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Ismail Ertuğs Meinung

Integration mit Kopftuch?

„Vielfalt schätzen, Risse in unserer Gesellschaft schließen“ – das ist eine gelungene Antwort auf gesellschaftsspaltende Thesen - Ismail Ertuğ zur Rede von Bundespräsident Christian Wulff zum Tag der Einheit

Von Mittwoch, 06.10.2010, 8:28 Uhr|zuletzt aktualisiert: Mittwoch, 12.01.2011, 23:47 Uhr Lesedauer: 2 Minuten  |   Drucken

„Vielfalt schätzen, Risse in unserer Gesellschaft schließen“ – das ist eine gelungene Antwort auf gesellschaftsspaltende Thesen, von denen in Deutschland in den letzten Wochen mehr als genug zu lesen war. Bundespräsident Christian Wulff gelang in seiner gestrigen Rede die Balance zwischen Forderungen und Angeboten an Migranten in Deutschland.

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Wulff hat klar gemacht, dass Deutschland nur dann zur Einheit findet, wenn die Integration insgesamt gelingt. Sein Hinweis, dass nicht nur die Zuwanderer sich integrieren müssten, sondern auch Deutschland etwas für sie tun müsse, ist ein wichtiger Ansatz gewesen, den auch der Zentralrat der Muslime in Deutschland begrüßt hat. Integration ist in erster Linie für den einzelnen, aber auch für die ganze Gesellschaft. Wir brauchen junge, gut ausgebildete Fachleute und diese sollten wir auch bei unseren muslimischen Mitbürgern suchen.

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Grundwerte statt Kleiderordnung
Allerdings bleibt auch diese Rede an entscheidenden Punkten vage. Das berühmte Fördern und Fordern ist eine beliebte Formel. Konkrete Definitionen, woran wir Integration messen, hat Wulff nicht gefunden. Nach den Worten des Bundespräsidenten kann ich je nach Position das Kopftuch, das Schächten eines Hammels oder den Gebrauch der türkischen Sprache positiv als Vielfalt oder negativ als mangelnde Integrationsbereitschaft definieren. Ich denke, Integration hat nichts mit kulinarischen Vorzügen oder einer Kleiderordnung zu tun, sondern muss im Kern auf die politische Forderung eines Bekenntnisses zum Grundgesetz reduziert werden.

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Staaten mit größerer Einwanderungserfahrung und erfolgreicherer Integrationsbilanz, als diejenige der Bundesrepublik, haben gar nicht erst versucht, alle Zuwanderer über den gleichen Kamm zu scheren. Die US-amerikanische Integration hat immer vom Traum gelebt, dass alle mit den gleichen Chancen starten – die soziale und wirtschaftliche Integration hat zur starken Identifikation mit der neuen Heimat geführt. Insofern ist eine konsequente Förderung von Familien mit muslimischem Integrationshintergrund die beste Investition in eine erfolgreiche Symbiose. Die Leute bringen eine zweite Muttersprache, interkulturelle Erfahrungen mit den Zukunftsmärkten Türkei und Naher Osten mit ein – wenn sie dazu eine fundierte Ausbildung bekommen, sind das zusätzliche Trümpfe für die Exportnation Deutschland.

So weit war auch schon Lessing
Christian Wulffs Dreiklang, das Christentum, das Judentum und der Islam seien Bestandteil Deutschlands, führt im Grunde Lessings Botschaft aus „Nathan der Weise“ weiter. Vor 230 Jahren waren die Aufklärer schon mal so weit, alle Religionen gelten zu lassen. Jetzt sollten wir diesen schöner Rahmen endlich mit den richtigen Inhalten füllen.

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