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Andreas Scheuer, CSU-Generalsekretär, PresseClub Regensburg, 15.9.2016

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JA-Sager

AfD und die Jungen Alternativen machen mit der Eigenradikalisierung weiter, lassen rechtsextremen Netzwerken freien Lauf und Personen in Posten. Wie sie das tun – können -, erklärt Sven Bensmann in seiner MiGAZIN Kolumne.

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MiGAZIN Kolumnist Sven Bensmann © privat, bearb. MiG

VONSven Bensmann

Sven Bensmann (geb. 1983 bei Osnabrück) hat Philosophie, mittlere und neuere Geschichte, sowie europäische Ethnologie in Kiel studiert und einige Jahre von der Öffentlichkeit weitgehend unbemerkt ein politisches Blog betrieben.

DATUM4. Dezember 2018

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Jaja, die Jungen Alternativen, kurz „JA“ – besondere Freunde dürfen sie auch die Dumme Union, HuSos und JAzis nennen –, sie kommen einfach nicht zu Ruhe. Nachdem selbst die Meuthen aus der Elternpartei ihre eigene Jugendorganisation verbieten wollten, weil die ihnen zu rechtsextrem war, wollen die dummen Wilden nun gegen den zu extremen Rechtsextremismus im eigenen Vorgarten so vorgehen, wie es die Alten vormachten:

Gefährlichen Extremismus bekämpfe man am besten, indem man den Extremisten erklärt, wie sie bestimmte Worte und Redewendungen in Zukunft anders formulieren, damit es nicht gleich so negativ auffällt. Dass Hans-Georg Maaßen nicht mehr als oberster Schutzherr der Neu-Nazis fungieren kann, sorgt offenkundig für panische Hektik.

Wie panisch, das sieht man vor allem an den Versuchen, diesen verbalen Maulkorb vor sich zu rechtfertigen. Da wurden dann so „Gedanken“ geäußert, wie: „Eine Auflösung löst keine Probleme, weil sich Personen und Strukturen dadurch nicht ändern.“ – ganz anders natürlich, wenn man die Strukturen intakt lässt, die Personen in ihren Positionen belässt und einfach das Wording variiert. In der Vergangenheit wäre man für eine solche Aussage eingeliefert worden.

Dass damit heute in Sachsen und den USA Wahlen gewonnen werden – und wer weiß, wo noch – sagt viel über die Wähler aus. Für die USA kann man immerhin noch behaupten, dass sie das schlechteste Bildungssystem haben, das der Wissenschaft bekannt sei – so jedenfalls einer der bekanntesten Physiker des Landes. Für Sachsen ist diese Aussage aber schon schwieriger: Hierzulande wird gern behauptet, Bremen habe das schlechteste Bildungssystem in Deutschland, während auch Bayern in einigen Kategorien, beispielsweise der Abhängigkeit des Lernerfolgs vom Kontostand der Eltern, ganz tief unten steht.

Angesichts der Erfolge von Rechtspopulisten in der ganzen westlichen Welt muss die Ursache aber doch woanders liegen. Und wer anders, als die Araber könnten Schuld sein? Eine arabische Entdeckung jedenfalls, der Algorithmus.

In unserer modernen Welt, die gleichgesinnte Menschen vernetzt, egal wie verwirrt oder pervers sie sind, sind AfD-Wähler plötzlich nicht mehr perverse Irre, mit denen niemand etwas zu tun hat, sondern Teil einer Bewegung perverser Irrer. Facebook, Twitter et alii – einmal gefüttert mit einer abwegigen Idee füttern sie diese, bis sie zumindest diejenigen, die geistig nicht sonderlich gefestigt sind, als Realität akzeptieren und immer wieder klicken. Einmal einen Beitrag von Prof. Dr. Harald Lesch zum Thema „flat earth“ – vielleicht der Verschwörungstheorie der Stunde – angeschaut, und Youtube überschwemmt einen mit „Beweisen“ für eine flache Erde, die üblicherweise alle auf dasselbe hinauslaufen: Ich kann keine Kugel sehen; ich bin zu dumm, es zu verstehen; die Erde muss also flach sein. Das generiert Klicks, das bringt Umsatz.

„I reject your reality and substitute my own“ – mittlerweile zu einem geflügelten Wort avanciert, fasst dieses „Ich lehne deine Realität ab und ersetze sie durch meine eigene“ das ganze Dilemma unserer Zeit perfekt zusammen. Die neue Rechte, sie will gar nicht mehr argumentieren, sie hat gelernt, dass sie viel weiterkommt, wenn sie sich einfach in eine eigene Welt zurückzieht und von den Algorithmen der asozialen Medien mit Neulingen füttern lässt.

Nur deshalb können sich AfD und JA hinstellen und erklären, dass sie mit der Eigenradikalisierung weitermachen, rechtsextreme Netzwerke intakt und Personen in Posten belassen wollen, weil dies das effektivste Mittel sei, verfassungsfeindliche Tendenzen zu bekämpfen. Nur deshalb kann die Selbstverpflichtung, die Gedanken nicht mehr ganz zu frei zu äußern, wie man sie denkt, als wirksames Mittel verkauft werden, eine Beobachtung durch den Verfassungsschutz zu verhindern.

Und solche Menschen sollen wir „besorgte Bürger“ nennen, und mit ihnen reden?

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