Armin Laschet

Warnung vor Ignoranz der Religionen

Nordrhein-Westfalens Integrationsminister Armin Laschet warnt unter Berufung auf den Bundesverfassungsrichter Udo di Fabio vor einer Politik, „die auf Eindämmung religiöser Lebensformen zielt“. Der CDU-Politiker vermisse die Achtung vor dem Glauben und forderte das Merkmal „Religionszugehörigkeit“ bei der Volkszählung im Jahr 2011 zu erfassen.

Dienstag, 24.03.2009, 14:33 Uhr|zuletzt aktualisiert: Donnerstag, 12.08.2010, 7:33 Uhr Lesedauer: 1 Minuten  |   Drucken

In einem Beitrag für die Tageszeitung „Die Welt“ unterstreicht Laschet die zunehmende Bedeutung der Religion in der „postsäkularen Gesellschaft“. Kaum ein Tag vergehe, so Laschet, „an dem nicht über die außen- und innenpolitische Bedeutung des Dialogs der Weltreligionen gesprochen wird“. Religiosität bewege die Gesellschaft „wieder in einem Maße“, das viele staunen lasse.

Dem Staat dürften religiöse Überzeugungen seiner Bürger nicht gleichgültig sein, betont Laschet. Für eine Partei, die das C im Namen trägt, gelte dies in besonderem Maße. Deutschland sei „kein laizistischer Staat“. Nicht nur die Kirchen brauchten genauere Daten über die religiöse Landkarte Deutschlands, bemerkt der Minister: „Ob tatsächlich drei Millionen Muslime in Deutschland leben, weiß niemand exakt. Die Zahlen beruhen auf Schätzungen“ und seien „unpräzise“. Die Deutsche Islamkonferenz werde „konterkariert, wenn die Chance des Zensus nicht genutzt wird, endlich zu erfassen, wie groß denn dieser „Teil der deutschen Gesellschaft“, der sich zum Islam bekennt, wirklich ist“. Solange nicht bekannt sei, wie viele Schüler muslimischen Glaubens in Deutschland leben, könne auch der Bedarf für den islamischen Religionsunterricht an den Schulen nicht zuverlässig ermittelt werden, konstatiert Laschet. Dies gelte ebenso für die Entwicklung von universitären Bildungsangeboten für islamische Geistliche oder die Planung von Altenheimen und Pflegeeinrichtungen, die kultursensibel auf muslimische Besonderheiten achten, so wie dies für Christen und Juden längst selbstverständlich sei.

Was die Bundesregierung beim Zensus 2011 plant, sei eine „ignorierende Neutralität“. Der Minister wörtlich: „Ignoranz aber sollte nicht das neue Prinzip des Staates gegenüber den Religionen sein“.

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