele sich ausnahmslos um sogenannte Dublin-Fälle. Dies betrifft Menschen, die in das Land abgeschoben werden sollen, in dem sie zuerst europäischen Boden betreten haben.

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Dublin-Regelung in der Kritik
In der Regel bleiben die Menschen nach Angaben von Dethloff etwa zwei Jahre im Kirchenasyl, bei Dublin-Fällen rund 18 Monate. Zur Dublin-Regelung sagte die Vorsitzende, es sei skandalös, dass innerhalb der EU in Länder abgeschoben werde, in denen es keinerlei Hilfen für Flüchtlinge gebe, etwa Ungarn, Griechenland oder Rumänien. Von vergleichbaren Bedingungen könne keine Rede sein, betonte Lipsch. Es gebe immer mehr Menschen, die durch „ihre Odyssee durch Europa schwer traumatisiert sind“. Flüchtlinge würden in Europa geprügelt und vergewaltigt.

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„Wir sind ein gutes Evaluierungsinstrument für Verwaltung und Gerichte“, sagte Dethloff mit Blick auf die hohe Erfolgsquote der Kirchenasyle. Oftmals seien bei früheren Verfahren Krankheiten nicht berücksichtigt worden oder es könnten Fehler im Anhörungsverfahren nachgewiesen werden. Auch werde häufig die Glaubwürdigkeit der Asylsuchenden angezweifelt. „Wir sind aber Zeugen für die Glaubwürdigkeit der Menschen“, fügte die Vorsitzende hinzu. Die Helfer in den Kirchengemeinden nähmen auch die Verzweiflung der Menschen ernst, damit es nicht zur Selbsttötung komme.

Das erste Kirchenasyl gab es 1983 in Berlin. Vorausgegangen war der Suizid eines Kurden, dessen Asylantrag abgelehnt worden war. Die Bundesarbeitsgemeinschaft wurde 1993 gegründet. Ziele waren der Austausch von Erfahrungen und die Verständigung auf ein einheitliches Vorgehen. So wird beispielsweise jedes Kirchenasyl den Behörden gemeldet. Die Bundesarbeitsgemeinschaft begeht das Jubiläum mit einer Tagung in Frankfurt unter dem Motto „Schutz – Raum – Kirche“. (epd/mig)

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