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Migration und Integration in Deutschland

Bei dem Lebensalter der ausländischen Arbeitnehmer wirkt sich das z. Z. vor allem für die deutsche Rentenversicherung sehr günstig aus, weil sie weit höhere Beiträge von den ausländischen Arbeitnehmern einnimmt, als sie gegenwärtig an Rentenleistungen für diesen Personenkreis aufzubringen hat.

Ludwig Kattenstroth, Staatssekretär im Arbeitsministerium, März 1966, Bundesvereinigung der Dt. Arbeitgeberverbände, 1966

Nebenan

Donald Trump. Und ich weiß, ich muss eigentlich nicht mehr sagen. Trotzdem.

Wie nachhaltig kann Trump Amerika und dessen politisches System verändern? Wer wird in fünf oder zehn Jahren die Weltmacht Nummer 1 sein? Und wann geht die „PEGADS“ eigentlich auf die Straße? Von Sven Bensmann

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MiGAZIN Kolumnist Sven Bensmann © privat, bearb. MiG

Dieser Text muss am Montag fertig sein, erscheinen wird er aber erst am Dienstag. Alles, was ich schreibe, kann und wird also bei Erscheinen längst obsolet sein, weil ein neuer Skandal in den Zeitungen steht. Möglicherweise ist Trump inzwischen zurückgetreten, wenn dieser Text erscheint. Denn, der „Art of the Deal“ ist, schnell und unvorhersehbar zurückzutreten, so wie er es nicht in seinem Buch geschrieben hat – denn auch wenn der Name auf dem Cover steht, dieser Mann ist nicht in der Lage ein Buch zu schreiben, obwohl er natürlich, wie er selbst sagt, in der Lage gewesen wäre, den Kalten Krieg auf dessen Höhepunkt allein durch kurze Verhandlungen zu beenden. Dafür gibt es immerhin Ghostwriter: Dabei ist und bleibt Trump immer auch der Mann, dessen kongenialer Parodist Alec Baldwin so treffend über ihn sagt: „Er spricht, als sei er stets auf der Suche nach einem stärkeren, besseren Wort, ohne es je zu finden.“

Um noch genauer zu sein: Trump ist nicht nur nicht in der Lage, ein Buch zu schreiben, er ist nicht mal in der Lage, eines zu lesen: Für den NATO-Gipfel wurden die Anwesenden daher instruiert, aufgrund dessen begrenzter Aufnahmefähigkeit nur 2-4 Minuten mit Trump zu reden, um ihn nicht zu überfordern. Seine Sicherheitsberater müssen Memos mit Grafiken und Bildchen dekorieren, die Absätze kurz halten und in jeden dieser Trumps Namen einbauen, damit er sie überhaupt liest. Wenn die Nachrichten zu schlecht sind, legen Sie ihm „alternative Nachrichten“ vor, die ihn davon ablenken und aufheitern sollen.

Und trotzdem: Wenn der Präsident der USA kurz davorsteht, seines Amtes enthoben zu werden, ist das ein Thema, an dem man nicht vorbeikommt. Insbesondere dann, wenn der Grund dafür seine allzu große Nähe zu Russland ist; dass er potenziell gefährliche Geheimdienstinformationen an Russland und damit mittelbar auch an den direkten Feind desjenigen Partners weitergibt, von dem er diese Info bekommen hat; und dass er denjenigen Polizeichef, der diese Gesetzesverstöße verfolgt und untersucht, eigenmächtig feuert.

„Americaragua“, diese Bananenrepublik in der der Präsident nun Schlüsselpositionen nur nach Familienzugehörigkeit und Loyalität besetzt, ist dabei weiterhin die größte Militärmacht der Welt. Und Americaragua entfernt sich dennoch von der Weltgemeinschaft, entfernt sich von globalem Konsens, um sich selbst mit Mauern und Rhetorik zu isolieren.

Die interessante Frage, die im Hintergrund dessen steht, ist, wie nachhaltig Trump Amerika und dessen politisches System verändern kann. Kann und wird ein post-Trump-Amerika wieder zur Seriosität zurückkehren können, weil es die demokratischen Prozesse, die es für eine Selbstverständlichkeit gehalten hat, wieder zu schätzen gelernt hat, oder handelt es sich um eine stete Abwärtsspirale, die bereits mit Nixon und Reagan begonnen hat – und über deren Schattenmänner der swamp, den Trump trockenlegen wollte, überhaupt erst angelegt wurde, und die nun auch Trumps Kampagne geleitet haben. Black, Manafort and Stone haben ein Vermögen gemacht, erst politische Kampagnen zu leiten und dann für Geld diese Kontakte an den Höchstbietenden zu verschachern, Roger Stone im Speziellen hat bereits seit Jahrzehnten die Präsidentschaft Trumps und die Machtergreifung von Alt-Right vorbereitet.

Und an der Frage, wie diese Trump-Episode die USA nun tatsächlich verändert, wird sich auch folgende Frage entscheiden: Wer wird in fünf oder zehn Jahren die Weltmacht Nummer 1 sein: die USA oder die PRC? Steht China in fünf Jahren als die progressivere Macht da als die USA, könnten sich Allianzen und öffentliche Debatten deutlich verschieben.

All das Gerede vom Abendland wird am Ende nämlich kaum verhindern, dass pragmatischere Ratten ein sinkendes Schiff verlassen. Und wenn Trumps Amerika sich nach Putin, Erdogan und Saudi-Arabien ausrichtet, wird sich Europa umso mehr für Chinas neue Seidenstraße interessieren – immerhin kann man dort noch deutsche Diesel verkaufen. Und im Falle der Erderwärmung ist China schon heute der kooperativere Partner als die USA.

Heute mögen also Wissenschaftler und Frauen in den USA auf die Straßen gehen – in ein paar Jahren könnten in Dresden “patriotische Europäer gegen die Amerikanisierung der Seidenstraße (PEGADS)” demonstrieren und McDonalds-Filialen in Brandt stecken. Geschichtsvergessenheit hat man dort immerhin zur Perfektion gebracht.

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2 Kommentare
Diskutieren Sie mit!»

  1. […] ich in meinem letzten Text die Hypothese formuliert hatte, der Rückzug der USA aus der Weltpolitik hinterlasse eine Vakanz, […]

  2. Hans Moltke sagt:

    Über China reden wir in Deutschland nicht, weil wir uns nicht in die Karten schauen lassen sollten. Bei der letzten Hegemonie Krise standen zwei Herausforderer dem Britischen Empire gegenüber: die USA und das Deutsche Reich. Die USA hat die NSDAP aufgepäppelt, und nach dem Krieg war sowohl das Deutsche Reich als auch das Britische Empire am Ende.
    Heute steht die BRD durch die EU und China als Herausforderer der Hegemonialmacht USA gegenüber. Und ich habe Angst, dass die USA die AfD aufpeppelt wie damals die NSDAP. Mit den Gedanken einer deutsch-chinesischen Annäherung sollte man in der Öffentlichkeit nicht spielen. Der Ami und der Russe lauschen überall. Was sie denken, behalten sie besser für sich.



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