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U-Turn

Roland Kochs neues Trikot

Als vor knapp einem Jahr in Hessen die Landtagswahlen bevorstanden, tobte ein bis dato noch nie dagewesener Wahlkampf. Roland Koch zog sämtliche Register, die geeignet waren, jeden braun angehauchten Wähler in Wallung zu bringen. Wir erinnern uns:

Von Dienstag, 20.01.2009, 16:58 Uhr|zuletzt aktualisiert: Donnerstag, 12.08.2010, 5:52 Uhr Lesedauer: 3 Minuten  |   Drucken

Kurz vor Weihnachten 2007 eröffnete er die Saison mit einem Burkaverbot für muslimische Schülerinnen an Hessens Schulen. Dass bis dahin kein einziger vergleichbarer Fall bekannt war, brachte Roland Koch allenfalls viel Gelächter ein. Gleich nach den Tagen der Nächstenliebe machte Roland Koch weiter: In Wohnvierteln mit hohem Zuwandereranteil müsse es klare Spielregeln geben: „Das Schlachten in der Wohnküche … gehören nicht zu unserer Hausordnung.“ Und damit meinte er selbstverständlich nicht die besengte Sau.

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Als auch dies keinen großen Anklang fand, lieferten ihm zwei U-Bahn-Schläger aus München eine Steilvorlage wie aus dem Bilderbuch. Roland Koch nutzte die Gunst der Stunde und schoss mit voller Wucht. Die Wahlergebnisse 2008 zeigten aber, dass der Schuss nach hinten losging. Die hessische CDU in hässlichen Trikots, rutschte aus, fiel hin, erlitt einen Kreuzbandriss und verlor zwölf Prozentpunkte (36,8 %). Schwer angeschlagen musste Roland Koch für elf Monate die Ersatzbank drücken.

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Durch ein Eigentor der SPD kam Roland Koch wieder ins Spiel. Diesmal mied Roland Koch Begriffe wie „Ausländer“ und „Kriminalität“ wie der Teufel das Weihwasser, was folgende zwei – zugegeben rhetorische – Fragen aufwarf: Was hat sich in den vergangen elf Monaten in Punkto Ausländerkriminalität geändert? Wieso hat Roland Koch die Problematik nicht einmal mehr am Rande erwähnt, während es vor elf Monaten noch so wichtig war?

An der Kriminalitätsrate ausländischer Jugendlicher dürfte sich seit Februar 2008 nicht viel geändert haben. Daher wäre es richtig gewesen, wenn Roland Koch die Problematik mit mehr Sachlichkeit erneut thematisiert hätte. So hätte er zumindest ein Stück Glaubwürdigkeit zurückgewinnen können. Er hätte das Problem lediglich an der richtigen Stelle anpacken müssen: nicht am Ende – Sanktionsandrohung nach der Tat – sondern am Anfang, bevor aus Jugendlichen Täter werden.

Er hätte nicht mehr pauschal von „den Ausländern“ sprechen müssen, sondern von „Menschen im sozialen Abseits“ ohne Arbeit, Bildung und ohne Perspektiven. Er hätte hervorheben müssen, dass Einheimische wie Ausländer in vergleichbaren sozialen Verhältnissen gleichermaßen oft kriminell in Erscheinung treten mit dem Unterschied, dass Ausländer aus vielerlei Gründen häufiger im sozialen Abseits landen. Er hätte die Gründe und Ursachen erläutern und über Lösungswege diskutieren müssen. In diesem Zusammenhang hätte ihm auch niemand übel genommen, wenn er von „zu vielen jungen kriminellen Ausländern“ gesprochen hätte.

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