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Migration und Integration in Deutschland

Nur die wenigsten dieser deutschen Arbeiter werden in dieser Situation mit den Ausländern solidarisch sein. Die meisten werden sich aggressiv von den Ausländern abgrenzen und bei ihnen die Verantwortung für die eigene schlechte Position suchen.

Hans-Günter Kleff, Vom Bauern zum Industriearbeiter, 1985

Südländerphobia

Der neue (alte) Hass gegen Ausländer

Die Verbreitung von Hass und Vorurteilen gegenüber Muslimen hat Früchte getragen. Schaut man genauer hin, erfasst die Fremdenfeindlichkeit aber nicht nur Muslime. Es macht sich so etwas wie eine Südländerphobia breit. Von Rodolfo Valentino

Dreckspack, Hetze, Internet, Hass, Ausländerfeindlichkeit
Dreckspack © MiG

VONRodolfo Valentino

Dr. Rodolfo Valentino studierte an der Universidad Complutense de Madrid Sozialpsychologie und Verhaltenssoziologie, verbrachte ein Jahr an der Università di Firenze und schloss sein Studium der Sozialwissenschaften an der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn ab. Anschließend promovierte er im Fachbereich Soziologie. Bis 2009 arbeitete er für die internationale Wirtschaftsuniversität "Escuela Superior de Negocios" in Spanien. Von 2009 bis 2011 war er im akademischen Team der Arbeitsagentur in Bonn tätig. Von 2011 bis 2014 nahm er an einem Projekt teil, das Angehörigen einer Bedarfsgemeinschaft psycho-sozial betreute und Integrationsprozesse einleitete. Von 2014 bis 2015 war er Leiter des Integrationszentrums des Kreises Euskirchen und danach der Stabsstelle "Sozialraummanagement, Migration und Inklusion" im "Bonner Verein für gemeindenahe Psychiatrie". Seit November 2016 ist er Direktor des Europäischen Instituts für Migrationsstudien, soziale Inklusion und Interkulturelles Lernen in Santander (Spanien), dessen Kooperationspartner das Bonner Institut für Migrationsforschung und Interkulturelles Lernen (BIM) e.V. in Bonn ist.

DATUM26. Oktober 2017

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„Zum ersten Mal muss ich mich fragen, wie dunkel meine Haare, meine Augen und meine Haut sind. Ich habe mir angewöhnt, extra ab und zu italienisch zu sprechen, um als Italo-Deutscher identifiziert zu werden“, verrät mir Salvatore, ein Student der Universität Bonn mit italienisch-serbischen Wurzeln, und verweist auf seinen sizilianischen Vater, der gesagt haben soll: „Die rechtsextremen Parteien und die Ostdeutschen haben daran erinnert, was viele Westdeutsche vielleicht ganz tief im Innern schon immer gedacht haben: Dass ‚Südländer‘ eigentlich nicht wirklich dazugehören, wenn die Kacke am Dampfen ist.“

Die Bundesrepublik, die aus den Trümmern von Krieg, Holocaust und Zerstörung auferstand, die von einem rassistischen, rechtsradikalen und menschenverachtenden Regime vor über 70 Jahren verursacht wurde, erlebt eine Renaissance von Hass gegenüber „Fremden“, biologischer bzw. kultureller Überlegenheit und Sündenbockstrategie. Die Atmosphäre im Land ist vergiftet. Argwohn, Misstrauen, latenter Hass, Vorurteile, rassistische Gewalt und vieles mehr aus der „Hass- und Gewalt-Kiste“ sind zum Vorschein gekommen. Und das in einem Land, das seit Jahrzehnten kulturell, ökonomisch und weltpolitisch von der Einwanderung profitiert.

Die Verbreitung von Hass und Vorurteilen gegenüber Muslimen, Menschen mit Migrationshintergrund, Ausländern und „Fremden“ in Politik, Medien und sozialen Netzwerken hat Früchte getragen. Sie haben nicht nur im Osten, sondern auch im Westen der Republik die „Südländerphobia“ entfacht. Was für einen Schaden rassistische und rechtsextreme Aussagen und Stigmatisierungen anrichten können, spüren viele Menschen bereits am eigenen Leib. Immerhin sind 27 Prozent der bundesrepublikanischen Bevölkerung betroffen, weit über 20 Millionen Menschen.

Viele Soziologen sind sich einig, dass es großes Potenzial für innere Unruhen gibt. Die zunehmende Polarisierung in Deutsche, die nicht wie Südländer aussehen und Deutsche, die wie Südländer aussehen vergiftet die Gesellschaft vollends. Diesem biologistischen Wahnsinn müssen Eliten und die tragenden Mittelschichten politisch, kulturell und wissenschaftlich Einhalt gebieten. Sonst wird mir bange vor der Zukunft in diesem Land.

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