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Wenn wir Millionen von Menschen die doppelte Staatsbürgerschaft geben, die sie weitervererben, werden wir eine dauerhafte türkische Minderheit in Deutschland haben. Das bedeutet eine langfristige Veränderung der Identität der deutschen Gesellschaft. Ich bin dagegen.

Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich (CSU), Münchner Merkur, 6.11.2013

Studie

Forscher fordern mehr Angebote für Migranten mit Uniabschluss

Forscher attestieren den Programmen zur beruflichen Qualifizierung von Einwanderern mit Hochschulabschluss strukturelle Defizite. Besonders gravierend sei die Frage, wie Teilnehmer während der Weiterbildung ihren Lebensunterhalt finanzieren können.

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Hochschulabsolventen © Luftphilia @ flickr.com (CC 2.0), bearb. MiG

Forscher des Instituts Arbeit und Qualifikation (IAQ) fordern einen Ausbau von Programmen zur beruflichen Qualifizierung von Einwanderern mit Hochschulabschluss. Die bestehenden Qualifizierungsprogramme an deutschen Hochschulen verbesserten zwar die Berufsaussichten von hochqualifzierten Migranten, hätten aber strukturelle Defizite, teilte das Forschungsinstitut der Universität Duisburg Essen am Dienstag mit. Besonders gravierend sei für viele Teilnehmer die Frage, wie sie während der Weiterbildung ihren Lebensunterhalt finanzieren können.

Fast 40 Prozent der neu Zugewanderten im Alter von 25 bis 64 Jahren haben der Studie zufolge einen akademischen Abschluss. Selbst unter Flüchtlingen liege der Akademiker-Anteil im zweistelligen Bereich, hieß es. Viele von ihnen fänden aber ohne eine Nachqualifizierung keine passende Beschäftigung. Die Politik müsse Hochqualifizierten mehr Beachtung schenken, die bereits in Deutschland leben, betonten die Studienautoren.

In einer qualitativen Studie haben IAQ-Forscher Programme zur Nach- und Weiterqualifizierung von Zuwanderern untersucht. „Die Maßnahmen sind meist befristet und regional verstreut“, kritisierte IAQ-Direktorin Ute Klammer. Viele Angebote seien mit befristeter Finanzierung und befristeten Arbeitsverträgen organisiert. Dadurch sei keine Nachhaltigkeit gewährleistet.

Finanzierung des Lebensunterhalts

Für Teilnehmer sei zudem die Finanzierung ihres Lebensunterhalts während der Programme schwierig, hieß es. Wer sich an einer Hochschule einschreibe, habe in der Regel keinen Anspruch auf Grundsicherung. Viele Zuwanderer erhielten aber auch kein Bafög, weil ein bereits vorhandener Studienabschluss eine weitere Förderung ausschließe.

Die Studienautoren empfehlen neben einem Ausbau und einer Verstetigung der Qualifizierungsangebote für Migranten vor allem eine Reform der finanziellen Förderinstrumente. So müsse Bafög angepasst werden, um den Lebens- und Bildungswegen von Migranten besser Rechnung zu tragen. Zudem müssten Stipendienprogramme überprüft und gezielt für Zuwanderer geöffnet werden, fordern die IAQ-Forscher. (epd/mig)

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