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Migration und Integration in Deutschland

[Die Verhinderung der Sesshaftmachung] würde den Vorteil haben, dass das Interesse an einer Familienzusammenführung zurückgeht und damit uns erheblich geringere Infrastrukturkosten entstehen würden.

Ein Vertreter der Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände, Weber, 1974

Neue Umfrage

Trump und Flüchtlinge dominieren Ängste der Deutschen

Steigende Lebenshaltungskosten, schlechte Wirtschaftslage, die Kosten der EU-Schuldenkrise oder Terrorismus – seit mehr als einem Vierteljahrhundert werden regelmäßig die Ängste der Deutschen abgefragt. In diesem Jahr dominieren andere Probleme.

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Donald Trump © Gage Skidmore @ flickr.com (CC 2.0), bearb. MiG

Die Deutschen fürchten sich aktuell am meisten vor den internationalen Auswirkungen der Politik von US-Präsident Donald Trump. Das ist das Ergebnis der diesjährigen Befragung über die Ängste der Deutschen, die am Donnerstag in Berlin vorgestellt wurde. Innenpolitisch steht die Zuwanderung im Mittelpunkt. So haben Ängste wie eine „Überforderung von Deutschen und Behörden durch Flüchtlinge“ und „Spannungen durch den Zuzug von Ausländern“ gegenüber dem Vorjahr wieder an Bedeutung gewonnen und folgen auf der Rangliste auf den Plätzen zwei und drei.

Für die repräsentative Langzeitstudie „Die Ängste der Deutschen“ im Auftrag der R+V-Versicherung werden seit 1992 jährlich rund 2.400 Frauen und Männer im Alter ab 14 Jahren befragt. In diesem Jahr wurden die Interviews zwischen Anfang Juni und Mitte Juli geführt.

Überforderung durch Flüchtlinge

Der neuen Studie zufolge fürchten sich derzeit mit 69 Prozent der Befragten mehr als zwei Drittel der Deutschen vor der Politik des US-Präsidenten. Schuld seien Trumps „Attacken“ etwa gegen den Freihandel, die EU und die deutsche Exportwirtschaft sowie seine Infragestellung der bisherigen Nato-Politik, sagte der Heidelberger Politikwissenschaftler Manfred Schmidt als wissenschaftlicher Berater der Studie. Die Annahme, dass die USA ein verlässlicher und stabiler Partner bleiben, sei bei den Deutschen schwer erschüttert.

Als „außerordentlich kritisch“ bewertete Schmidt die „Herausforderung Einwanderung“. So gaben 63 Prozent als Grund für Ängste eine mögliche Überforderung des Landes durch Flüchtlinge an. Das sind sechs Prozentpunkte mehr als 2017, aber noch drei Prozentpunkte unter dem Wert von 2016. Auch die Angst vor Spannungen durch den Zuzug von Ausländern stieg um zwei Prozentpunke gegenüber dem Vorjahr auf ebenfalls 63 Prozent, 2016 waren es jedoch noch 67 Prozent. Die Angst vor Terrorismus sank hingegen von Platz eins im Vorjahr auf Platz fünf. Terroranschläge fürchten derzeit 59 Prozent der Deutschen, das sind zwölf Prozentpunkte weniger als 2017.

Überforderung der Politiker

Auf weiteren Spitzenplätzen stehen die Angst vor einer allgemeinen „Überforderung der Politiker“ (Platz vier, 61 Prozent), vor den Kosten der EU-Schuldenkrise für die Steuerzahler (Platz sechs, 58 Prozent) und vor politischem Extremismus (Platz sieben, 57 Prozent). Am Ende der Top Ten finden sich Sorgen vor Naturkatastrophen (Platz acht, 56 Prozent), vor Schadstoffen in Nahrungsmitteln (Platz neun, 55 Prozent) sowie die Angst, im Alter zum Pflegefall zu werden (Platz zehn, 52 Prozent).

Eine relativ geringe Rolle spielt derzeit die Angst vor einem Anstieg der Arbeitslosigkeit (Platz 17, 29 Prozent) und vor eigener Arbeitslosigkeit (Platz 20, 25 Prozent). Nur 18 Prozent befürchten das Zerbrechen der eigenen Partnerschaft.

Politiker schneiden katastrophal ab

Während die Menschen mit Blick auf ihre eigene Sicherheit „auffallend gelassen“ seien, so Schmidt, bewerteten sie das Abschneiden der Politiker als „katastrophal“. Untermauert werde dies durch die Schulnoten für Politiker, die ebenfalls abgefragt wurden. Knapp die Hälfte (48 Prozent) habe die Leistungen als mangelhaft (Note 5) oder ungenügend (6) eingestuft. Nur etwas mehr als fünf Prozent der Befragten bewerteten die politisch Verantwortlichen dagegen als sehr gut (Note 1) oder gut (Note 2).

Erstmals wurde neben einem Ost-West-Vergleich auch nach Nord-Süd-Unterschieden gesucht. Dabei gelte unter dem Strich, dass der Osten in einzelnen Fragen etwas ängstlicher sei als der Westen und der Süden ängstlicher als der Norden. Spitzenreiter der Ängste unter den Bundesländern ist Sachsen-Anhalt mit durchschnittlich 63 Prozent (plus zehn Prozentpunkte gegenüber 2017). Am deutlichsten zurückgegangen sind die Ängste in Thüringen auf 48 Prozent (minus vier Prozentpunkte). Außerdem gilt laut Studie: Frauen sind etwas ängstlicher als Männer, und ab 20 Jahren wachsen mit zunehmenden Lebensalter die Ängste, so Brigitte Römstedt, Sprecherin der R+V Versicherung. (epd/mig)

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