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Ministerium für Glück nicht nötig, wenn Politiker uns vom Unglück verschonen

Politiker drücken sich oft allgemein aus und kränken Menschen. Oft haben sie es nicht so gemeint. Eine Entschuldigung gibt’s nur vor den Wahlen. So auch während des letzten Wahlkampfes, damit aus Migranten Wähler werden.

Von Vykinta Ajami Donnerstag, 17.10.2013, 8:26 Uhr|zuletzt aktualisiert: Dienstag, 22.10.2013, 1:02 Uhr Lesedauer: 3 Minuten  |   Drucken

Wenn es um Migrations- und Integrationsfragen geht, bleibt der persönliche Faktor ausgeblendet. Die Politik und die Medien lieben allgemeine Begriffe, die gern in Begleitung von noch allgemeineren Forderungen daherkommen. Die Migranten sollen, die Mehrheitsgesellschaft erwartet, die Minderheiten müssen, die Integration setzt voraus, um nur einige wenige AllGemeinheiten zu nennen. Die AllGemeinheiten schaffen allgemeine Kategorien und blenden den persönlichen Faktor aus. So werden aus Menschen Migranten in Schubladen.

Das, was für die Medien, Politik und die Mehrheitsgesellschaft nur ein allgemeiner Begriff ist, bleibt für Menschen mit Migrationshintergrund in keinster Weise allgemein, weil es das persönliche alltägliche Leben beeinflusst. Wenn Politiker mit ihren Aussagen bestimmte Menschengruppen negativ schattieren und diese von den Medien auch noch breit aufgegriffen werden, bleibt es für die „Betroffenen“ meist nicht dabei.

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Wenn die Bundeskanzlerin beispielsweise sagt, Multikulti sei gescheitert, kann es passieren, dass der Nachbar auf einmal schief guckt oder Menschen auf der Straße sich auf einmal genötigt fühlen, ihre Ressentiments zu äußern. Und irgendwann, so ganz nebenbei, meist noch kurz vor der Wahl, am Rande des Wahlkampfs, wird der Mensch im Migranten gesehen – dem Anschein nach. Um ihn vom „Integrationsverweigerer“ zum Wähler zu konvertieren, entschuldigt man sich. Man hätte es ja so nicht gemeint.

Auch beim letzten Wahlkampf ist die eine oder andere Entschuldigung gefallen. Angela Merkel beispielsweise entschuldigte sich wegen ihrer Multikulti-Ist-Gescheitert-Aussage, nachdem ein IT Professor, der sich nach eigenen Angaben in New York, Boston, London und anderen Weltmetropolen wohlgefühlt hat, ihr in der Wahlarena vorgeworfen hatte, er würde sich nach dieser Äußerung nicht mehr als Teil dieser Gesellschaft fühlen.

Die Gefühle werden im großen politischen Geschehen nicht großgeschrieben. Man darf da nicht empfindlich sein. Die Praxis ist aber anders. Da ist man Mensch und fühlt nun einmal, was unweigerlich auch den Alltag beeinflusst. Aber das interessiert Politiker nicht, behaupte ich einfach mal.

Ganz anders aber, wenn es um die eigenen Gefühle geht. Etwa dann, wenn die Bundeskanzlerin sich über den Wahlsieg freut. Auf eine Journalistenfrage entgegnete sie kurz nach Bekanntwerden ersten Hochrechnungen, dass sie sich erst einmal einfach nur freuen möchte, und das noch für paar Stunden. Das ist ihr gutes Recht, genauso wie es das Recht der Menschen mit Migrationshintergrund ist, sich auch mal freuen zu dürfen.

Deshalb ist jetzt auch mal Zeit, über das Migrantenglück nachzudenken. Und darüber, ob und inwieweit das Thema Platz in der neuen Regierungskoalition haben wird. Werden wir vielleicht ein Ministerium bekommen, das für das Glück der Migranten zuständig sein wird? Eine Instanz, wo man sich als „diskriminierter Migrant“ oder „zum Migranten gemachter Mensch“ seine Beschwerde einreichen kann, mit einem persönlichen Ansprechpartner und einem Geschäftszeichen? Zu teuer? Unmöglich?

Günstiger, einfacher, schneller ginge es, wenn unsere Politiker einfach mal aufhören, allGemein zu denken. Denn natürlich werden die „nicht-so-gemeinten“ Dinge so verstanden, wie sie formuliert werden und nicht so, wie sie nicht gemeint waren.

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