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Migration und Integration in Deutschland

Bei Philipp Rösler würde ich allerdings gerne wissen, ob unsere Gesellschaft schon so weit ist, einen asiatisch aussehenden Vizekanzler auch noch länger zu akzeptieren.

Hessischer Integrationsminsiter Jörg-Uwe Hahn (FDP), Frankfurter Neue Presse, 7.2.2013

Experte

Muslime müssen ihren Glauben erklären

Islam-Experte Bülent Uçar fordert Muslime auf, ihre Religion gegen die zunehmende Fremden- und Islamfeindlichkeit zu verteidigen. Uçar appelliert auch an Gesellschaft, Politik und Kirchen, neue Ideen und Modelle der Begegnung zu entwickeln, um den Menschen die Angst zu nehmen.

Bülent Ucar, Professor, Islam, Muslime, Universität Osnabrück
Bülent Uçar, Professor für Islamische Religionspädagogik an der Universität Osnabrück © uni-osnabrueck.de, bearb. MiG

Der Osnabrücker Islam-Experte Bülent Uçar hat die Muslime in Deutschland angesichts von zunehmender Fremden- und Islamfeindlichkeit aufgefordert, ihre Religion zu erläutern und zu verteidigen. „Die Zeit des Zurücklehnens und Zurückhaltens ist vorbei“, sagte Uçar dem „Evangelischen Pressedienst“. Muslime stünden in der Verantwortung, ihre Positionen öffentlich darzulegen und zu erklären, „wie sie persönlich ihren Glauben verstehen und leben“.

Auch einfache Muslime sollten versuchen, mit Rechtspopulisten zu diskutieren, sagte der Direktor des Instituts für Islamische Theologie der Universität Osnabrück. Nicht alle hätten ein geschlossenes Weltbild. Studien zeigten, dass viele Bürger, die politisch nicht rechts zu verorten seien, Angst vor dem Islam hätten. „Deshalb sind selbst laienhafte theologische Dispute besser als Stillschweigen.“

Immer noch große Hemmschwelle

Einige muslimische Institutionen lebten jedoch fernab der Realität und entzögen sich jedem öffentlichen Diskurs. Ihnen fehlten sprachliche Grundkompetenzen oder sie verstünden sich als Heimatvereine, kritisierte Uçar. Teile der Gesellschaft stellten unterdessen das Existenzrecht von Muslimen infrage. Das zeige, wie fragil die freiheitlich-demokratische Grundordnung sei.

Uçar appellierte an Gesellschaft, Politik und Kirchen, neue Ideen und Modelle zu entwickeln, um Menschen unterschiedlicher Religionen zueinander zu führen. Noch immer existiere unter Nichtmuslimen eine große Hemmschwelle, Moscheen zu besuchen. Selbst an den jährlich am 3. Oktober ausgerufenen Tagen der offenen Moscheen trauten sich nur wenige Besucher dorthin, sagte der Theologieprofessor anlässlich eines Fachkongresses über den Islam in westlichen Gesellschaften in Osnabrück. Wissenschaftler aus den USA und Westeuropa wollen dort ab Donnerstag drei Tage lang unterschiedliche theologische Positionen erörtern.

Diskussionen auch in Moscheegemeinden führen

Solche Diskussionen über die Vielfalt und die Weiterentwicklung theologischer Lehrmeinungen sollten nach den Worten Uçars künftig vermehrt auch in den Moscheegemeinden geführt werden. Der Islam sei in Europa viel stärker als in islamisch geprägten Ländern einem Modernisierungsdruck ausgesetzt. Gleichzeitig spürten viele Muslime die schwere Last der Tradition und hätten Angst, sich zu sehr anzubiedern.

In der Begegnung mit der Moderne hätten sie es versäumt, „in den Räumen zu lüften. Jetzt sind sie verunsichert und schwanken zwischen den Extremen, die Fenster weit aufzureißen oder ganz geschlossen zu halten“, sagte der Experte. Differenzen innerhalb der islamischen Theologie müssten jedoch ausgetragen werden. „Wer die überzeugenderen Argumente hat, der wird sich theologisch durchsetzen.“ (epd/mig)

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