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Migration und Integration in Deutschland

Wenn ich mir die Hauptschulen in Ballungszentren anschaue, sehe ich es als zentralen bildungspolitischen Auftrag für diese Schulart, dass sie […] Schülern ein niederschwelliges Bildungsangebot macht […]. Gerade für Jugendliche mit Migrationshintergrund.

Präsident der Kultusministerkonferenz Ludwig Spaenle (CSU), taz, 20. Januar 2010

Forscher

Hohe Hürden für Flüchtlinge auf dem Weg zu einem Job

Deutschland fehlt es an Mut und Pragmatismus, um Flüchtlingen den Weg in den Arbeitsmarkt zu ebnen. Das attestieren Forscher der Politik. Es seien insbesondere institutionelle Hürden, die die Integration in den Arbeitsmarkt erschwerten.

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Bei der Arbeit © Chemie-Verbände Baden-Württemberg @ flickr.com (CC 2.0), bearb. MiG

Forscher empfehlen der Politik mehr Mut und Pragmatismus, um Flüchtlingen den schwierigen Weg in den deutschen Arbeitsmarkt zu erleichtern. Als größte Schwierigkeiten sieht das Berlin-Institut für Bevölkerung und Entwicklung die komplizierten Zuständigkeiten und Vorgaben in Deutschland. Die Flüchtlinge ihrerseits müssten außerdem erhebliche individuelle Hürden überwinden, so die Forscher in einem Diskussionspapier, das sie am Dienstag in Berlin vorstellten.

Dazu zählen die fehlenden Sprachkenntnisse. Drei Viertel haben keinen den deutschen Abschlüssen vergleichbaren Berufsabschluss. In Deutschland arbeiten Flüchtlinge daher häufig unterhalb ihrer Qualifikation. Während im Herkunftsland jeder Sechste eine Helfertätigkeit hatte, ist es hier jeder Zweite. Gut ein Drittel landet in der Leiharbeit. Von den Flüchtlingen aus den acht wichtigsten Asylherkunftsländern, darunter Afghanistan, Syrien und Eritrea, hatten laut Bundesagentur für Arbeit im Februar dieses Jahres knapp ein Drittel eine sozialversicherungspflichtige Arbeitsstelle.

Institutionelle Hürden

Auf deutscher Seite sind es dem Papier des Berlin-Instituts zufolge institutionelle Hürden, die die Integration in den Arbeitsmarkt erschweren. Sie seien noch schwerer zu überwinden als die individuellen Hürden, wo staatliche Stellen und Zivilgesellschaft schon viel täten, erklärte Instituts-Direktor Reiner Klingholz. Zu den zentralen Problemen gehören aus Sicht der Forscher hohe Anforderungen an den Nachweis von Qualifikationen, zu komplizierte Gesetze und undurchschaubare Zuständigkeiten. Von dieser Situation profitiere niemand, stellten die Forscher fest, die Wirtschaft, die Flüchtlinge und auch die Verwaltung nicht.

Sie empfahlen pragmatische Wege wie eine Stichtagslösung für ein befristetes Bleiberecht für die Flüchtlinge, die in den Jahren 2015 bis 2017 gekommen sind. Ein dauerhafter Aufenthalt sollte sich dann nach dem Integrationserfolg richten. (epd/mig)

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