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Migration und Integration in Deutschland

In allen Zielstaaten der Arbeitsmigration weisen die Eltern der als Migranten erfassten Jugendlichen eine kürzere Schulbesuchszeit und einen geringeren ökonomischen, sozialen und kulturellen Status auf als die Eltern von Nichtmigranten. Nirgendwo ist dieser Unterschied … aber so stark wie in Deutschland.

Konsortium Bildungberichterstattung, Bildung in Deutschland, 2006

Migrationsforscher

Integration der Flüchtlinge ist ein Erfolg

Nach Ansicht des Osnabrücker Migrationsforschers Christoph Rass ist die Integration von Flüchtlingen eine Erfolgsgeschichte. Deutschland habe allen Grund, mit mehr Selbstbewusstsein und Gelassenheit an die Sache heranzugehen. Von Martina Schwager

Christoph Rass, Migration, Forscher, Migrationsforscher, Prof. Universität, Osnabrück
Prof. Dr. Christoph Rass beim 8. Osnabrücker Wissensforum © Youtube/Universität Osnabrück

VONMartina Schwager

DATUM1. Februar 2018

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RESSORTAktuell, Gesellschaft

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Die Integration der Flüchtlinge in Deutschland seit 2015 lässt sich nach Ansicht des Osnabrücker Migrationsforschers Christoph Rass als Erfolgsgeschichte lesen. In relativ kurzer Zeit hätten Politik, Wirtschaft und Zivilgesellschaft es geschafft, Strukturen zur Unterbringung und Versorgung, zur Sprachvermittlung oder zur Integration in den Arbeitsmarkt aufzubauen, sagte Rass dem Evangelischen Pressedienst. Dennoch würden Flucht und Zuwanderung noch immer mit Problemen und Konflikten assoziiert.

„Schauen wir uns doch um: Die Wirtschaft wächst, die Arbeitslosenquote ist historisch niedrig, unsere Gesellschaft ist so sicher wie nie. Und ganz nebenbei haben wir es auch noch geschafft, eine Million Flüchtlinge aufzunehmen“, sagte der Migrationsforscher. Deutschland könnte also mit viel mehr Selbstbewusstsein und Gelassenheit an die weiteren Aufgaben und Herausforderungen der Integration herangehen. „Und uns bleibt ja heute auch keine Wahl: Wir müssen die Aufgaben bewältigen.“

„Es ist nur die Frage, ob wir das mit Selbstvertrauen oder angstbesetzt tun wollen“, sagte Rass am Rande einer Tagung in Hannover. Aus einer selbstbewussten Haltung heraus sei es leichter, Zuwanderer auf die Einhaltung hier geltender Regeln und Gesetze hinzuweisen und gleichzeitig die Gesellschaft für sie zu öffnen. „Wir sollten das nicht als Kampf der Kulturen begreifen, sondern als Aushandlungsprozess.“

Migration ist Normalfall

Ein Blick in die eigene Vergangenheit könnte Gesellschaften darüber aufklären, dass Migration der Normalfall sei, sagte der Professor für historische Migrationsforschung. Nur wenige Familien blieben nämlich auch in Deutschland über Generationen an ein und demselben Ort. Flucht und Vertreibung, Arbeits-, Bildungs- oder Heiratsmobilität, aber auch Armutswanderung fänden sich an der ein oder anderen Stelle in den meisten Familiengeschichten: „Es klingt banal: Wir sind alle immer wieder unterwegs, wandern ab oder zu. Aber wir machen uns diese Tatsache zu selten bewusst.“

Diese Einsicht könnte helfen, die Integration der Flüchtlinge im weiteren Verlauf nicht mehr nur technokratisch als Spracherwerb oder Eingliederung in den Arbeitsmarkt zu verstehen, erläuterte Rass: „Jetzt geht es tatsächlich um ein Zusammenleben, darum, sich gegenseitig wahrzunehmen als Partner, die gemeinsam eine zunehmend diverse Gesellschaft gestalten.“ (epd/mig)

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