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Migration und Integration in Deutschland

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Angela Merkel, an die Türken nach der Rede des türkischen Premiers Erdogan in Köln, März 2008

Verlogene Debatte

Wie viele Türken mit Doppelpass haben denn überhaupt „Ja“ gesagt?

Die Debatte über das Wahlverhalten der Türkeistämmigen beim Referendum und über die doppelte Staatsbürgerschaft ist verlogen. Wir wissen ja nicht einmal, wie viele Doppelstaatler gewählt haben, geschweige denn, wie sie gewählt haben. Von Şirin Manolya Sak

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Der Doppelpass © Fotomontage: MiG

VONŞirin Manolya Sak

Şirin Manolya Sak ist Journalistin und Kulturwissenschaftlerin aus Berlin. Sie arbeitete jahrelang als Moderatorin für Metropol FM und bloggte u.a. für die Deutsche Welle. Die letzten 2,5 Jahre hat sie in Istanbul gelebt und gearbeitet, doch durch die angespannte Lage in der Türkei ist sie nun wieder zurück in Deutschland. Şirin schreibt gerade an ihrem zweiten Buch. Mehr über sie gibt es auf Facebook.

DATUM20. April 2017

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RESSORTAktuell, Meinung

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Nein, zur Diskussion um integrierte und nicht integrierte Türken. Und nein, zur Diskussion um die doppelte Staatsbürgerschaft. In was für einer Demokratie leben wir denn selbst, wenn wir Menschen nach politischer Ausrichtung die Pistole an die Brust halten? Wird das zur Integration beitragen oder mal wieder stereotypisierend ausgrenzen? Glaubt wirklich jemand, dass ich mich über ein Ausweisdokument definiere?

In Deutschland leben 4,3 Mio. Menschen mit einer doppelten Staatsbürgerschaft. Davon haben 530.000 Deutsche zusätzlich die türkische, 570.000 die russische und 690.000 die polnische Staatsangehörigkeit. Ups …

Die doppelte Staatsbürgerschaft steht bereits im Wahlprogramm einiger Parteien, es gibt jedoch keine Erhebungen darüber, wie viele der türkeistämmigen Doppelstaatler für das Präsidialsystem in der Türkei gestimmt haben. Was wir wissen ist: Von insgesamt 1,4 Millionen türkeistämmigen Wahlberechtigten in Deutschland haben rund 410.000 mit „Ja“ gestimmt. Wie viele Doppelstaatler unter diesen Ja-Sagern sind, wissen wir nicht.

Top-Wahlkampfthema und demnach Top-Problem in Deutschland sind also Menschen, von denen wir nicht wissen, wie viele sie sind. Theoretisch möglich ist sogar die Zahl Null, was plötzlich ein dickes Argument für die doppelte Staatsbürgerschaft wäre.

Wo wir gerade dabei sind. Was passiert eigentlich mit Franzosen in Deutschland, die „Front National“ wählen? Oder den vielen Russlandstämmigen, die für Putin sind? Oder den deutsch-polnischen Mitbürgern, die die autokratisch-konservative Regierung in Warschau befürworten? Wer ‚A‘ sagt muss doch auch ‚B‘ sagen.

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2 Kommentare
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  1. karakal sagt:

    Der Ausdruck „Doppelpaß“ ist nicht korrekt. Einen solchen Doppelpaß, wie auf dem Bild dargestellt, gibt es in Wirklichkeit nicht. Richtigerweise sollte man von „doppelter Staatsbürgerschaft“ sprechen. Und solange man nicht als Staatsbürger des jeweiligen Landes eingetragen ist, ist jeder Paß ungültig.

  2. Gerd Brodowski sagt:

    @karakal:
    Äh?! Das Bild ist „vielleicht“ ein ironisch-humorvoller Debattenbeitrag? „Vielleicht“ nicht ganz so witzig wie von Loriot, aber schon nah dran, oder?



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