Buchtipp zum Wochenende

Der Schachautomat – Getürkt

Ein historisches Abenteuer um ein legendäres Täuschungsmanöver. Die Täuschung ist heute weniger bekannt, als dessen Bezeichnung: „Getürkt“ - eines der größten Betrugsfälle Europas im 18. Jahrhundert.

Freitag, 29.07.2011, 8:24 Uhr|zuletzt aktualisiert: Sonntag, 31.07.2011, 22:30 Uhr Lesedauer: 2 Minuten  |   Drucken

„Getürkt“, „türken“ oder „einen Türken bauen“ sind Begriffe bzw. Redewendungen, die sich hartnäckig halten und als als Synonym für „etwas fingieren“, „fälschen“ oder „etwas vorspiegeln“ verwendet werden. Damit wird suggeriert, dass das „Fälschen“ in einem besonderen Zusammenhang mit den Türken als Nation steht. Nicht selten wird „getürkt“ augenzwinkernd verwendet, wenn insbesondere Türkeistämmige anwesend sind.

Dabei geht „Getürkt“ auf eine Erfindung des österreichisch-ungarischen Hofbeamten und Mechanikers Wolfgang von Kempelen zurück. Im Wiener Schloss Schönbrunn präsentiert von Kempelen vor den Augen Kaiserin Maria Theresias seinen Schach spielenden Automaten. Schon bald wird die von da an in Preßburg ausgestellte Sensation zum beliebtesten Schauobjekt im ungarischen Königreich. Dass ein Automat zu Denken in der Lage ist, macht schnell die Runde.

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Den Türken bringt der Erfinder von Kempelen ins Spiel. Der Schachautomat besteht aus einem Schachtisch und einer lebensgroßen Puppe, der die Züge ausführt. Diesem lässt von Kempelen osmanische Trachten anfertigen, sodass die Gegner des Schachautomaten das Gefühl bekommen, gegen einen starken, unbesiegbaren Türken zu spielen.

Dabei ist die Wundermaschine nichts weiter als eine brillante Täuschung: Der zwergwüchsige Italiener Tibor – ein begnadeter Schachspieler – lenkt den Schachautomaten aus dem Innern. Bisher von der Gesellschaft ausgestoßen, genießt er in der fremden Haut die Anerkennung der Männer und die Bewunderung der Frauen. Doch als eine schöne Aristokratin unter mysteriösen Umständen zu Tode kommt, wird der Maschinenmensch das Ziel von kirchlicher Hetze und adligen Intrigen – und Tibor muss über sich hinauswachsen, um nicht mit dem Schachautomaten unterzugehen.

„Der Schachautomat“, ein spannender historischer Roman um ein legendäres Täuschungsmanöver, das nicht nur den Begriff „Getürkt“ ins richtige Licht rückt, sondern auch andeutet, welch bleibenden Eindruck die Osmanen in Europa hinterlassen haben – von den Bleikammern Venedigs zum kaiserlichen Hof in Wien, von den Palästen des Preßburger Adels in die Gassen des Judenviertels. (es)

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