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Migration und Integration in Deutschland

Wenn die deutsche Gesellschaft die Muslime toleriert, hat das noch nichts mit Gleichberechtigung zu tun.

Prof. Dr. Hans-Peter Großhans, MiGAZIN, 20. Januar 2010

Politologe

Gelingende Integration führt zu mehr Konflikten

Je besser die Integration gelingt, desto schlimmer werden die Konflikte, ist sich der Münsteraner Politikwissenschaftler Aladin El-Mafaalani sicher. „Warum? Mehr Menschen sitzen am Tisch, die mitessen, die Regeln bestimmen und die Rezepte auswählen wollen.“

Alaadin El-Mafaalani, Politiologe, Integration, Migration, Experte
Alaadin El-Mafaalani © privat, bearb. MiG

Die Integration von Ausländern in Deutschland gelingt nach Ansicht des Münsteraner Politikwissenschaftlers Aladin El-Mafaalani heute besser denn je. Syrer könnten nach drei Jahren Aufenthalt besser Deutsch sprechen als die Gastarbeiter nach 60 Jahren, sagte der Politologe am Freitag in Frankfurt am Main auf der Vorbereitungstagung zur bundesweiten Interkulturellen Woche 2018. Je besser die Integration gelinge, desto schlimmer würden allerdings die Konflikte. „Warum? Mehr Menschen sitzen am Tisch, die mitessen, die Regeln bestimmen und die Rezepte auswählen wollen.“

„Eine Integrationsgesellschaft ist eine Gesellschaft voller Konflikte“, sagte El-Mafaalani. Aus diesem Spannungsfeld zögen Populisten ihre Energie. Deshalb gebe es in allen Einwanderungsländern der Welt Abschließungstendenzen. Auch die Sehnsucht nach einer glorreichen Vergangenheit wachse, die sich in dem Wahlkampf-Slogan des US-Präsidenten Donald Trump „Make America great again“ oder in einer Beschwörung des englischen Empire durch die Brexit-Befürworter äußere. In Deutschland und Kanada sei der Rechtsruck noch am geringsten, weil diese beiden Länder sich kritisch mit ihrer Vergangenheit auseinandergesetzt hätten.

„Wir brauchen eine Leitkultur, die eine Streitkultur ist“, forderte der Politikwissenschaftler. Die Gesellschaft müsse danach streben, in Konflikten den positiven Anstoß zu Entwicklungen zu sehen. Die sozialen Errungenschaften der Gegenwart, Gleichberechtigung und Demokratie, seien erst in Konflikten erkämpft worden. Ein ernstes Problem sieht El-Mafaalani darin, dass „wir erstmals keine positive Zukunftsidee haben“. Früher habe die Zukunft für Hoffnung gestanden, gegenwärtig stehe sie für Horror.

Entwicklungshilfe kann Migration nicht dämpfen

Die internationale Migration lasse sich nicht mit Entwicklungshilfe dämpfen, sagte El-Mafaalani. Im Gegenteil steigerten Entwicklung und Bildung die Auswanderung in die Industrieländer. Das Bildungswesen entwickele sich schneller als der Arbeitsmarkt. Der Auswanderungsdruck aus dem Süden lasse erst nach, wenn der Arbeitsmarkt sich gut ausgebildet habe.

Die Interkulturelle Woche ist eine bundesweite Initiative der Evangelischen Kirche in Deutschland, der katholischen Deutschen Bischofskonferenz und der Griechisch-Orthodoxen Metropolie. Sie findet seit 1975 jährlich Ende September statt und wird von Kommunen, Wohlfahrtsverbänden, Gewerkschaften und Initiativgruppen mitgetragen. (epd/mig)

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