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Religionsfreiheit

Streit um Fisch-Symbol an Berliner Schule

Der Streit um das Berliner „Neutralitätsgesetz“ geht in die nächste Runde. Nachdem einer Lehrerin das Tragen eines Kreuzes um den Hals verboten wurde, wurde ihr jetzt auch das Tragen eines Fisch-Symbols untersagt. Bisherh haben vor allem Muslime gegen das Gesetz geklagt.

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Schule © onnola @ flickr.com (CC 2.0), bearb. MiG

Der Streit um das öffentliche Zeigen religiöser Symbole an Berliner Schulen geht offenbar in eine nächste Runde. Nachdem die Schulverwaltung einer Lehrerin an einer Schule im Wedding das Tragen eines Kreuzes um den Hals untersagt hatte, trage die Frau jetzt eine Kette mit einem Fisch, wie die Berliner Zeitung berichtete. Dieser gilt in der Version mit zwei gekrümmten Linien, die sich hinten zu einer Flosse kreuzen, als christliches Ichthys-Symbol.

Sollte es sich bei dem Anhänger der Lehrerin um ein religiöses Symbol handeln, müsse er abgenommen werden, sagte die Sprecherin der Bildungsverwaltung, Beate Stoffers, am Dienstag dem Evangelischen Pressedienst. Dabei müsse immer der Einzelfall betrachtet werden.

Erst Kreuz, jetzt Fisch-Symbol

Im Berliner Neutralitätsgesetz von 2005 ist festgelegt, dass Lehrer, Polizisten und Justizbedienstete im Dienst keine religiösen Symbole tragen dürfen, das heißt weder Kopftuch noch Kippa oder Kruzifix. Ausgenommen sind Referendare und Lehrer an Berufsschulen, weil die Schüler dort älter sind und als weniger beeinflussbar gelten.

Im Fall der Lehrerin hatte zunächst die Schulleitung der Frau das Tragen des Kreuzes mit dem Verweis auf das Neutralitätsgesetz untersagt. Bildungssenatorin Sandra Scheeres (SPD) habe die Entscheidung nach eingehender Prüfung gebilligt, weil es sich bei dem auffällig großen Kreuz um weit mehr als ein Schmuckstück gehandelt habe, hieß es weiter im Zeitungsbericht.

Gericht gab Muslimin Recht

Die Frau hatte sich in einem seelsorgerischen Gespräch mit ihrem Anliegen an einen Pfarrer gewandt, der das Thema auf der Landessynode ansprach. Die evangelische Landeskirche warb daraufhin für mehr Großzügigkeit in der Auslegung des Neutralitätsgesetzes. „Es sollte auch für Lehrerinnen und Lehrer möglich sein, religiöse Zeichen zu tragen, solange der Schulfrieden dadurch nicht gestört wird“, erklärte der Berliner Landesbischof Markus Dröge.

Bislang wurde gegen das Berliner Neutralitätsgesetz vor allem von muslimischer Seite geklagt. So hat das Landesarbeitsgericht Anfang Februar einer Lehrerin eine Entschädigung zugesprochen, weil sie wegen ihres Kopftuches nicht an einer Grundschule arbeiten durfte. Auf eine Revision gegen das Urteil verzichtete die Bildungsverwaltung. Stattdessen solle nun die Einstellungspraxis geändert werden, hieß es. (epd/mig)

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