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Migration und Integration in Deutschland

Es wird selbstverständlich sein, dass jemand Mehmet heißt und nicht Hans – wir halten das aus.

Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich (CSU), Deutsche Presse-Agentur (18.01.2013)

Syrischer Wissenschaftler in Deutschland

„Wir haben alles verloren, aber offene Türen gefunden.“

Er hat alles verloren, aber offene Türen gefunden: Der Ingenieurwissenschaftler Salim Jallouf floh mit seiner Familie vor dem Krieg in Syrien. Dank eines Stipendiums kann er seine Arbeit an der TU Darmstadt fortsetzen.

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Universität © ninastoessinger auf flickr.com (CC 2.0), bearb. MiG

VONKathrin Hedtke

DATUM11. August 2017

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RESSORTAktuell, Panorama

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Alles war perfekt: Er arbeitete als Assistenzprofessor an der Universität in Aleppo, seine Frau als Kinderärztin mit eigener Praxis. Zwei kleine Kinder, Haus, Auto. „Wir hatten alles“, sagt Salim Jallouf. Bis in Syrien der Krieg ausbrach. Die Familie fürchtete um ihr Leben. Einmal explodierte ein Sprengkörper mitten in seinem Garten und zerstörte das Klettergerüst, auf dem die Zwillingsmädchen kurz vorher gespielt hatten. Auf den Straßen waren Schüsse zu hören. Hinzu kam die Angst vor Entführungen. Auf der Straße marschierten Terroristen. Der Familienvater wollte nur noch eins: Raus aus Syrien, seine Familie in Sicherheit bringen.

In seiner Not schrieb Jallouf an Freunde und Kollegen überall in der Welt, hundert E-Mails. Niemand konnte helfen. Bis in seinem Postfach die Antwort eines Professors aus Frankreich aufpoppte, der ihm vom „Scholar Rescue Fund“ erzählte. Der Stipendien-Fonds fördert Forscher aus der ganzen Welt, die in ihren Heimatländern in Gefahr sind – und ermöglicht ihnen einen Gastaufenthalt im Ausland. Damit konnte Jallouf seine Arbeit an der Technischen Universität Darmstadt fortsetzen. Ohne Angst.

Organisationen vermitteln Forschungsaufenthalte

Vor einem halben Jahr ist seine zweijährige Förderzeit ausgelaufen, seitdem arbeitet er als wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Maschinenbau, Fachgebiet Konstruktiver Leichtbau und Bauweisen. Sein aktuelles Projekt läuft drei Jahre. Und es gibt die Aussicht, dass er seine Habilitation schreibt. „Ich bin sehr glücklich“, sagt Jallouf. Seine Töchter haben die neue Sprache schnell gelernt, nach den Ferien kommen sie in die Grundschule. Seine Frau arbeitet bei der Diakonie ehrenamtlich als Kinderärztin, lernt fleißig Deutsch. Und auch er selbst will jetzt endlich mehr Zeit für seinen Sprachkurs aufbringen. „In der Zukunft wird Deutschland unsere Heimat sein“, sagt der 48-Jährige.

Es gibt mehrere Organisationen weltweit, die bedrohte Akademiker an eine Partneruniversität vermitteln oder ihnen einen Forschungsaufenthalt im Ausland finanzieren. Auf der Homepage des „Scholar Rescue Fund“ der internationalen Organisation „Institute of International Education“ heißt es: „Wissenschaftler zu retten heißt, die Zukunft zu retten.“ Die Organisation hat seit 2002 mehr als 700 Wissenschaftler aus 56 Ländern unterstützt.

Wie ein Licht im Dunkeln

Aktuell erhalten 104 Menschen ein Stipendium, davon arbeiten sieben an einer Universität in Deutschland. Es gibt die Hoffnung, sagt eine Sprecherin in New York, dass sich die Bedingungen in ihrer Heimat in dieser Zeit verbessern und die Wissenschaftler nach Hause zurückkehren können. „Und dabei helfen, die durch Krieg, Unterdrückung und Angst verwüsteten Universitäten und Gesellschaften wieder aufzubauen.“ Oder sie können den Auslandsaufenthalt nutzen, um eine längerfristige Lösung zu finden.

Bei Jallouf scheint das geklappt zu haben. Die Zusage des „Scholar Rescue Fund“ sei damals wie ein Licht im Dunkeln gewesen, berichtet er. „Mit ihrer Hilfe konnte ich raus aus Syrien.“ An seiner Uni in Aleppo seien damals viele Kollegen von einem Tag auf den nächsten nicht mehr aufgetaucht. Wer konnte, verließ das Land. Jallouf war es erst einmal egal, wohin. Sein ehemaliger Doktorvater im französischen Metz vermittelte einen Kontakt zur Hochschule in Bari, Italien. Die Universität dort erklärte sich bereit, den Ingenieur aufzunehmen, allerdings nur für ein Jahr.

Mit nur ein paar Koffern

Also ließ die Familie ihre Heimat hinter sich, nahm nur ein paar Koffer mit. Das Rote Kreuz habe sie in einem Krankenwagen über die Grenze nach Libanon gebracht, berichtet der Wissenschaftler. Für viel Geld. Von dort ging es weiter nach Italien. Das passte gut. Jallouf spricht fließend Italienisch, neben Arabisch, Englisch und Französisch.

Doch nach einem Jahr galt es, eine neue Hochschule zu finden. Wieder schrieb er viele E-Mails, bekam viele Absagen – und eine Zusage von der TU Darmstadt. So kam die Familie nach Deutschland. Purer Zufall. Doch es gefällt ihnen hier sehr gut. „Ein wunderschönes Land“, sagt Jallouf, „und eine tolle Universität“. Sein Fazit: „Wir haben alles verloren, aber offene Türen gefunden.“ (epd/mig)

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