Wunderland

Integrationsverweigerer Allee Nr. 10-15

Die Hausnummer 10-15 an der Integrationsverweigerer Allee liegt im Wunderland und gehört ins Reich der Fabelwesen, wie eine Antwort der Bundesregierung auf eine Anfrage des Grünen-Politikers Memet Kilic zeigt.

Montag, 27.09.2010, 8:32 Uhr|zuletzt aktualisiert: Mittwoch, 29.09.2010, 0:51 Uhr Lesedauer: 3 Minuten  |   Drucken

Es gebe „vielleicht 10 – 15 Prozent wirkliche Integrationsverweigerer“, hatte Bundesinnenminister Thomas de Maizière am 5. September 2010 der ARD gesagt. Seit dem kursieren diese Zahlen in nahezu sämtlichen Medien. Und wie es scheint, ist man froh über die Hausnummer 10-15. Endlich hat man eine Adresse, auf die man mit dem Zeigefinger zeigen kann. Da sind sie! Die sind schuld, die Integrationsverweigerer!

Einen Haken hat die Adresse allerdings, wie eine Antwort der Bundesregierung auf eine Anfrage des Grünen-Bundestagsabgeordneten Memet Kilic jetzt offenbart. Die Hausnummer 10-15 an der Integrationsverweigerer Allee liegt im Wunderland.

Die 10-15 Prozent-Herleitung
Laut Antwort der Bundesregierung, die dem MiGAZIN vorliegt, hat sich der Bundesinnenminister bei seiner Schätzung auf verschiedene Studien bezogen. So stufe beispielsweise die Untersuchung „Türkischstämmige Migranten in NRW und Deutschland“ des Zentrums für Türkeistudien 13 Prozent als „tendenziell segregiert ein, die parallelgesellschaftliche Strukturen ausbilden“. Merkwürdig ist allerdings, dass Kilic auf etwas hinweisen muss, was die Bundesregierung hätte wissen müssen. Die Verfasser betonen „ausdrücklich“, „dass die Studie nichts über die Motivation der Einwanderer aussagt, sich auf die deutsche Gesellschaft zuzubewegen.“ In der Tat wäre die Schlussfolgerung, Menschen, die einer sog. Parallelgesellschaft leben, seien zugleich auch „Integrationsverweigerer“ äußerst gewagt und ein Schlag unter die Gürtellinie all jener, die sich täglich um bessere Lebensumstände bemühen aber schlicht schlechte Karten haben.

Eine weitere Untersuchung aus dem Jahre 2001 (Türkische Muslime in Deutschland), so die Bundesregierung weiter, stelle zu dem fest, „dass bei 10 Prozent der türkischen Muslime in Deutschland ein Religionsverständnis vorherrscht, das sich integrationshemmend auswirkt“. Diese Tendenz stimme mit den Ergebnissen der von der Deutschen Islam Konferenz in Auftrag gegebenen Studie „Muslimisches Leben in Deutschland“ überein. „Danach nehmen z.B. ca. 10 Prozent der muslimischen Schülerinnen nicht an angebotenen Klassenfahrten teil“. Die Studie „Muslime in Deutschland“ (Brettfeld/Wetzels 2008) gehe sogar von einem Anteil von 23 Prozent der Muslime aus, bei denen Einstellungsmuster bestünden, die zu Segregation tendieren. „Aus diesen Zahlen ergibt sich die“ 10 bis 15 Prozent, so die Bundesregierung.

Aus der Nichtteilnahme an Klassenfahrten gleich „Integrationsverweigerung“ abzuleiten, hält Kilic aber für falsch: „Es ist bekannt, dass viele Eltern durch die Berichterstattung über Kindesmissbrauchsvorfälle sehr irritiert sind. Richtig wäre es, diesen Eltern Vertrauen zuzusprechen, anstatt sie als integrationswillig abzustempeln.“ Auch bedeute ein integrationshemmendes Religionsverständnis nicht gleich Integrationsverweigerung.

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  2. Kevin sagt:

    Integriert ist man dann, wenn man sich als Migrant in Deutschland wohlfühlt.

    Somit sind die meisten Muslime in Deutschland bestens integriert!

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