Migranten

Auf dem Arbeitsmarkt sehr gut integriert

Thomas Liebig, Referent für Internationale Migration des Arbeitsmarktdirektorats der OECD, spricht mit Zeit Online über die Ergebnisse der kürzlich vorgestellten Studie, wonach Migranten auch bei gleichem Bildungsniveau schlechtere Perspektiven auf dem Arbeitsmarkt haben (wir berichteten).

Freitag, 23.10.2009, 8:25 Uhr|zuletzt aktualisiert: Sonntag, 05.09.2010, 3:09 Uhr Lesedauer: 3 Minuten  |   Drucken

Die meisten Migranten integrieren sich
Eine Kernaussage der Studie sei, dass die meisten Migranten sich integrieren wollen und es auch tun. In Deutschland liege die Beschäftigungsquote von Nachkommen von Migranten immerhin bei knapp 70 Prozent, bei den Frauen bei rund 62 Prozent. Niedrig qualifizierte Nachkommen von Migranten hingegen hätten eine ähnlich hohe Beschäftigungsquote wie Personen ohne Migrationshintergrund.

„In unserer Studie sind rund die Hälfte der in Deutschland geborenen Nachkommen von Zuwanderern türkischer Abstammung. Deren Väter kamen in der Regel als Gastarbeiter in den sechziger und frühen siebziger Jahren. Die meisten von ihnen waren – und sind noch immer – sehr gut auf dem Arbeitsmarkt integriert, jedoch häufig in niedrig qualifizierten Beschäftigungen.“, so Liebig.

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Wenn man die Bildungsergebnisse derer Kinder analysiere, dürfe nicht vergessen werden, dass schätzungsweise rund die Hälfte der Mütter dieser Kinder nur einen Grundschulabschluss oder überhaupt keine Schulbildung hätten. Da dies nur für einen kleinen Bruchteil der Kinder ohne Migrationshintergrund gelte, sei es schwierig, beide Gruppen pauschal zu vergleichen.

Bei den sehr erfolgreichen Kindern vietnamesischer Einwanderer, zeige sich zwar, dass nicht immer das Bildungsniveau der Eltern entscheidend sei. Diese seien in fast allen Ländern gut integriert. Für diese Gruppe spiele Bildung traditionell eine große Rolle, und die Eltern würden sehr stark in den schulischen Erfolg ihrer Kinder investieren.

Liebig weiter: „Auch macht es einen Unterschied, ob Einwanderer als Flüchtlinge in ein Land kamen oder als niedrig qualifizierter Arbeitsmigrant. Zu den Flüchtlingen gehören häufig politische und geistige Eliten eines Landes. Sie fliehen in dem Bewusstsein, nicht in ihr Herkunftsland zurückzukehren. Darum sind die Anreize, beispielsweise die Sprache des Empfangslandes zu erlernen, sehr viel höher als sie es bei den Gastarbeitern waren.“

Migranten haben mehr Schwierigkeiten auf dem Arbeitsmarkt
Auf dem Arbeitsmarkt hätten die meisten Immigranten mehr Schwierigkeiten als Personen ohne Migrationshintergrund – selbst bei gleichem Bildungsstand. Der Grund liege häufig in den fehlenden beruflichen und sozialen Netzwerken, die wichtig bei der Arbeitsplatzfindung seien.

„Und selbstverständlich gibt es auch Diskriminierung, trotz des allgemeinen Gleichstellungsgesetzes. Ein großer Teil davon ist das, was die Ökonomen „statistische Diskriminierung“ nennen: Weil viele Zuwanderer und deren Kindern niedrig qualifiziert sind, wird davon ausgegangen, dass Bewerber mit Migrationshintergrund generell niedrig qualifiziert sind, selbst wenn sie gute Abschlüsse haben“, so Liebig.

Verlässlich Belege für Diskriminierung gebe es allerdings nicht. Hier klaffe leider immer noch eine Forschungslücke in Deutschland. Einzelfälle vor Gerichten seien „nur die Spitze des Eisbergs“. Studien aus Frankreich hätten aber gezeigt, „dass Bewerber mit einem ausländisch klingenden Namen drei bis vier Mal mehr Bewerbungen schreiben müssen als ansonsten identische Bewerber, die sich nur durch einen französischen Namen von ihnen unterscheiden. Diese Zahl muss man vor Augen haben, um einzuschätzen, welche Frustration dies für die Kinder von Einwanderern bedeuten kann.“

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