MiGAZIN

Migration und Integration in Deutschland

Demnach waren die Arbeitgeber bestrebt, diejenigen ausländischen Arbeitnehmer zu halten, die sich in mehrjähriger Beschäftigung bewährt hatten, zumal bei ihnen die Anpassungs- und hier vor allem die Sprachschwierigkeiten … überwunden waren.

Bundesanstalt für Arbeitsvermittlung und Arbeitslosenversicherung, 1968

Malteser-Migrationsbericht

Arbeit ist zentral für Integration

Der Malteser Hilfsdienst fordert eine Versachlichgung der Integrationsdebatte. Kosten und Nutzen der Einwanderung dürften weder schöngeredet noch daramatisiert werden. Der Zugang von Flüchtlingen in den Arbeitsmarkt müsse erleichtert werden. Der Verband legte am Mittwoch einen Bericht vor.

Der in der Flüchtlingshilfe aktive Malteser Hilfsdienst will die Integrations-Debatte in Deutschland versachlichen. Unter dem Titel „Fakten statt Stimmungslage“ legte das Hilfswerk am Mittwoch in Berlin einen eigenen Migrationsbericht vor. Die Politik müsse Menschen, die in Deutschland bleiben können, den Weg in den Arbeitsmarkt erleichtern, fordert der Verband. Die Teilnahme am Berufsleben sei zentral für die Integration.

Eine Voraussetzung seien schnellere Asylverfahren. Es könne noch immer fünf Jahre dauern, bis ein anerkannter Flüchtling anfange zu arbeiten, kritisierte der Verfasser des Berichts, der Freiburger Ökonom und Direktor des Walter Eucken Instituts, Lars P. Feld, der auch dem Sachverständigenrat zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung angehört. Unternehmen, die Arbeitskräfte suchen, drängten auf Beschleunigung. Erste Schritte könnten sein, von Einwanderern, die berufliche Kenntnisse mitbringen, in der deutschen Berufsausbildung nur Teilqualifikationen zu verlangen. Feld mahnte auch eine engere Zusammenarbeit der Behörden mit den Aus- und Weiterbildungseinrichtungen an.

Der frühere Vorsitzende des Malteser Hilfsdienstes und Beauftragte für den Migrationsbericht, Karl Prinz zu Löwenstein, nannte ein Beispiel aus der Arbeit der Malteser. Die Ausbildung zum Rettungssanitäter, für die die Malteser „händeringend“ Bewerber suchten, scheitere bei Flüchtlingen daran, dass sie kein polizeiliches Führungszeugnis vorweisen können.

Kosten und Nutzen weder schönreden noch dramatisieren

Der Malteser-Bericht warnt davor, Kosten und Nutzen der Einanderung schönzurechnen oder zu dramatisieren. Laut Bundesfinanzministerium seien im vergangenen Jahr 15 Milliarden Euro für Geflüchtete in Deutschland ausgegeben worden, eine Summe, die angesichts der guten Finanzlage gut zu bewältigen gewesen sei, sagte Feld. Wie hoch langfristig die Integrationskosten ausfielen, hänge entscheidend davon ab, wie schnell Zugewanderte eine Arbeit aufnehmen und Beiträge in die Sozialversicherungen einzahlen.

Nach Angaben des Bundesinnenministeriums sind in diesem Jahr bisher 124.000 Asylsuchende nach Deutschland gekommen. Die durchschnittliche Dauer der Asylverfahren von Menschen, die ihren Antrag in diesem Jahr gestellt haben, liegt den Angaben zufolge bei zwei Monaten. Dass die durchschnittliche Bearbeitungsdauer indes ein Jahr beträgt, begründet das Ministerium mit dem Abbau von Altfällen. (epd/mig)

Testen Sie den kostenlosen MiGAZIN Newsletter:
Bitte beachten Sie unsere Netiquette. Vielen Dank!

Ihr Kommentar dazu:

MiGAZIN

Ziel und Zweck von MiGAZIN ist die Förderung der politischen, gesellschaftlichen und kulturellen Partizipation von Migrant(inn)en in der Aufnahmegesellschaft. In diesem Sinne soll MiGAZIN die Kommunikation fördern und füreinander sensibilisieren. Mehr über uns...

MiGMACHEN

Die Redaktionsmitglieder von MiGAZIN haben vor allem eins gelernt: Wer über sein Wissen und seine Erfahrungen schreibt, lernt immens dazu. Die kritische Diskussion mit Lesern eröffnet neue Horizonte. Daher hat das MiGAZIN-Team die Aktion-MiGMACHEN ins Leben gerufen. Hier bieten wir allen Interessierten die Möglichkeit, MiGAZIN als Autor, Pate oder Jungautor mitzugestalten. Nähere Informationen...

GRIMME Online Award 2012

    Begründung der Jury: "Über Migranten und Migration wird in Deutschland viel gesprochen. Vor allem von Deutschen. Im Chor der vielen und oft sehr lauten Stimmen fehlen aber zumeist die der Migranten. Und genau diese Lücke füllt das MiGAZIN mit qualitativ hochwertigen Texten und verständlicher Berichterstattung." Weiter ...