Martin Neumeyer

Sarrazins und ehrliche Debatte

Der bayerische Integrationsbeauftragte Martin Neumeyer (CSU) bedauert die Wortwahl Sarrazins, betont aber die Notwendigkeit einer Debatte über Integrationsverweigerer. Gleichzeitig schulde man aber der großen Mehrheit der gut integrierten Migranten eine ehrliche Debatte.

Mittwoch, 21.10.2009, 8:29 Uhr|zuletzt aktualisiert: Samstag, 21.08.2010, 15:53 Uhr Lesedauer: 1 Minuten  |   Drucken

Im Gespräch mit der Frankenpost bedauert der bayerische Integrationsbeauftragte Martin Neumeyer (CSU) die Wortwahl Sarrazins. Die Formulierungen Sarrazins von den „Kopftuchmädchen“ sei eine „verletzende, die Betroffenen entmenschlichende Sprache.“ Damit habe Sarrazin seiner eigentlichen Kernbotschaft, dass ein Teil der bei uns lebenden Migranten weder integrationsfähig noch integrationswillig sei, „einen Bärendienst erwiesen“. Solche Äußerungen seien „in ihrer Vereinfachung schlicht dumm, weil sie den Angesprochenen eine bequeme Opferrolle ermöglichen“.

Genauso schulde man aber auch der großen Mehrheit der bereits gut integrierten Migranten eine ehrliche Debatte, die sonst in Mithaftung genommen werde.

Dennoch sei die Debatte, die Sarrazin angestoßen habe, richtig und wichtig. Es sei eine Notwendigkeit, die im Alltag unübersehbare Integrationsverweigerung bestimmter Gruppen konkret zu benennen und zu diskutieren. Sonst werde sie von rechten Rattenfängern erzwungen und dominiert.

Neumeyer sei der Überzeugung, dass Migration und Integration notwendig seien, wolle man die Zukunftsfähigkeit der Gesellschaft bewahren. Der Erfolg hänge aber auch davon ab, dass die Bevölkerung dieses Projekt mittrage. Daher wolle Neumeyer weite Teile der Bevölkerung einbinden und für das Thema sensibilisieren.

Integration betreffe nicht nur die muslimische Bevölkerungsgruppe. Hier gelte es, jeden Zuwandererkreis – beispielsweise Russlanddeutsche – anzusprechen, was letztlich auch im Sicherheitsinteresse der Mehrheitsbevölkerung liege. Problemen könnte über bessere Bildung und daraus resultierende Ausbildungs- und Berufschancen ebenso wie durch weniger Ausgrenzung entgegengewirkt werden. Mit Verbänden oder Vereinigungen sei das aber nicht zu erreichen. Dort werde das Verschiedensein, das Anderssein zementiert. Das sei nicht zielführend.

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