Eine Feuerwerksbatterie flog in Gehren in das Zimmer einer geflüchteten Familie, auf Videos sind rassistische Parolen zu hören. Die Angeklagten der rassistisch motivierten Tat könnten trotzdem mit milden Strafen davonkommen – kein Einzelfall und ein Justizproblem.
In Sachsen-Anhalt haben Beratungsstellen 2025 insgesamt 322 Diskriminierungsfälle registriert, rund 50 mehr als im Vorjahr. Besonders häufig ging es um rassistische Zuschreibungen – für Migranten wird das Bleiben zunehmend zur Frage.
Wie weit Rassismus im Alltag gehen kann, zeigt ein Fall aus Berlin: Dort hat eine 63-Jährige einen Handwerker mit Schwarzer Hautfarbe rassistisch beschimpft, in der Wohnung eingeschlossen und bedroht – auch in Anwesenheit der Polizei.
Dritte Klasse. Musikunterricht. Es ertönt Peer Gynt – koloniale Bilder: exotisierte Frauen und weiße Welteroberer. Kulturelle Bildung gelingt erst, wenn Kinder solche Werke nicht nur hören, sondern auch kritisch lesen lernen. Von Roman Lietz
In einem Regionalzug in Brandenburg bleidigt ein Mann zwei Frauen mit Kopftuch rassistisch – sie „sollen nach Auschwitz“. Eine Frau zeigt Zivilcourage und will die Polizei rufen lassen. Die Zugbegleiterin weigert sich – das könne jetzt mindestens eine Stunde dauern. Von Wilhelm Pischke und Monika Wendel
In Berlin sind im vergangenen Jahr erheblich mehr rassistische und rechtsextreme Angriffe sowie Bedrohungen und Propagandaaktionen registriert worden: insgesamt 8.286. Das ist ein neuer Höchststand und ein Anstieg von 7,3 Prozent gegenüber 2024.
Dalyan Unland machte ein Abitur mit 0,7 – und wurde im Netz rassistisch und sexistisch beleidigt. Der Fall zeigt, wie wenig Leistung zählt, wenn Menschen auf Namen, Herkunftszuschreibungen und Vorurteile reduziert werden. Der junge Mann aus Niedersachsen setzt aber ein Zeichen. Von Elmar Stephan
Eine weiße Jury verurteilte Tommy Lee Walker zum Tod, obwohl Zeugen ihn entlasteten. Fast 70 Jahre später bestätigt Dallas: Der Schwarze Vater wurde zu Unrecht hingerichtet. Immer noch drohen mehreren Männern in den USA nach umstrittenen Urteilen die Hinrichtung. Von Konrad Ege
Ein gelöschtes Polizeischreiben im österreichischen Burgenland sorgt für massive Kritik. Die Polizei warnte vor dem „fahrenden Volk“, die Menschen sollten ihre Türen verschließen. Verbände sprechen von Antiziganismus. Das Innenministerium kündigt Sensibilisierung an. Der Zentralrat der Sinti und Roma fordert Konsequenzen.
Mit Cem Özdemir steht Baden-Württemberg vor einem historischen Moment: Er dürfte der erste Ministerpräsident mit Bilderbuch-Migrationsgeschichte werden. Doch der grün-schwarze Koalitionsvertrag ist kein Aufbruch in ein modernes Einwanderungsland. Er offenbart blinde Flecken: Diskriminierung wird kaum, Rassismus gar nicht benannt. Von Ekrem Şenol