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Niedersachsen

Migranten erreichen immer höhere Schulabschlüsse

Mehr Migranten, bessere Bildung, weniger Arbeitslosigkeit und Armut. Das sind Befunde des Statistischen Landesamtes in Niedersachsen. Migranten holen „merklich“ auf. Fakt ist aber auch: Es gibt noch viel zu tun.

Dienstag, 20.11.2012, 8:30 Uhr|zuletzt aktualisiert: Montag, 26.11.2012, 8:36 Uhr Lesedauer: 3 Minuten  |   Drucken

Der Anteil der Menschen mit Migrationshintergrund ist in Niedersachsen seit 2005 um 1,1 Prozentpunkte auf 16,8 % oder 1,3 Millionen gestiegen (Deutschland 19,3 %). Davon waren über 60 % deutsche Staatsbürger und die meisten jung. Von den Kindern im Alter bis unter 3 Jahren hatten 31,9 % einen Migrationshintergrund. Diese Quote betrug bei den 40- bis unter 65-Jährigen nur noch 14,3 %. Das sind aktuelle Zahlen des Statistischen Landesamtes Niedersachsen.

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Wie weiter mitgeteilt wird, lebten Ende 2011 rund 470.700 Ausländer in Niedersachsen. Das ergibt eine seit 2005 kaum veränderte Ausländerquote von 5,8 %, obwohl Niedersachsen 2010 und 2011 ein Wanderungsplus aus dem Ausland von rund 14.500 Personen verzeichnete: +2.725 Personen aus Polen, +1.860 aus Rumänien, +1.751 aus der Russischen Föderation, +1.176 aus dem Irak und +1.045 aus Bulgarien.

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Insgesamt waren 77,7 % der ausländischen Bevölkerung Europäer (365.486). Die türkischen Staatsangehörigen bildeten die größte Gruppe (97.814), gefolgt von den Polen (47.640), den Ausländern aus Serbien, Montenegro und dem Kosovo (33.331) und den Staatsangehörigen der Niederlande (29.954).

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Bildung: Migranten holen auf
Positiv hebt das Statistische Landesamt die Entwicklung der jüngeren Bevölkerung mit Migrationshintergrund hervor. Diese erreicht „vermehrt höhere Schulabschlüsse und schafft somit eine bessere Integration ins Bildungssystem“. Die Abstände zu Gleichaltrigen ohne Migrationshintergrund nehmen leicht ab. 2010 hatten 22,1 % der 18- bis unter 25-Jährigen mit Migrationshintergrund einen Hauptschulabschluss. Zum Vergleich: Im Jahr 2005 hatten noch 29,4 % einen Hauptschulabschluss.

Demgegenüber stieg der Anteil derjenigen mit einem höheren Schulabschluss. So besaßen 2010 insgesamt 25,4 % die (Fach-)Hochschulreife, 2005 waren es 23,0 %. Auch in der Gruppe der 25- bis unter 35-Jährigen sank der Anteil derer mit Hauptschulabschluss von 29,8 % im Jahr 2005 auf 25,2 % im Jahr 2010. Dafür stieg der Anteil der Personen mit einer (Fach-)Hochschulreife von 26,1 % (2005) auf 31,3 % (2010).

Arbeitslosigkeit sinkt
Die positiven Entwicklungen im Bildungssektor machen sich zunehmend auch im Arbeitsmarkt bemerkbar. So verfügten von den 110.615 ausländischen sozialversicherungspflichtig Beschäftigten Ende Juni 2010 8,1 % über eine hohe Qualifikation. Zur größten Gruppe zählten 28,6 % mit mittlerer Qualifikation und 24,3 % waren gering qualifiziert.

Entsprechend rückläufig war auch die Arbeitslosenquote der Ausländer. Diese ging zwischen Juni 2007 und Juni 2011 stark zurück. Mit 17,2 % lag sie im Juni 2011 um +3,8 Prozentpunkte unter dem Wert von 2007. Ein Vergleich mit deutschen Staatsbürgern zeigt allerdings auch Aufholbedarf: Die Arbeitslosenquote der Ausländer war im Juni 2011 zweieinhalb Mal höher wie die Gesamtarbeitslosenquote (6,7 %).

Weniger Armut
Diese Zahlen spiegeln sich auch in puncto Sozialhilfe wieder. Am 31.12.2010 bekamen in Niedersachsen 727.081 Personen, darunter 128.175 Ausländer, staatliche Transferleistungen. Das waren 9,2 % der Bevölkerung. Die Quote der Deutschen ging von 8,7 % zurück auf 8,1 %, der Wert der Ausländer sank von 26,3 % auf 24,2 %.

Die größte Veränderung kann jeweils bei den Kindern und Jugendlichen beobachtet werden: Für die unter 18-jährigen ausländischen Personen zeigte sich 2010 eine Empfängerquote von Mindestsicherungsleitungen von 45,1 %, zuvor waren es noch 48,4 %. Dennoch waren ausländische Kinder und Jugendliche Ende 2010 in Niedersachsen am häufigsten von staatlichen Transferleistungen abhängig.

Nicht anders ist die Situation hinsichtlich der „bekämpften Armut“. Auch hier verbesserte sich die Situation der betrachteten Gruppen zwischen 2007 und 2010. Das Ausmaß der Betroffenheit von staatlichen Transferleistungen bei Ausländern näherte sich der Lage der Deutschen zwar geringfügig an – die Mindestsicherungsquoten lagen dabei aber Ende 2010 weiter auf einem hohen Niveau. In Bezug auf alle Einwohner der betreffenden Bevölkerungsgruppe erhielten Ausländer überdurchschnittlich oft finanzielle Unterstützung zur Sicherung des Lebensunterhalts.

Große Herausforderungen
„Integrationspolitik und Integrationsarbeit stehen in Niedersachsen weiterhin vor großen Aufgaben. Vor allem im Bildungssystem und auf dem Arbeitsmarkt sind die Unterschiede zwischen der Bevölkerung mit und der ohne Migrationshintergrund bzw. den Ausländern und den Deutschen überdeutlich“, ist dem Statistischen Monatsheft für November 2012 zu entnehmen.

Ein niedrigeres Bildungsniveau gehe mit schlechteren Chancen auf dem Arbeitsmarkt einher. Gleichwohl habe sich die strukturelle Integration in den vergangenen Jahren sehr dynamisch entwickelt: „Die Abstände zu den Deutschen (ohne Migrationshintergrund) verringern sich merklich“, so das Statistische Landesamt. Die Integration durch Teilhabe mache Fortschritte. (hs)

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