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Migration und Integration in Deutschland

Es waren vor allem die übrig gebliebenen einheimischen Geringqualifizierten, die die Gastarbeiter als ungeliebte Konkurrenten empfanden.

Stefan Luft, Staat und Migration, 2009

Studie

Fast zwei Drittel der Flüchtlinge haben einen Schulabschluss

Zwei von Drei Flüchtlingen in Deutschland haben einer aktuellen Erhebung zufolge einen Schulabschluss, jeder Fünfte einen Hochschulabschluss. Wissenschaftler sehen noch Qualifizierungsbedarf. Die Motivation auf Seiten der Flüchtlinge jedenfalls sei vorhanden.

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Flüchtlinge am Münchener Hauptbahnhof

64 Prozent der in den letzten drei Jahren nach Deutschland geflüchteten Erwachsenen haben nach eigenen Angaben einen Schulabschluss. Wie aus einer am Mittwoch veröffentlichten Befragung mehrerer Institute hervorgeht, haben 20 Prozent der Flüchtlinge einen Hochschulabschluss oder beruflichen Bildungsabschluss.

Wie aus der Befragung außerdem hervorgeht, haben etwa vier von zehn Flüchtlingen, die zwischen dem 1. Januar 2013 und dem 31. Januar 2016 nach Deutschland gekommen sind, bislang einen Integrationskurs des Bundesamts für Migration und Flüchtlinge besucht. Das Sozio-ökonomische Panel (SOEP) des Instituts für Wirtschaftsforschung in Berlin hatte die Befragung gemeinsam mit dem Institut für Arbeits- und Berufsforschung (IAB) und dem Forschungszentrum des Bundesamtes vorgenommen.

Experte sieht Qaulifzierungsbedarf

Der Studie zufolge haben 35 Prozent der erwachsenen Geflüchteten ihren Schulabschluss an einer weiterführenden Schule gemacht. Rund elf Prozent der Männer und Frauen verfügen lediglich über Bildung auf Grundschulniveau. Weitere elf Prozent gaben an, in ihrer Heimat gar keine Schule besucht zu haben. Mit acht Prozent hat nur ein geringer Teil eine Berufsausbildung abgeschlossen.

„Es besteht also noch erheblicher Qualifizierungsbedarf“, sagte der Direktor des SOEP, Jürgen Schupp. Dies sei offenbar auch den Geflüchteten bewusst. „Knapp die Hälfte ist daran interessiert, einen Schulabschluss in Deutschland zu machen.“ Zwei Drittel strebten einen beruflichen Abschluss an.

Jeder Fünfte spricht gut Deutsch

Etwa ein Fünftel der Befragten gab 2016 an, gut oder sehr gut Deutsch zu sprechen. Mehr als doppelt so viele hätten jedoch noch erhebliche Probleme mit der deutschen Sprache. Die Ergebnisse zeigen auch, dass an den Integrationskursen des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge mehr Männer (42 Prozent) als Frauen (31 Prozent) teilnehmen. „Ein wesentlicher Grund dafür ist eine fehlende Kinderbetreuung“, sagte Herbert Brücker vom IAB in Nürnberg.

Die Studie stützt sich auf eine repräsentative Befragung von 4.816 Flüchtlingen in Deutschland. (epd/mig)

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3 Kommentare
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  1. Deutschvietnamesin sagt:

    Jaja, wer in drei Jahren „gut“ Deutsch spricht, muss ein Genie sein. Ich glaube eher an die Märchen aus 1001 Nacht als an solche Meldungen …

  2. Raff ich nicht sagt:

    Also mal ehrlich, ihr haut da Zahlen raus…
    2/3 haben einen Schulabschluss, 35% weiterführende Schule, 20% Hochschule und 11% Grundschule, so weit passt das ja, wenn man Grundschule als Schulabschluss definiert (m.E. mehr als gewagt).
    Jetzt wird es komisch: das übrige 1/3 hat doch dann keinen Schulabschluss. Ihr schreib aber was von 11%. Die 8% abgeschlossene Berufsausbildung haben keine Schule besucht? Und die restlichen 14%???
    Was ist mit den Zahlen Männer/Frauen bei den Integrationskursen? 42% + 31% sind 73%. Der Rest geschlechtslose Kinder???

  3. Müllerin sagt:

    Zitat: „64 Prozent der in den letzten drei Jahren nach Deutschland geflüchteten Erwachsenen haben nach eigenen Angaben einen Schulabschluss.“

    Dieser Abschluss ist nur auf EIGENEN ANGABEN begründet ist. Die wenigsten Flüchtlinge haben aber ihre Zeugnisse dabei. Einige Flüchtlinge missverstehen auch das Wort „Abschluss“. Für sie ist Abschluss, dass überhaupt über eine gewisse Zeit eine Schule besucht wurde. Also ist auch der „Abschluss“ der Grundschule schon ein Abschluss für die allermeisten. Der tatsächliche Anteil an höheren Abschlussgraden könnte also wesentlich geringer ausfallen, als die im Artikel benannten Zahlen.



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