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Lachend durch die Welt

Von der Doppelmoral zur Unmoral

Wenn Leute nicht einmal mehr merken, dass sie mit zweierlei Maß messen und dann noch erwarten, dass man sie ernst nimmt, wundert sich Mehmet Gürcan Daimagüler nur noch.

Von Mehmet G. Daimagüler Montag, 24.01.2011, 8:28 Uhr|zuletzt aktualisiert: Mittwoch, 19.10.2011, 4:39 Uhr Lesedauer: 2 Minuten  |   Drucken

Man stelle sich einmal vor: Der WDR plant eine Karnevalssendung, in der in einer Szene auch ein führender muslimischer Würdenträger verspottet wird. Nach Protesten des Vorsitzenden der Arbeitsgruppe „Muslime in der SPD“ wird das Stück abgesetzt.

Als öffentlich-rechtlicher Sender müsse man besondere Rücksicht auf die religiösen Gefühle der Zuschauer nehmen, heißt es beim WDR. Mal angenommen, dieser Vorgang hätte sich wirklich so zugetragen, was wäre wohl in unserem schönen Land los?

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„Hurra, wieder einmal haben wir vor dem Islam kapituliert“, würde der vollbärtige Mann von Spiegel Online rufen. „Unsere Freiheit ist am Ende“, hieße es von der latent-hysterischen türkischstämmigen Tante, die als Soziologin nobelpreisverdächtig von jedem Fachgebiet Ahnung hat. Die schrecklich nette Familie bestehend aus einem schnauzbärtigen bösen alten Mann und seiner damenbärtigen ebenfalls bösen alten Frau würden flugs eine Statistik fälsch…, äh, schreiben und die Schuld den notorisch intoleranten Genen der Türken geben. Die CDU/CSU würde Kopf stehen und eine Sondersitzung des Deutschen Bundestages beantragen. Die Pressefreiheit, ein Ausdruck unseres christlich-jüdisch-aufklärerisch-antiken Erbes ist akut bedroht.

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Allah sei Dank, dies alles ist nicht passiert. Die Welt ist in Ordnung.

In Wirklichkeit wollte der WDR einen Sketch über den Papst bringen, die CSU hat es verhindert. Das ist alles. Was ist die Moral der Geschichte? Das mit zweierlei Maß gemessen wird? Geschenkt, das ist ein alter Hut. Nein, die Moral ist, dass diese Leute nicht einmal merken, dass sie mit zweierlei Maß messen – zugespitzt formuliert: Mohammed-Karrikaturen sind OK, weil von der Pressefreiheit gedeckt, Papstkritik aber nicht. Zu allem Überfluss erwarten sie dann auch noch, dass man sie als Gesprächspartner ernst nimmt. Ich wundere mich nur noch.

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