TV-Tipps des Tages

12.02.2012 – Integration, Türken, NRW, Hitler, Juden, Ausländer, Türkei, Bildung

TV-Tipps des Tages sind: Hart und herzlich: Eine türkische Lehrerin gibt nicht auf - Menschen unter uns; Die Marco-Polo-Fährte; Cosmo TV: Betrug bei Integrationskursen in NRW; Geheimnisse des Dritten Reichs: Hitler und das Geld; Jew.de.ru - Die jüdischen Kontingentflüchtlinge

Von Sonntag, 12.02.2012, 8:18 Uhr|zuletzt aktualisiert: Freitag, 10.02.2012, 14:47 Uhr Lesedauer: 8 Minuten  |   Drucken

Hart und herzlich
Für viele ihrer Schülerinnen und Schüler ist sie „eine von uns“, aber für fundamentalistische Familien ist die weltoffene türkische Lehrerin eine Reizfigur: Betül Durmaz (40), geboren in Istanbul, aufgewachsen im Ruhrgebiet, unterrichtet an der Malteser-Förderschule in Gelsenkirchen und kämpft hier täglich den fast aussichtlosen Kampf um Integration und Chancengleichheit.

Betül Durmaz (40), geboren in Istanbul, aufgewachsen im Ruhrgebiet, unterrichtet an der Malteser-Förderschule in Gelsenkirchen und kämpft hier täglich den fast aussichtslosen Kampf um Integration und Chancengleichheit. 70 Prozent der Kinder an ihrer Schule haben ausländische Wurzeln. Aber von den 30 Lehrern ihrer Schule ist sie die Einzige, die selbst eine Zuwanderungsgeschichte hat.

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Betül Durmaz hat viel Herz für ihre Schützlinge, die aus der Türkei, dem Libanon und dem Kosovo stammen. Sie lernt auf Hausbesuchen die Welt kennen, in der ihre Schüler groß werden. Die Lehrerin mit deutschem Pass und türkischer Herkunft macht die Erfahrung, dass gute schulische Leistungen oft als nicht so wichtig angesehen werden und sich zu viele Familien einfach nicht helfen lassen wollen. Die Verlierer sind dabei immer die Kinder.

„80 Prozent meines Lehrerseins ist Sozialarbeit“, so Betül Durmaz. Dabei sieht sie sich als Vermittlerin und scheut keine Elterngespräche, wenn es mal wieder darum geht, dass eine Schülerin ständig im Unterricht fehlt oder der Sohn auf dem Schulhof prügelt. Die Lehrerin setzt sich ein, so oft sie kann, motiviert, schlichtet in Auseinandersetzungen zwischen den Schülern. Und erzielt – gemeinsam mit ihren Kollegen – immer wieder kleine Erfolge, die ihr neue Kraft geben.

Weil sie den Spagat zwischen den Kulturen kennt, möchte sie den Schülern mit ihrer eigenen Biografie Mut machen. Deshalb ist sie – vor allem bei den muslimischen Mädchen – sehr beliebt. Sie stärkt das Selbstbewusstsein ihrer Schülerinnen im Sport und in vielen Diskussionen über das Rollenbild in einer von Traditionen geprägten Familie. Und trotzdem muss sie zusehen, wie gute Schülerinnen mit konkreten Berufswünschen direkt nach der Schule innerhalb der Großfamilie heiraten. Eine Ausbildung oder gar eigene Berufstätigkeit stehen dann nicht mehr zur Debatte. Stattdessen bekommen die jungen Frauen früh Kinder und werden abhängig vom Familienclan.

Der Einsatz für eine bessere Integration ihrer Schüler und gegen eine Parallelwelt mit eigenen Gesetzen kann nur von wenigen so direkt und leidenschaftlich geführt werden wie von Betül Durmaz. Selbst wenn ihr Alltag nervenaufreibend ist und ihre Perspektive oft aussichtslos erscheint – die türkische Lehrerin gibt nicht auf. 10:30-11:00 • SWR BW

Die Marco-Polo-Fährte
(2) Von der Türkei nach Teheran – Bradley Mayhew schreibt Reiseführer, vor allem über Asien. Diesmal recherchiert er für ein besonderes Projekt. 8.000 Kilometer über Land, mit Bus, Lkw oder per Anhalter, von Venedig bis Peking, folgt er der Spur Marco Polos, des legendären Reisenden des Mittelalters.

Bradley ist in den verschneiten Bergen Anatoliens unterwegs, mitten im Winter, wie einst Marco Polo vor 750 Jahren. Damals gehörte die Osttürkei zu Großarmenien. Bradley sucht den schwarzen Edelstein der Region, den Oltu Tasch, den Dörfler gefahrvoll aus selbst gehauenen Minen schürfen. Juwelen waren klein und leicht transportierbar, zugleich wertvoll. Marco Polo schreibt begeistert darüber. Bradley passiert den Berg Ararat, auf dessen Gipfel Marco Polo die Arche Noah vermutete. Dann der Iran. Schon ein Visum für den Gottesstaat zu bekommen war nicht einfach. Bradley ist froh, als er die größte Stadt im Westen des Irans erreicht. „Täbris ist eine noble Stadt. Die Menschen weben wertvolle Stoffe, und die Händler machen große Gewinne“, schrieb Marco Polo. Der Basar von Täbris zählt zu den ältesten und größten der Welt, und bis heute werden vor allem Teppiche gehandelt. Bradley reist weiter in das Elburs Gebirge, auf der Suche nach den „Assassinen“, der Al-Qaida des 13. Jahrhunderts. Marco Polo beschreibt die ersten Selbstmordattentäter der Geschichte: eine Story über Sex, Drogen und Gewaltverbrechen. In Teheran blickt Bradley in die zwei Gesichter des Gottesstaates. Morgens sieht er religiöse Inbrunst in einem schiitischen Heiligenschrein. Abends erlebt er Ballgard, eine Rockband, die im Untergrund spielt.

(Der 3. Teil folgt am 26. Februar.).. 11:45-12:30 • HR

Cosmo TV
Betrug bei Integrationskursen in NRW
WUPPERTAL. Die Integrationskurse sind seit ihrer Einführung 2005 die Erfolgsgeschichte der Bundesregierung in Sachen Integration. Vor kurzem hat bereits der millionste Teilnehmer angefangen Deutsch zu lernen. Doch zeitgleich kommt des Vorzeigeprojekt der Bundesregierung in Verruf. Vor einem halben Jahr berichtete die ARD über mögliche Betrugsfälle bei Kursträgern. Jetzt ermittelt die Staatsanwaltschaft gegen einen Träger in NRW, der Schulen in Wuppertal, Hagen und Lünen hatte. Der Vorwurf: Kursteilnehmern wurde gegen Bares bei den Sprachprüfungen geholfen. Außerdem wurden Anwesenheitslisten offenbar manipuliert, um so mehr Geld vom Bundesamt für Migration und Flüchtlinge zu bekommen. Cosmo TV berichtet über die Vorwürfe und hat mit einer Sprachlehrerin aus Wuppertal gesprochen.

Gib Gewalt keine Chance
DÜREN. Ein ungewöhnliches Pilotprojekt findet derzeit in Düren in der evangelischen Gemeinde statt. Es heißt „Brückenbauerinnen“ und ist einmalig in ganz Deutschland: Frauen, die teils selber Gewalt erfahren haben, helfen anderen Frauen, die gerade häuslicher Gewalt entflohen sind. Die Arbeit geschieht in enger Zusammenarbeit mit der Polizei und dem Jugend- und Sozialamt – so gelingt es oft, den betroffenen Frauen einen Neuanfang zu ermöglichen. Die Brückenbauerinnen, die selbst Gewalt erlebt haben, sehen sich nicht als Opfer. Sie sehen sich als Mutmacher. Cosmo TV hat zwei von ihnen bei ihrem Ehrenamt begleitet.

Tabu-Thema: Weibliche Genitalverstümmelung
DÜSSELDORF. Sie ist 18 Jahre alt, aber sie hat einen ganz anderen Traum als ihre Altersgenossinnen. Mariama, die ihren wirklichen Namen lieber nicht im Fernsehen nennen möchte, wurde mit 7 Jahren beschnitten. In ihrer Heimat Gambia wurde ihr ein Stück ihrer Vagina herausgeschnitten – ganz ohne Betäubung. Eine schmerzhafte Erfahrung, sowohl körperlich als auch seelisch für die junge Frau. „Mir wurde ein Teil meiner Weiblichkeit genommen“, sagt sie heute. Diesen Teil möchte sie nun wieder zurückbekommen. Das bedeutet: Sie plant einen komplizierten medizinischen Eingriff, der die Beschneidung zum Teil rückgängig machen würde. Mariama erzählt Cosmo TV ihre Geschichte, um ein Zeichen zu setzen. Sie will nicht mehr schweigen, sie will mit ihrer Geschichte anderen Frauen Mut machen. 16:00-16:30 • WDR

Geheimnisse des Dritten Reichs (2/6)
Hitler und das Geld – Die von Hitler selbst gestrickte Legende vom asketischen, opferbereiten, selbstlosen? Führer? im Dienste seines Volkes ist so langlebig wie falsch. Der NS-Agitator verfügte viel früher und umfassender über Geldquellen, als angenommen wurde. Er hatte mächtige Gönner, nicht nur im In-, sondern auch im Ausland. Ohne Korruption, Willkür und mächtige verheimlichte Geldgeber wäre Hitlers Weg zur Macht nicht vorstellbar gewesen.**

Heute lässt sich nachweisen, wie ungeniert sich Hitler bediente und bedient wurde. Als er 1945 Selbstmord beging, war er ein schwerreicher Mann. Schon zu Beginn seiner ?Karriere? verfügte Hitler über genügend Einkünfte – wohlhabende Spender aus der Industrie finanzierten ihn heimlich. Als er an der Macht war, schien der Geldstrom kein Ende mehr zu nehmen. Acht Millionen Reichsmark flossen als Tantiemen für sein Buch? Mein Kampf? – das Machwerk wurde vom Staat als Geschenk an alle Neuvermählten überreicht. Anteile am Verkauf von Briefmarken mit Hitlers Porträt, Einnahmen von Fotos, auf denen er abgebildet war, Erbschaften von Parteigenossen – all das floss in die Taschen des Reichskanzlers und? Reichspräsidenten?, der zudem ab 1934 für beide Ämter Vergütungen kassierte. Schon früh wurde er auch aus dem Ausland unterstützt – etwa von Henry Ford, der seit 1922 spendete. Später überwiesen auf Geheiß des US-Industriellen die deutschen Ford-Werke jährlich 50.000 Mark als Geburtstagsgeschenk auf Hitlers Privatkonto.

Zahlreiche deutsche Großunternehmen, die mit Zuwendungen die Gunst des Diktators erkaufen wollten, bemühten sich nach dem Krieg, kompromittierende Spuren zu verwischen. Doch gerade die ?Adolf Hitler-Spende der deutschen Industrie? brachte zwischen 1933 und 1945 insgesamt 700 Millionen Reichsmark in einen Fonds, der zur? Persönliche Verfügung des Führers? stand. Daraus stammten die 100 Millionen Mark, mit denen Hitler das? Führergebiet Obersalzberg? ausbauen ließ, noch einmal 100 Millionen flossen zudem in den Aufbau einer Kunstsammlung für das geplante? Führer-Museum?, das in seiner Heimatstadt Linz entstehen sollte. Wer gehörte alles zu den Spendern? Für welche Zwecke nutzte der Diktator sein Geld? Und wo ist sein Vermögen nach dem Krieg geblieben? Die Dokumentation zeigt, wie Hitlers Reich zu einem kaum entwirrbaren System von Korruption und Bereicherung geriet, in dem auch Parteigänger und führende Militärs eingebunden waren.

Film von Stefan Brauburger und Alexander Berkel. 21:00-21:45 • PHOENIX

Jew.de.ru – Die jüdischen Kontingentflüchtlinge
„Jew.de.ru – Die jüdischen Kontingentflüchtlinge“ ist ein Porträt von drei jungen Juden im heutigen Deutschland.

Wenn man heute die Menschen in Deutschland nach Assoziationen mit dem Wort „Jude“ fragt, sind die häufigsten Antworten „Hitler“ und „Holocaust“. Auch die drei jüdischen Kinder Lena, Ilia und Swetlana mussten an den Zweiten Weltkrieg denken, als sie erfuhren, sie würden die ehemalige Sowjetunion verlassen und nach Deutschland auswandern. Während in der Sowjetunion der Antisemitismus für die Kids zum Alltag gehörte, kamen sie in Deutschland in die Ausländerschublade. Ohne Sprachkenntnisse, ohne Freunde und ohne ein richtiges Zuhause wurden die ersten Jahre nach der Einwanderung zum Albtraum. Heute sprechen sie Deutsch wie ihre Muttersprache, haben deutsche Freunde und stehen erfolgreich im Berufsleben. Ihre Identität bleibt jedoch komplex und passt in kein Standartkonzept.

Es ist die Geschichte der Menschen, die die Schwierigkeiten der Integration überwunden und einen Weg gefunden haben, drei Kulturen in ihrem Leben miteinander zu vereinbaren. Der Dokumentarfilm erzählt mit viel Humor und Charme einen Teil der modernen Geschichte eines Volkes, das in den deutschen Medien meist nur im Schatten des Krieges steht. 01:45-02:40 • HR

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