Der Triebtäter

Ode an den Ex-Stammtischminister

Der Rücktritt von Ex-Landwirtschaftminister Hans-Peter Friedrich hat viel Jubelgeschrei ausgelöst. Zeit also, auch mal seine positiven Beiträge – sämtliche! - zur politischen Kultur des Landes zu würdigen.

Von Dienstag, 25.02.2014, 8:24 Uhr|zuletzt aktualisiert: Donnerstag, 27.02.2014, 0:02 Uhr Lesedauer: 2 Minuten  |   Drucken

Hans-Peter Friedrich, Innenminister der Herzen, ist nicht mehr; jedenfalls nicht mehr Innenminister; er ist sozusagen ein Gewesener, ein Eswareinmal; ein Gegangenwordener, ein Frühverrenteter, einer eben, der Merkels vollstes Vertrauen genießt. Und es wäre trotz des selbstherrlichen Rassismus dieses Ritter Klumpfuß von der spießigen Gestalt unangemessen, jetzt noch nachzutreten, gerade weil dies ja bereits auch hier durch Kollegen erfolgt ist. Über die Dahingeschiedenen nur Gutes: Er ist dahingeschieden – gut.

Stattdessen habe ich mich entschlossen, die Zeilen, die mir hier zur Verfügung stehen, zu nutzen, um einmal sämtliche positiven Beiträge dieses Mannes zur politischen Kultur des Landes zu würdigen, welche da wären:

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Am 24.10.2012, anlässlich der Enthüllung des Porajmos-Mahnmals, des Völkermordes an Sinti und Roma im Dritten Reich, schaffte er es, mehrere Stunden lang einfach mal den Mund zu halten und keine rassistoiden Plattitüden zu verbreiten.

[Auch wenn er direkt im Anschluss an die Feier öffentlich die Ausweisung sämtlichen Arbeitsscheuen aus Deutschland forderte, so verursachte der frankenwäldische Politclown zumindest nicht direkt vor Ort einen weiteren Eklat. Wir können nicht erahnen, wie sehr es ihn angewidert haben muss, Mitleid heucheln zu müssen für etwas, dass doch schon so lange vorbei ist und nun auch endlich mal vergessen werden müsste. Und es war ja nunmal auch nicht alles schlecht, damals. Zum Beispiel die Autobahnen.]

Am 17.12.2013 tat er dem Land einen weiteren großen Dienst und kümmerte sich im neuen Kabinett um Käsehäppchen und Weinköniginnen, statt um richtige Politik: Friedrich war nun auch von Amts wegen für die Stammtische zuständig.

[Zugegeben, vielleicht auch war die Zeit einfach nur zu knapp, als dass Hans-Peter Friedrich an dieser Stelle vor der Überfremdung deutschen Obstes durch Aufpropfen fremder Arten hätte warnen, oder aber die Schließung der Grenzen für faule Südfrüchte hätten fordern können…]

Am 17.2.2014, zwei Monate später, nahm er dann seinen Hut und legte auch dieses Amt nieder.

[Tragischerweise hält sich dieser Mann für ein Opfer und strickt bereits an seiner eigenen christsozialen Dolchstoßlegende, er sei durch die Sozialisten und die bolschewistische Systempresse aus dem Amt gejagt worden.]

Hans-Peter Friedrich, trotz aller Rückschläge sind wir Ihnen heute zu großem Dank verpflichtet. Mögen noch viele weitere Rücktritte folgen, zum Beispiel der vom stellvertretenden Fraktionsvorsitz der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, oder die Niederlage des Bundestagsmandates.

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