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„Anerkennung“ von ausländischen Berufsqualifikationen

Der Gesetzentwurf zur "Anerkennung" von ausländischen Qualifikationen ist eine Mogelpackung: Aus dem Taxifahrer wird kein Arzt, sondern ein Krankenpfleger. Da wird er womöglich das Taxifahren bevorzugen.

Von Montag, 04.04.2011, 8:28 Uhr|zuletzt aktualisiert: Donnerstag, 07.04.2011, 3:01 Uhr Lesedauer: 3 Minuten  |   Drucken

Es gibt sehr viel Synonyme für das Wort Anerkennung, wie zum Beispiel: Würdigung, Lob, Achtung, Respektierung, … Es sind Wörter, mit denen wir viele schöne Dinge verbinden. Lob: Schon als kleine Kinder wollten wir gelobt werden, von unseren Eltern, Großeltern oder auch Lehrern. Sei es ein Lob für die schöne Sandburg, für gute Noten in der Schule oder ein Gemälde auf der Tapete. Und wenn wir es bekommen haben, wie fühlten wir uns dann?

Wir fühlten uns gut, nein glücklich. Wir hatten ein Gefühl empfunden, etwas Gutes getan zu haben. Und das hat uns motiviert noch mehr zu tun, noch besser in der Schule, beim Sport oder auch beim Malen zu sein. Dieser Drang nach Bestätigung, den kennen aber nicht nur Kinder. Jeder Mensch kennt ihn. Ganz gleich welcher Nationalität oder Ethnie. Er treibt uns an, mehr zu leisten, härter zu arbeiten. Doch wofür? Von wem wollen wir denn jetzt noch Lob und Anerkennung, wo wir schon groß sind?

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„Wegen der bleibenden Hürden wird aus dem Taxifahrer kein Arzt, sondern ein Krankenpfleger, jedenfalls wenn er im medizinischen Bereich tätig sein möchte. Da wird er womöglich das Taxifahren bevorzugen.“

Von der Gesellschaft in der wir Leben. Wir möchten akzeptiert werden, so wie wir sind. Wir möchten gebraucht werden. Das erfüllt uns mit Freude und gibt uns ein Gefühl Teil der Gesellschaft zu sein, und kein Außenseiter. Das erreicht man mit der Anerkennung von Leistungen – nicht mehr und nicht weniger.

Und um diese Anerkennung hat sich die Politik zu kümmern. Sie tut es, mal erfolgreich wie bei der Einführung des Geburtsortsprinzips im Staatsangehörigkeitsrecht. Seitdem sind in Deutschland geborene Kinder mit ausländischen Eltern automatisch von Geburt an deutsche Staatsangehörige. Und mal weniger erfolgreich, wie bei der Ausgrenzung von religiösen Gruppen, indem man schon vor einer Debatte erklärt eigentlich gehören Sie ja nicht zu uns.

Doch manchmal versucht die Politik bloß den Eindruck zu erwecken, dass sie etwas tut. Aktuellster Fall ist der Gesetzentwurf der Bundesregierung zur Anerkennung von ausländischen Berufsqualifikationen. Es ist ein Gesetz, welches das Wort „Anerkennung“ im Titel nicht verdient, wenn man Anerkennung im oben genannten Sinne versteht.

Der Gesetzentwurf macht deutlich, dass die Bundesregierung nur in solchen Bereichen großzügige Anerkennungsregelungen einführen möchte, in denen ein erhöhter Bedarf an Fachkräften in Deutschland besteht. Ziel ist also die Wahrung deutscher Wirtschaftsinteressen und nicht die Integration und Entfaltungsmöglichkeit der gut ausgebildeten Bürger mit ausländischen Berufsabschlüssen. Und selbst dort gibt es nur eine Anerkennung light, wieso sonst sollte man von „berufsnahen“ anstatt wie zunächst vorgesehen „berufsadäquaten“ Qualifikationen sprechen. Damit wird jeder Immigrant trotz seiner Qualifikation degradiert. Man sagt ihm ins Gesicht: Du bist trotz „Anerkennung“ deiner Qualifikation in dieser Gesellschaft ein Mensch zweiter Klasse.

„Ziel ist also die Wahrung deutscher Wirtschaftsinteressen und nicht die Integration und Entfaltungsmöglich- keit der gut ausgebildeten Bürger mit ausländischen Berufsabschlüssen.“

Man habe einen Gesetzentwurf auf den Weg gebracht, um endlich den taxifahrenden Arzt praktizieren zu lassen, so sagen sie. Aber herauskommt eine Mogelpackung. Wegen der bleibenden Hürden wird aus dem Taxifahrer kein Arzt, sondern ein Krankenpfleger, jedenfalls wenn er im medizinischen Bereich tätig sein möchte. Da wird er womöglich das Taxifahren bevorzugen.

Zu begrüßen ist zwar, dass für gut ausgebildete Personen mit ausländischer Staatsangehörigkeit die Türen nicht mehr automatisch verschlossen bleiben. Und auch, dass bei der Feststellung der Qualifikation nicht nur Ausbildungsnachweise berücksichtigt werden, sondern auch die Berufserfahrung.

Das sollte aber schon längst selbstverständlich sein. In Zeiten des Fachkräftemangels darf sich keine Regierung erlauben, menschliches Potenzial zu vergeuden. Doch Schwarz-Gelb ist unbelehrbar und erklärt dabei noch unverhohlen, dass diese Regelung das Problem des Fachkräftemangels lösen wird. Das einzige, was es auslösen wird, ist ein weiterer Rückzug der Immigranten.

So fühlt sich keiner gebraucht- eher missbraucht.

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