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Michael Walzer, Sphären der Gerechtigkeit, 2006

Lesetipp zum Wochenende

Juden? Hatte ich in Geschichte

Für mich waren jüdische Themen immer mit einem Schild versehen auf dem steht: „Bitte nicht anfassen!“ Mit Jalta ist das nun vorbei. Die neue Zeitschrift für Themen der jüdischen Gegenwart hält die Tore auch für mich weit auf und lädt zur Debatte, zur Kritik, ja zum Dissens ein. Von Sami Omar

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Jalta - Positionen zur jüdischen Gegenwarthrsg. v. Micha Brumlik / Marina Chernivsky / Max Czollek / Hannah Peaceman / Anna Schapiro / Lea Wohl von Haselberg

VONSami Omar

 Juden? Hatte ich in Geschichte
Sami Omar wurde 1978 als Sohn eritreischer Eltern im Sudan geboren und wuchs als Kind deutscher Eltern im schwäbischen Ulm auf. Er arbeitet und schreibt zu den Themen Migration und Integration für print und online-Medien. 2016 erschien sein zweites literarisches Werk "Geht schon, danke". Sami Omar arbeitet als Sprecher und tritt mit seinen abendfüllenden Bühnenprogrammen deutschlandweit auf. Mehr über ihn auf sami-omar.de

DATUM28. April 2017

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Juden? Hatten wir in  Geschichte! Ich war ganz gut in Geschichte und habe damit eine Fünf in Chemie ausgeglichen. Nach meiner Schulzeit habe ich jüdische Themen immer gemieden. Hauptsächlich, weil ich dachte, dass jüdische Positionen vor dem Hintergrund der Shoa für mich nicht kritisch zu betrachten seien. Weil ich dem Missverständnis aufsaß, es gäbe innerhalb der jüdischen Bevölkerung in Deutschland keinen Dissens über jüdische Themen. Und weil ich dachte, jüdische Themen seien mit einem Schild versehen auf dem steht: „Bitte nicht anfassen!“

Mit Jalta ist das nun vorbei. Die neue Zeitschrift für Themen der jüdischen Gegenwart hält die Tore auch für mich weit auf und lädt zur Debatte, zur Kritik, ja zum Dissens ein. Die erste Ausgabe erschien gerade im Neofelis Verlag und breitet sich auf beachtlichen 170 Seiten aus.

Sie ist ein Stöberwerk, dass sich – in fünf Sparten aufgeteilt – je von einem Blickwinkel – mit Essays, Lyrik, (Foto-) Kunst, dem Hauptschwerpunkt des Heftes nähert. Und wie zur Untermauerung ihrer kreativen und intellektuellen Autonomie legten die sechs HerausgeberInnen aus Kultur und Wissenschaft den Schwerpunkt des ersten Heftes auf das Thema „Selbstermächtigung“.

Klug gewählt ist es auch deshalb, weil es die Öffnung der Debatte für interessierte Nicht-Juden und Juden gleichermaßen betont. So werden in den Beiträgen ungewöhnliche Gedankenbrücken zwischen schwarzen und jüdischen Minderheiten geschlagen („The Interface between  British Contemporary Black  and Jewish Cultures“ David Brauner / Ruth Gilbert). Mit dem lesbisch feministischen Schabbeskreises wird die Geschichte eines „fast vergessenen jüdisch- feministischen Widerstands“ erzählt. Und es wird das Verhältnis von Juden zu Schäferhunden nach dem Holocaust beleuchtet.

Ihre Anerkennung gesellschaftlicher Diversität und ihre Solidarisierung mit anderen gesellschaftlichen Minderheiten haben die MacherInnen der Zeitschrift kürzlich in einer Anklage zu „NSU-KOMPLEX AUFLÖSEN“  formuliert. In ihrem Statement stellen sie sich unmissverständlich gegen „die Fremdbestimmung, die zugleich versucht zu verhindern, dass wir aus den oktroyierten Bildern der weißen, deutschen Mehrheitsgesellschaft aussteigen und uns als politische Akteur*innen positionieren können. Gegen die uns zugeschobenen, aber auch innerhalb der jüdischen Gemeinschaft immer wieder existierenden Opferkonkurenz, die Rassismus gegen Antisemitismus abwägen.“

Man ahnt: Jalta ist anstrengend! Jalta macht ernst mit ihrem Anspruch an die Anerkennung gesellschaftlicher (auch jüdischer) Vielfalt. Mit der Lust auf Streit und dem Titel ihrer ersten Ausgabe: Selbstbestimmung!

Happy Birthday, Jalta!

Info: Jalta – Positionen zur jüdischen Gegenwarthrsg. v. Micha Brumlik / Marina Chernivsky / Max Czollek / Hannah Peaceman / Anna Schapiro / Lea Wohl von Haselberg. Erschienen im Neofelis Verlag.

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Ein Kommentar
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  1. […] mich darüber, dass sie auch so nebeneinanderstehen dürfen. In einer Vorstellung von Jalta im Migazin, hat der Rezensent Sami Omar geschrieben, jüdische Themen seien für ihn immer mit dem Schild […]



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