Internationale Studie

Ausländer arbeiten häufiger für Niedriglöhne

Ausländer in Deutschland arbeiten häufiger für einen Niedriglohn als der Durchschnitt. Im internationalen Vergleich schneidet Deutschland trotzdem gut ab. Das zeigt eine neue Studie des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung.

Montag, 29.07.2013, 8:24 Uhr|zuletzt aktualisiert: Mittwoch, 08.01.2020, 15:45 Uhr Lesedauer: 2 Minuten  |  

In Deutschland verdiente im Jahr 2010 knapp ein Viertel aller Beschäftigten weniger als 9,54 Euro brutto pro Stunde. Das geht aus einer neuen Studie des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) hervor. Damit ist der Anteil der Geringverdiener hierzulande größer als in anderen westlichen EU-Ländern. Wenn man ausschließlich Vollzeitbeschäftigte berücksichtigt, ist der Anteil in Deutschland mit rund einem Fünftel etwas niedriger, aber im Vergleich immer noch relativ hoch.

Länderübergreifend sind Frauen, Jüngere, Geringqualifizierte, befristet Beschäftigte, Arbeitnehmer in Kleinbetrieben und Ausländer unter den Geringverdienern überrepräsentiert. Dabei ist die Niedriglohnquote von Ausländern in Deutschland mit rund 30 Prozent im Vergleich zu allen Beschäftigten (24,1 %) nur moderat erhöht, ebenso in Großbritannien. In den anderen vier Vergleichsländern Ländern Niederlande, Dänemark, Frankreich und Italien liegen dagegen die Quoten von Ausländern zum Teil um mehr als das Doppelte über der allgemeinen Niedriglohninzidenz.

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Immer mehr Niedriglohnbeschäftigte
Besonders hoch sind in Deutschland die Niedriglohnquoten von Frauen, Teilzeitbeschäftigten. Ein weiterer Befund der Studie ist: zu den Geringverdienern zählen nicht nur Geringqualifizierte. Mehr als 80 Prozent der Geringverdiener in Deutschland haben eine abgeschlossene Berufsausbildung. Wie viele von ihnen auch entsprechend ihrem Ausbildungsabschluss eingesetzt sind, geht aus den der Studie zugrunde liegenden Daten allerdings nicht hervor.

Die Zahl der Niedriglohnbeschäftigten ist in Deutschland bereits seit den 90er Jahren deutlich gestiegen, ebenso ihr Anteil an der Gesamtbeschäftigung. „Einerseits könnte die zunehmende Verbreitung von Niedriglöhnen die Chancen für Erwerbslose vergrößern, wieder in Arbeit zu kommen. Andererseits wird sie als Teil eines breiteren gesellschaftlichen – und sozialpolitisch problematischen – Trends zur Polarisierung der Erwerbseinkommen gesehen“, schreibt der Arbeitsmarktforscher Thomas Rhein.

„Niedriglohnbeschäftigung kann nicht allein unter dem Gesichtspunkt ihrer Verteilungswirkungen betrachtet werden. Aus arbeitsmarktpolitischer Sicht ist zu fragen, ob mehr Niedriglohnjobs für Beschäftigungsgewinne sorgen und die Arbeitslosigkeit reduzieren können, weil sie auch wettbewerbsschwachen (zum Beispiel gering qualifizierten) Arbeitskräften Chancen bieten“, betont IAB-Forscher Rhein. Im Ländervergleich lässt sich allerdings nicht feststellen, dass ein größerer Anteil von Geringverdienern mit einer niedrigeren Arbeitslosigkeit und einem höheren Beschäftigungsstand einhergeht.

Download: Die Studie des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung „Deutsche Geringverdiener im europäischen Vergleich“ kann hier kostenlos heruntergeladen werden.

Niedriglohnschwelle bei 9,54 Euro
In der IAB-Studie wurde die Niedriglohnschwelle bei zwei Drittel des nationalen Medianlohns angesetzt. Der Medianlohn ist der mittlere Lohn: Die eine Hälfte aller Beschäftigten verdient mehr, die andere Hälfte weniger als den Medianlohn. Dieser Definition folgend lag die deutsche Niedriglohnschwelle im Jahr 2010 bei einem Stundenlohn von 9,54 Euro brutto.

Die Forscher weisen darauf hin, dass Niedriglohnbeschäftigung nicht unbedingt mit Einkommensarmut einhergehen muss: „Die Armutsgefährdung hängt nicht nur vom individuellen Bruttolohn, sondern auch von anderen Einkünften, von der Wirkung des Steuer- und Transfersystems und vom Haushaltskontext ab.“ (etb) Aktuell Studien Wirtschaft

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