Studenten mit Migrationshintergrund

Ärmere sind besonders ehrgeizig und bildungsorientiert

Der Anteil der Studierenden mit Migrationshintergrund aus ärmeren und bildungsfernen Familien ist fast dreimal so hoch wie bei den Studierenden ohne Migrationshintergrund. Das geht aus der 19. Sozialerhebung des Deutschen Studentenwerks hervor.

Donnerstag, 04.11.2010, 8:30 Uhr|zuletzt aktualisiert: Donnerstag, 26.01.2012, 6:43 Uhr Lesedauer: 1 Minuten  |   Drucken

„Es ist noch viel zu tun, damit an den Hochschulen Menschen mit Migrationshintergrund künftig so stark vertreten sind, wie es ihrem Anteil von fast einem Fünftel an der Gesamtbevölkerung entspricht“, erklärte DSW-Präsident Prof. Dr. Rolf Dobischat in Berlin.

Gemäß der Studie können die 11% Studierenden mit Migrationshintergrund, in absoluten Zahlen etwa 174.000, in vier Gruppen eingeteilt werden: in 4% Eingebürgerte, vor allem aus Russland, Polen, der Türkei und Kasachstan; 3% Studierende mit einem ausländischen Elternteil, 1% Studierende mit doppelter Staatsangehörigkeit sowie 3% so genannte Bildungsinländer, also Studierende, die zwar nicht deutsche Staatsbürger sind, aber in Deutschland ihre Hochschulzugangsberechtigung erworben haben. Sie haben vor allem die türkische, russische, italienische oder kroatische Staatsangehörigkeit.

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Die 19. Sozialerhebung zeigt: Studierende mit Migrationshintergrund studieren mit 94% vor allem in den alten Bundesländern, sie wählen häufiger als Studierende ohne Migrationshintergrund die Fächergruppe Rechts- und Wirtschaftswissenschaften, sie sind stärker auf BAföG und den Nebenjob angewiesen – und sie werden deutlich weniger häufig von ihren Eltern finanziell unterstützt.

Download: Die wirtschaftliche und soziale Lage der Studierenden in der Bundesrepublik Deutschland 2009 (pdf). 19. Sozialerhebung des Deutschen Studentenwerks durchgeführt durch HIS Hochschul-Informations-System. Hrsg. vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF). Bonn, Berlin 2010.

Beim Blick auf ihren sozialen Hintergrund fällt auf: Der Anteil der Studierenden mit Migrationshintergrund aus der sozialen Herkunftsgruppe „niedrig“, also aus einkommensschwächeren, hochschulfernen Familien, ist mit 34% fast dreimal so hoch wie bei den Studierenden ohne Migrationshintergrund (13%).

DSW-Präsident Rolf Dobischat dazu: „Das lässt einen Schluss gegen den derzeitigen Meinungs-Mainstream zu: Jugendliche mit Migrationshintergrund aus ärmeren, bildungsfernen Verhältnissen sind besonders ehrgeizig und bildungsorientiert.“

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  1. Fritz sagt:

    Es ist ja in jedem Fall erfreulich, wenn ein Einwandererkind gute Bildungsabschlüsse erwirbt, egal woher es stammt.

    Nur haben wir das Problem bei Artikeln wie dem obigen, daß hier nicht zwischen den verschiedenen Einwanderergruppen differenziert wird.
    Wenn z.B. 90% der Kinder der Vietnamesen die Hochschulreife erreicht, mindert dies doch nicht die Problematik bei anderen Einwanderergruppen.

    Wenn ich meinen Kopf in den geheizten Backofen stecke und meine Füsse in den Kühlschrank, dann habe ich auch eine mittlere Körpertemperatur. Ist dann alles o.k.?

  2. NDS sagt:

    @Fritz
    „Gemäß der Studie können die 11% Studierenden mit Migrationshintergrund, in absoluten Zahlen etwa 174.000, in vier Gruppen eingeteilt werden: in 4% Eingebürgerte, vor allem aus Russland, Polen, der Türkei und Kasachstan; 3% Studierende mit einem ausländischen Elternteil, 1% Studierende mit doppelter Staatsangehörigkeit sowie 3% so genannte Bildungsinländer, also Studierende, die zwar nicht deutsche Staatsbürger sind, aber in Deutschland ihre Hochschulzugangsberechtigung erworben haben. Sie haben vor allem die türkische, russische, italienische oder kroatische Staatsangehörigkeit.“
    ??

  3. Eung-Gun Bertelmann sagt:

    Sie begründen die Titelzeile
    „Ärmere (mit Migrationshintergrund) sind besonders ehrgeizig und bildungsorientiert“ mit der Statistik:
    „Der Anteil der Studierenden mit Migrationshintergrund aus der sozialen Herkunftsgruppe „niedrig“, also aus einkommensschwächeren, hochschulfernen Familien, ist mit 34% fast dreimal so hoch wie bei den Studierenden ohne Migrationshintergrund (13%).“
    Die Schlussfolgerung ist nicht zulässig, wenn Sie nicht ausschliessen können, dass in der Bevölkerungsgruppe mit Migrationshintergrund die Gruppe „niedrig“ ebenso mehr vertreten ist als in der ohne Migrationshintergrund.
    Salopp ausgedrückt: Unter den Migranten-Studenten gibt es mehr ärmere, weil nun mal die Migranten-Familien ärmer sind als der Rest.

  4. Pingback: Integrationspolitik – Union wie in den Siebzigern | MiGAZIN