Maischberger

Mafia und Islam – einfache Weltbilder

Anscheinend musste die ARD den niedrigen Einschaltquoten der vergangenen Zeit entgegenwirken. Und wie macht man das am besten? Einfach Mal eine Talkshow mit einem Titel wie „Feindbild Islam“ auf die Zuschauer loslassen - von Emran Feroz

Von Emran Feroz Mittwoch, 09.04.2014, 8:23 Uhr|zuletzt aktualisiert: Freitag, 11.04.2014, 1:06 Uhr Lesedauer: 6 Minuten  |   Drucken

Seit einigen Wochen ist Hamed Abdel-Samad, Deutsch-Ägypter und „Islamkritiker“ – ja, mittlerweile ist das tatsächlich so etwas wie ein Beruf geworden -, wieder im Fokus der deutschen Mainstream-Medien. Der Grund hierfür ist sein Buch mit dem Titel „Der islamische Faschismus – eine Analyse“, welches seit dem 1. April im Handel ist und allem Anschein nach nicht als Aprilscherz gedacht ist. Die Medien haben in den letzten Tagen uns bewiesen, dass heutzutage ein solcher Buchtitel genügt, um auf irgendeine Art und Weise ernst genommen zu werden. Aus diesem Grund bekam der Publizist mehrmals die Chance, auf verschiedensten Veranstaltungen und Diskussionsrunden für sein Buch zu werben.

Anscheinend nahm die ARD diese Gelegenheit wahr, um den niedrigen Einschaltquoten der vergangenen Zeit entgegenzuwirken. So etwas funktioniert ganz einfach, indem man zum x-ten Mal eine Talkshow mit einem Titel wie „Feindbild Islam“ auf die Reihe bringt. Dass in einem solchen Fall die stets zahlreichen BILD- und WELT-Leser en masse einschalten werden, ist nämlich vorprogrammiert. Die Ehre als Gastgeberin hatte dieses Mal Sandra Maischberger. Dass Talkshows hauptsächlich nur der Unterhaltung dienen und auf keine Weise weiterbilden, sollte mittlerweile außer Frage stehen. Vor allem beim Thema Islam haben Jauch, Will, Maischberger und wie sie alle heißen, stets bewiesen, wie inkompetent sie sein können. So war auch dieses Mal ein Scheitern vor der Kamera vorprogrammiert.

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Dafür reichte allein Hamed Abdel-Samads Anwesenheit aus. Die „Todes-Fatwa“, die ein ägyptischer Fanatiker über ihn erließ, wurde seitens der Moderatorin schnell zum Einstiegsthema gemacht. Was eine Fatwa eigentlich ist, wurde nicht erläutert. Mittlerweile spielt das auch keine Rolle mehr. Die deutschen Leitmedien haben es sich nämlich zur Angewohnheit gemacht, islamische Begriffe wie „Fatwa“, ein Synonym für „Tötet ihn!“, „Dschihad“, ein anderes Wort für einen Trip nach Syrien oder „Scharia“, also irgendetwas mit Steinigungen, inflationär in Gebrauch zu nehmen.

Einfaches Weltbild
Dieses einfache Weltbild wurde seitens Abdel-Samad gefördert, indem er Sätze von sich gab: wie: “Nur wer über die Mafia oder über den Islam schreibt, lebt in Gefahr“. Wie ernst man nun eine solche Aussage nehmen soll, ist fragwürdig. Zur Erinnerung: Als der Deutsch-Ägypter im vergangenen November in Kairo entführt wurde, steckten weder Islamisten, noch die Mafia dahinter, sondern lediglich ein paar Herrschaften, denen er Geld geliehen hatte. Abgesehen davon ist seine Aussage eine Ohrfeige für alle jene Journalisten, Publizisten und Autoren, die eben nicht von Islamisten oder Mafiosi bedroht werden, sondern von anderen Kreisen, zum Beispiel von Ägyptens neuem Diktator Abd al-Fattah as-Sisi.

Denn seit das Militär in Ägypten die Macht wieder an sich gerissen hat, spielt es sich am Nil nicht mit Meinungsfreiheit. Vom „Frühling“ ist nicht viel übrig geblieben. Stattdessen herrscht tiefster Winter, eine Art Mubarak 2.0. Die Muslimbrüder, die morgen wahrscheinlich jede Wahl für sich entscheiden würden, wurden offiziell als „Terrororganisation“ erklärt und ihre Mitglieder für vogelfrei erklärt. Gerade erst verurteilte ein ägyptisches Gericht mehr als 500 Menschen zum Tod. Der Vorwurf: Die Angeklagten, die vor einigen Monaten gegen den Putsch, der von manchen immer noch nicht als solcher bezeichnet wird, demonstrierten, gehören angeblich der Muslimbrüderschaft an.

Über solche Dinge will Hamed Abdel-Samad jedoch kein Wort verlieren. Schon vor einigen Tagen machte er deutlich, dass die Muslimbrüder selbst an ihren Debakel schuld seien. Das Urteil des Gerichts findet Abdel-Samad nicht gut. Nicht etwa, weil es einer Aufforderung zu einem Massaker gleicht, sondern vielmehr aufgrund seiner Theorie, dass solche Urteile der Muslimbrüderschaft nützen und sie in eine Opferrolle drängen. Ja, auch so kann man Massenmord relativieren. Solange es nur Islamisten sind, interessiert es ja auch niemanden. Immerhin hielt sich auch die Kritik im Westen mehr als in Grenzen.

Alles Faschisten – irgendwie
Als Abdel-Samad begann, die Grundzüge des Islams mit dem Faschismus zu vergleichen und auf die Thesen seines Buches zu sprechen kam, wurde ein weiteres Mal deutlich, wie einfach man sich die Welt machen kann. Die Türkei, Ägypten, Saudi-Arabien – all diese Länder verbreiten irgendwie faschistisches Gedankengut. In seinem Buch geht Abdel-Samad übrigens nicht anders vor. Die AKP, die Muslimbrüder, die saudischen Wahhabiten, die Salafisten, die Mullahs im Iran und die Taliban in Afghanistan werden alle in einem Topf geworfen. Tatsachen wie jene, dass Saudi-Arabien das gegenwärtige Militärregime in Ägypten unterstützt und Salafisten die schiitischen Ayatollahs, die in Teheran und Qom sitzen, ablehnen, werden vom Autor beinhart ignoriert. Kein Wunder, was nicht ins Schwarz-Weiß-Bild passt, bleibt lieber unerwähnt.

Stattdessen ist es der Muslim, der die Welt in Gläubige und Ungläubige einteilt und deshalb leicht um Faschist werden kann. Wohlgemerkt, es gibt islamistische Gruppierungen, die tatsächlich so handeln und auf Andersgläubige tatsächlich Jagd machen. Derartige Extremisten finden sich allerdings nicht nur in allen abrahamitischen Religionen, sondern auch unter Hindus in Indien und Buddhisten in Burma. In beiden Fällen sind Muslime die Opfer.

Die anderen Gäste taten sich schwer, auf diese Tatsachen aufmerksam zu machen. Während Nahostkorrespondentin Antonia Rados und Religionspädagogin Lamya Kaddor versuchten, dagegen zu halten, wurden Abdel-Samads Thesen von Dauertalkshow-Gast und CDU-Islamexperte Wolfgang Bosbach unterstützt. Dieser machte wie so oft in der Vergangenheit auf die Gefahr des islamistischen Terrors aufmerksam, während NSU und diverse Terrorstatistiken (In Deutschland waren laut Global Terrorism Database von den 503 Terroranschlägen der Jahre 1992 bis 2012 genau 154 rechtsextremistisch. Nur drei wurden von Muslimen begangen) beiseite gedrängt wurden.

Dass der Leibziger Imam Hassan Dabbagh ein weiteres Mal eingeladen wurde, war sicher alles andere als eine kluge Entscheidung. Abgesehen davon, dass er kein Vorzeigebeispiel für die Mehrheit der deutschen Muslime ist, wurde dem Imam wenigstens im Laufe der Sendung klar, dass ihm wohl seitens des Senders die Rolle des „bösen Buben“ zugeteilt wurde. Anders war das sicherlich auch nicht gedacht. Neben Lamya Kaddor, die sich selbst als „liberale Muslimin“ bezeichnet und dem Grünen-Politiker Omid Nouripour, der seine religiösen Gefühle seitens der Bücher Abdel-Samads ebenfalls verletzt sieht, hätte ein „normaler“ Imam, sprich, einer der der sich gut artikulieren kann und auch in der Lage dazu gewesen wäre, sich eindeutig von der „Todes-Fatwa“, die gegen den Publizisten ausgesprochen wurde, zu distanzieren, der Sendung gut getan.

Denn eines sollte klar sein: Auch ein populistischer, Hass schürender Hamed Abdel-Samad muss das Recht haben, seine Meinung – so abstrus sie auch sein mag – frei und ohne jegliche Gefahr äußern zu dürfen. Ob nun in islamischen Ländern oder in Deutschland. Genauso wie jeder andere Islamophober, denn genau das ist Abdel-Samad. Ein gewöhnlicher Islamophober. Nicht mehr und nicht weniger.

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  1. muslim sagt:

    @Merca
    „Wieso schaffen es muslimisch geprägte Länder nicht selbst zu Einwanderungsländer zu werden?“
    Sie leiden unter völliger Realitätsverweigerung. Den größten Flüchtlingsstrom auf der ganzen Welt schultert kein anderes Land als Pakistan!
    „ist die Ausrede der ehemaligen kolonialen Strukturen nicht so langsam abgelutscht?“
    Beschämend, so wenig Geschichtsbewusstsein. Hier mal beispielhaft die Folgen der französischen Kolonialisierung in Algerien:
    „Die europäische Kolonisierung des Landes führte zur Zerstörung der bis dato bestehenden ländlich-muslimischen Gesellschaft. Staatlich gefördert kam es durch Landkäufe zu einer massiven Umverteilung der fruchtbarsten Gebiete aus muslimischer in europäische Hand. Bis 1901 besaßen europäische Siedler 45 Prozent des Landbesitzes“ (Wikipedia)
    Das sind nachhaltige Zerstörungen der fundamentalen Strukturen einer Nation. Die Betonung liegt auf nachhaltig! Die Folgen sind auch im Bildungswesen (elitäres System der Kolonialherren) zu spüren. Auch die Einführung von Französisch/Englisch/Deutsch/Italienisch als Amtssprache in den Kolonien schädigte die Entwicklung nachhaltig und langanhaltend. Dadurch wurde Generationen der Bildungsweg versperrt. Stellen Sie sich mal vor, in DE/GB/USA/F/It müsste jeder Mensch erst eine ihm fremde Zweitsprache auf Hochschulniveau beherrschen, um überhaupt höhere Bildung anstreben zu können! Viele schaffen es ja nicht einmal in Ihrer Muttersprache. Den Kolonien wurden fremde Rechtsordnungen aufoktroyiert. Es wurden willkürliche Grenzen gezogen, die künstlich Spannungen verursachten, die bis heute zu Konflikten führen. Sehen Sie sich doch nur mal an, was die Briten in Indien hinterlassen haben: Die Durand-Linie, Nigeria oder Kashmir seien beispielhaft genannt.
    Die besetzten Gesellschaften sind dadurch bis heute gegeiselt. Heute nehmen diktatorische Machthaber, die den Segen des Westens offen genießen, die Rolle der ehemaligen Kolonialherren ein. Mubarak, Ghaddafi, Saddam, Ben Ali, Musharraf & Co haben alle mit der vollsten Unterstützung des Westens unterstützt.
    Nicht zu vergessen, dass ein Großteil der Kolonien auch heute noch bzw. wieder unter militärischer Besetzung steht. Teilweise endete sie erst in den 80ern! Die Geschichte des Imperialismus ist grausam und brutal. Sie zu verharmlosen oder zu leugnen ist ein starkes Stück.

    So viel dazu, dass Europa sich ganz selbstständig wieder aufgebaut hat:
    F: „Im Ersten Weltkrieg dienten 173.000 Araber und Berber in der französischen Armee. 25.000 starben und 57.000 wurden verwundet. Ebenso wurden mehrere Zehntausend als Arbeiter nach Frankreich geholt. Insgesamt mehr als ein Drittel aller algerischen Männer zwischen 20 und 40 Jahren befanden sich während des Krieges in Frankreich.“
    Anglo-Amerik. Raum: „Das Britische Weltreich war auch für große Migrationsströme verantwortlich. Millionen von Menschen verließen die Britischen Inseln und bildeten die Grundlage von Siedlerstaaten wie den Vereinigten Staaten, Kanada, Australien und Neuseeland.“
    Die fortschrittlichen Nationen beruhen auf Einwanderung. (Zu DE siehe bereits die Diskussion weiter oben)
    (Wikipedia)

    @posteo
    Danke für die Recherche. Wie man aber auch sieht, trifft dies offenbar auf kein islamisches Großreich zu.
    „Das Kriegswesen nahm insbesondere bei den Azteken und Maya eine ähnlich bedeutende Stellung ein, wie in allen anderen Hochkulturen auch.“ Naja, es geht ja nicht um das Kriegswesen an sich, sondern wirklich um Fälle wie Native Indians, Aboriginees oder der Schwarzafrikaner.

  2. Tai Fei sagt:

    muslim sagt: 28. April 2014 um 21:50
    „Nicht zu vergessen, dass ein Großteil der Kolonien auch heute noch bzw. wieder unter militärischer Besetzung steht. Teilweise endete sie erst in den 80ern! Die Geschichte des Imperialismus ist grausam und brutal. Sie zu verharmlosen oder zu leugnen ist ein starkes Stück.“
    Vielen Dank für das recht ausführliche Bsp. von Algerien. Wobei ich einwerfen will, dass die Geschichte des Kolonialismus eigentlich noch gar nicht beendet ist. Sie wird heute nur wesentlich subtiler weitergeführt. Wie die letzten Konflikte in der Elfenbeinküste und z.B. auch dem Süd-Sudan zeigen, mischen die Westmächte auch heute noch aktiv mit. Seit einigen Jahren werden auch Äthiopien und Kenia recht stark militärisch aufgebaut um für AFRICOM eine zentrale Rolle in der AU zu übernehmen. Örtliche Oligarchien und Diktaturen werden unterstützt oder, sofern sie all zu nationale Gefühle, walten lassen, wieder fallen gelassen. Der Bürgerkrieg in der Elfenbeinküste, welcher durch die dortigen Wahlen ausgelöst wurden war, ist hier ein Super-Bsp. Übrigens war der jetzige Präsident Ouattara, der mit Hilfe franz. und UN-Truppen an die Macht kam, früher mal Vize-Direktor beim IMF und zuständig für Westafrika. Während Gbagbo dem internat. Gerichtshof überstellt wurde, verlaufen die Ermittlungen zum Massaker von Douekoue, welches Ouattaras Truppen angelastet wird, im Sande.

  3. Merca sagt:

    @muslim
    Sie lesen, hören und zitieren immer nur das was Ihnen gerade ins Konzept passt. Mir wird das ein bisschen zu kindisch/blöd!

  4. muslim sagt:

    Wie Hr Abdelsamed gezielt Geschichtsverfälschung und Demagogie betreibt entlarvt dieser Artikel nun endlich auch von Seiten der großen Leitmedien:
    http://www.sueddeutsche.de/politik/islamismus-und-faschismus-die-halbwahrheiten-des-hamed-abdel-samad-1.1945667

    Der Verfasser hat völlig Recht mit der Feststellung, dass Abdelsamed in Wirklichkeit gegen alle der Weltreligionen jetzt.

  5. posteo sagt:

    Was den politischen Flächenbrand in weiten Teilen Afrikas angeht.
    Was wäre denn die Alternative?
    sich völlig heraus halten, und die Bürgerkriegsländer dem Recht des Stärkeren überlassen?
    Dauerhaft Blauhelme stationieren, was nicht nur nichts bringt, sondern eine neue Art von Kolonialherrschaft ist?
    oder, wie von TaiFei kritisiert, einigermaßen stabile Länder wie Kenia und Äthiopien, dabei zu unterstützen, eine wirksame Armee aufzubauen, die von der Bevölkerung schon deshalb eher toleriert wird, weil sie aus der Bevölkerung kommt.
    Die ebenfalls erwähnte afrikanische Union =AU existiert übrigens schon länger als die EU und alle afrikanischen Staaten außer Marokko gehören ihr an. Dieser Staatenbund aus über 50 Mitgliedern und mit fast einer Milliarde Menschen könnte ein immenser Machtfaktor sein, wenn die einzelnen Mitgliedstaaten endlich aufhören würden, sich gegenseitig nicht die Butter aufs Brot zu gönnen. Schließlich sitzen sie auch alle am Tisch der UN, die Selbstdarstellung vom armen Aschenputtel darf man da schon mal hinterfragen.
    nun noch ein paar Details zu TaiFeis Angaben aus dem Infoportal der bpb:
    http://sicherheitspolitik.bpb.de/krieg-und-gewaltkonflikte.
    Ich halte die Quelle für einigermaßen objektiv. Die Elfenbeinküste wird als rein interner Konfliktherd markiert. Der Südsudan wird überhaupt nicht als Konfliktherd markiert, sondern der Norsudan.
    Algerien wurde, genau wie Marokko schon lange vor den Franzosen von den Mauren kolonialisiert. Und dabei fällt mir dann doch noch eine indigene Gruppe ein, nämlich die Berber, welche zwar nicht von den Osmanen aber von den Mauren und damit von einer islamischen Großmacht kulturell geschluckt worden sind.

  6. Tai Fei sagt:

    posteo sagt: 29. April 2014 um 18:35
    „Was wäre denn die Alternative?
    sich völlig heraus halten, und die Bürgerkriegsländer dem Recht des Stärkeren überlassen?
    Dauerhaft Blauhelme stationieren, was nicht nur nichts bringt, sondern eine neue Art von Kolonialherrschaft ist?
    oder, wie von TaiFei kritisiert, einigermaßen stabile Länder wie Kenia und Äthiopien, dabei zu unterstützen, eine wirksame Armee aufzubauen, die von der Bevölkerung schon deshalb eher toleriert wird, weil sie aus der Bevölkerung kommt.“

    Selbstverständlich hat die UN als einzige Institution das Mandat in solchen Konflikten zu intervenieren. Allerdings ist die UN in ihrer jetzigen Form kaum in der Lage keine interessengesteuerte Politik durchzusetzen. Allein schon die Besetzung des Sicherheitsrates ist eine Hinterlassenschaft der WW2-Ordnung und absolut nicht mehr up to date. Ferner haben Abhörskandale und direkte Beeinflussung, siehe iran. UN-Botschafter, inzwischen mehrfach unterminiert. Was eben gar nicht geht, dass eine US-Institution, wie AFRICOM, einseitig bestimmte Länder militärisch fördert. Es ist ja auch nicht gerade so, dass z.B. Äthiopien ein demokratisches Musterland ist. Hier werden also wiederum nur Autokratien und Diktaturen gefördert, solange sie westl. Interessen genehm sind.

    Auch wirtschaftlich werden die Länder Afrikas unter Druck gesetzt. Gerade Kenia ist ja ein gutes Bsp. für Landgrabbing, wo auf Kosten der einheimischen Bevölkerung Land an ausländische Unternehmen/Länder verpachtet wird, um dort Agrotreibstoffe anzubauen. Ein großer Teil der Bevölkerung, der sich zumindest mit Subsistenzwirtschaft über Wasser halten konnte, wird dadurch enteignet und in urbane Slums vertrieben, wo es kaum Perspektiven gibt, da man es in Afrika nicht schafft einen eigenen sekundären, von tertiär ganz zu schweigen, Wirtschaftssektor aufzubauen. Dabei war man hier in Afrika durchaus schon mal weiter, jedoch ist z.B. die Textilindustrie komplett unter die Räder gekommen, da sich diese Länder, als Vorraussetzung für Kredite, dem Weltmarkt öffnen müssen, ohne ihre einheimische Wirtschaft vor der Globalisierung schützen zu können.

    Nicht zu vergessen ist z.B. die Rolle westl. Multis bei der Ausbeutung von Rohstoffen in diesen Ländern. Davon profitiert in diesen Ländern dann die autokr. Oberschicht und zurück bleiben Umweltschäden, z.B. die Ölschäden in Nigeria. Da wurde übrigens niemand zu Schadensersatz verurteilt, wie das bei BP im Golf passierte. Nicht zu vergessen sind auch die EU-Exporte an subventionierten Agrarprodukten oder die ebenfalls subventionierten Fangflotten, welche beide den afrikanischen Lebensmittelmarkt ruinieren.

    posteo sagt: 29. April 2014 um 18:35
    „…Angaben aus dem Infoportal der bpb:
    http://sicherheitspolitik.bpb.de/krieg-und-gewaltkonflikte.
    Ich halte die Quelle für einigermaßen objektiv. Die Elfenbeinküste wird als rein interner Konfliktherd markiert. Der Südsudan wird überhaupt nicht als Konfliktherd markiert, sondern der Norsudan.
    Algerien wurde, genau wie Marokko schon lange vor den Franzosen von den Mauren kolonialisiert. Und dabei fällt mir dann doch noch eine indigene Gruppe ein, nämlich die Berber, welche zwar nicht von den Osmanen aber von den Mauren und damit von einer islamischen Großmacht kulturell geschluckt worden sind.“

    Richtig in der Elfenbeinküste gab es einen internen Konfliktherd. Fragt sich nur, wieso dann franz. Truppen dort eingegriffen haben. Ferner war die Wahl des anerkannten Wahlsieger Ouattara keineswegs so rechtskonform wie behauptet. Internat. Wahlbeobachter hatten z.B. gar keinen Zutritt zu den Wahllokalen, die von Ouattara Anhängern dominiert wurden. Es hat auch einen üblen Nachgeschmack, wenn der jetzige Präsident ein ehem. IMF-Direktor ist, während sich der abgesetzte Präsident z.B. für erhöhte Zölle auf Importgüter ausgesprochen hat.

    Das Südsudan kein Konfliktherd sein soll, ist doch ein Witz. Wo herrscht denn z.Z. Bürgerkrieg? Der Nordsudan steht hier allenfalls deshalb auf der Agenda, weil das dortige Regime recht gut mit den Chinesen verbandelt ist.

    Ich halte die bpb auch nicht unbedingt für eine der objektivsten Quellen. Diese hat ihre Wurzeln in der „Reichszentrale für Heimatdienst“ und setzte sich u.a. auch für die Förderung des Deutschtums jenseits der Grenzen ein bzw. vertrat im wesentlichen einseitige Regierungspolitik, mit den bekannten Folgen (Austeritätspolitik, Sozialabbau, Notstandsverordnungen). Auch sollte man nicht vergessen, dass die grundsätzliche Nachkriegskonzeption des damals noch Ostkolleg genannten Vereins u.a. von einem gewissen Herrn. Prof. Dr. Gerhard von Mende ausgearbeitet wurde, welcher z.B. Teilnehmer an Nachfolgetreffen der Wannenseekonferenz war.

    Was die Berber betrifft, so kann von einer Vereinnahmung keineswegs gesprochen werden. Die Berber sind auch heute noch sehr autark und haben ihre eigene Kultur beibehalten. Bedingt durch die derzeitige Schwäche der nordafrikan. Regime sind sie zudem eine ernstzunehmende Gruppe geworden, die nicht ignoriert mehr werden kann. Die Situation in Mali zeigt das nun recht deutlich, da sich dort einige Berberstämme mit Islamisten verbündet haben, welche finanziell recht großzügig von den Golfmonarchien unterstützt werden. Im übrigen ist der Satz:“ ..nämlich die Berber, welche zwar nicht von den Osmanen aber von den Mauren und damit von einer islamischen Großmacht kulturell geschluckt worden sind.“ kompletter Blödsinn, das Maure (abgeleitet von Mauretanien) nur ein anderes Wort für Berber ist. Diese wurden zwar, von den Arabern islamisiert, sind aber, wie schon gesagt, kulturell nie assimiliert worden.

  7. muslim sagt:

    @posteo
    Natürlich ist der Südsudan ein Konfliktstaat, seit er völlig unnatürlich und mit HIlfe bestimmter westl Kräfte vom Norden abgetrennt wurde. Wieder frei nach dem Schema divide et impera.

    @TeiFei
    „Nicht zu vergessen ist z.B. die Rolle westl. Multis bei der Ausbeutung von Rohstoffen in diesen Ländern. Davon profitiert in diesen Ländern dann die autokr. Oberschicht und zurück bleiben Umweltschäden, z.B. die Ölschäden in Nigeria.“
    Das ist d a s zentrale Problem auf diesem Kontinent. Multinationale Konzerne machen dort was sie wollen. Und diese Länder sind völlig machtlos gegenüber Institutionen wie den IWF oder im Falle von Rechtstreitigkeiten mit großen Konzernen aufgrund tückischer Investitionsschutzabkommen. Da kann es dann vorkommen, dass ein Staat zu millliardenhohen Schadensersatzsummen „verurteilt“ (das ganze findet vor nichtöffentlichen, intransparenten Schiedsgerichten statt) wird, weil er zum Beispiel Gesundheits- oder Umweltschutz „zu Lasten“ diverser Großkonzerne betreibt (siehe zB die Klage von Philip Morris gegen Uruguay zB wg Tabakwarnungen).
    Die Strategie des IWF heißt für Entwicklungsländer nicht umsonst „shock therapy“.

  8. Turan Dursun sagt:

    Die Beiträge entfernen sich leider vom Thema weg. Was mir an Ermans Artikel nicht gefällt ist die Verortung der Islamkritik Herrn Samads als eine islamfeindliche Hetze bzw. die Maischberger Sendung als Populismus und Kommerz. So kommen wir aber mit einer Akzeptanz und Integration des Islam in eine europäische Kultur aufgeklärter Gesellschaften nicht weiter. Mit dieser Kritikresistenz ist auch den Muslimen nicht geholfen. Tatsache ist, dass der Islam eben nicht nur eine Religion wie das reformierte Christentum ist, sondern neben der Spiritualität auch einen politischen und rechtlichen Anspruch erhebt. Und genau diese Ansprüche stehen in Konflikt zu den säkularen Rechtsstaaten Europas. Da helfen auch nicht verbale Splitterungen in Islam und Islamismus. Der Islam ist, wie das Christentum vor Jahrhunderten, zu reformieren und zu entpolitisieren. Der Vergleich zum Faschismus ist legitim und hilfreich bei der Entpolitisierung des Islam. Monotheismus beschreibt ein Religionsmodell des göttlichen Alleinherrschenden, dem im Islam die Gläubigen unterworfen sind. Kann man hierin nicht eine Struktur des Faschismus erkennen, wie sie auch in der unterwerfenden Führerpersönlichkeit eines irdischen Faschismus zum Ausdruck kommt, die ebenfalls nicht kritisiert werden darf? Ist es nicht Ausdruck eines Faschismus wenn der Kritiker mit dem Tode bedroht oder bestraft wird? Wie soll es eine Weiterentwicklung des Islam geben, wenn diese Religion nicht an der Philosophie reflektiert wird? Kritisch hinterfragt wird?

    Bedrohen katholische Bischöfe Papstkritiker mit dem Tode? Sterben Menschen wenn der Film „Das Leben des Brian“ gezeigt wird? Hätten die Juden nicht mind. 6 Millionen gute Gründe tagtäglich Deutschland zu bekämpfen und weltweit infolge eines global vorhandenen Antisemitismus? Ziehen sie sich in eine Opferrolle zurück? Nein.

    Hätten unsere Vorfahren vor Jahrhunderten nicht das Christentum und die Kirche, gegen alle Widerstände, so wie jetzt auch mit dem Islam, ihrer Macht enthoben und sich für Aufklärung, freies Denken, Demokratie und Säkularität entschieden, würden wir dann heute in dieser freien Gesellschaft leben können? Hierauf sollten sich die Muslime einmal besinnen, statt Kritik als Hetze aufzufassen und sich beleidigt in eine Opferrolle zurückzuziehen. Das bringt euch nicht weiter.

  9. LiesLotte sagt:

    Hallo,
    zum eigentlichen Thema des Artikels: Der Titel der Sendung hieß ja u.a. „Wird der Hass geschürt?“. Nun, offenbar sogar ganz erfolgreich. Es scheint, dass sich die auch schon von anderen Foristen heraufbeschworene Folgen dieser Stimmungsmache realisieren.
    Wer’s nicht glaubt, der überzeuge sich selbst:

    http://www.20min.ch/schweiz/romandie/story/27454461

    „This is just the beginning“ wird da gedroht. Das erinnert an finstere Zeiten. Gott bewahre! Und bitte liebe Mitbürger/-innen, lasst euch nicht wieder aufwiegeln gegen eine Minderheit.
    Schönen Tag
    Lies!Lotte

  10. muslim sagt:

    „Mit dieser Kritikresistenz ist auch den Muslimen nicht geholfen.“
    Ich bitte Sie, bei Hamed ist die Grenze zur Diffamierung und Volksverhetzung längst überschritten. Das noch als Kritik zu bezeichnen ist ganz schön euphemistisch. Ersetzen Sie doch mal in seinen Äußerungen den Begriff Islam mit „Judentum“. Dann würde er zurecht Antisemit genannt werden, wenn er das nicht schon ist, denn er beleidigt sogar Ibrahim a.s. (Abraham), der auch für Juden und Christen der Stammvater ist.

    „Tatsache ist, dass der Islam eben nicht nur eine Religion wie das reformierte Christentum ist, sondern neben der Spiritualität auch einen politischen und rechtlichen Anspruch erhebt.“
    Das stimmt nicht. Jede Religion erhebt bis heute einen rechtlichen Anspruch. Alle berufen sich auf göttliches Gesetz. Auch für Christen sind die Vorschriften der Bibel verbindlich. Das Zölibat, das Verbot der Scheidung, usw wird von Christen auf Grundlage ihrer Religion praktiziert. Juden berufen sich auch im politischen und rechtlichen Bereich auf ihre heilige Schrift. Der Staat Israel beruht auf diesem Anspruch. Im Namen dieses Staates wird Unrecht gegenüber Muslimen verübt. Warum also, wird der Islam kritisiert?

    „Und genau diese Ansprüche stehen in Konflikt zu den säkularen Rechtsstaaten Europas.“
    Von welchen „säkulären Rechtsstaaten“ reden Sie? Deutschland ist zumindest keiner. So sieht das auch das BVerfG: „Die dem Staat gebotene religiös-weltanschauliche Neutralität ist nicht als eine distanzierende im Sinne einer strikten Trennung von Staat und Kirche, sondern als eine offene und übergreifende, die Glaubensfreiheit für alle Bekenntnisse gleichermaßen fördernde Haltung zu verstehen.
    [BVerfGE 108, 282]“ Auch in Spanien gilt tlw. das ius canonici für Christen.

    „Der Vergleich zum Faschismus ist legitim und hilfreich“
    Mit Verlaub, dieser Vergleich ist eine Frechheit und einer Verhöhnung der Opfer des Faschismus. Hamed bezeichnet den Monotheismus, und damit auch das Judentum als faschistisch! Wissen Sie, wie viele Juden dem Faschismus zum Opfer gefallen sind? Dass gerade in einem Land, dass den Faschismus vorgelebt hat, mit diesem Begriff so unsensibel und leichtsinnig um sich geworfen werden darf, ist schlichtweg unerträglich. Diese Verunglimpfung ist unwissenschaftlich und zeugt von sehr geringer Ahnung über diese neuzeitlichen, gottlosen Ideologien.
    Hamed unterstützt gleichzeitig den von al-Sisi praktizierten Faschismus. Er spielt den „aufgeklärten Demokraten“, bejubelt aber gleichzeitig Verfolgungen und Massenverurteilungen von Muslimen der menschenrechtsverachtenden Justiz al-Sisis. Weil es nur Muslime trifft. Wo bitte, ist dieser Mensch glaubwürdig? Ist das der Säkularismus, den Sie sich wünschen? Hamed lenkt ab davon, dass tatsächlich heutzutage Muslime wie zu genannten Zeiten behandelt werden:
    http://sz-magazin.sueddeutsche.de/texte/anzeigen/41786

    „Kann man hierin nicht eine Struktur des Faschismus erkennen“
    Nur wenn man nicht weiß, was Faschismus bedeutet. Der Mensch hat einen freien Willen, er ist sogar „Verdammt zur Freiheit“ wenn man so will, d.h. es steht ihm frei, ob er seinen Schöpfer leugnen oder anerkennen will. Hamed muss sich nicht zwanghaft Muslim nennen. La ikraha fi-d-din (Sure 2 V. 256). Kein Mensch ist gezwungen, Muslim zu werden und sich dem einen Schöpfer zu unterwerfen. Und kein Muslim hat über das Jenseits von anderen zu urteilen.

    „Hätten unsere Vorfahren vor Jahrhunderten nicht … sich für Aufklärung, freies Denken, Demokratie und Säkularität entschieden“
    Haben sie nicht. siehe oben.

    „würden wir dann heute in dieser freien Gesellschaft leben können?“
    Wissen Sie wie liberal und tolerant muslimische Gesellschaften waren? Dieses Maß hat in Europa heute keine Nation erreicht: http://de.qantara.de/inhalt/interview-mit-mhammad-bennaboud-juden-und-muslime-in-tetouan

    Wieso nennt sich Hamed eigentlich noch „Abdul-Samad“, wenn er nicht „Diener des Ewigen“ (Eine der 99 Eigenschaften Allahs) sein will?