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Migration und Integration in Deutschland

Die Wirtschaft entschied über die Anzahl der angeworbenen Gastarbeiter wie über deren Verteilung innerhalb der Bundesrepublik.

Ursula Mehrländer, Ausländerpolitik im Konflikt, 1978

Integrative Kraft des Bösen

Über schwarze Menschen bzw. People of color in der AfD

Wissen Sie was ein Oxymoron ist? Ich wusste es lange nicht. Es ist ein Wort, dessen zwei Teile sich inhaltlich widersprechen. Hassliebe ist ein solches Wort, Ausnahmeregel und in meinem Fall: Schulbildung! Von Sami Omar

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Das Logo von "Alternative für Deutschland" (AFD), bearb. MiG

VONSami Omar

 Über schwarze Menschen bzw. People of color in der AfD
Sami Omar wurde 1978 als Sohn eritreischer Eltern im Sudan geboren und wuchs als Kind deutscher Eltern im schwäbischen Ulm auf. Er arbeitet und schreibt zu den Themen Migration und Integration für print und online-Medien. 2016 erschien sein zweites literarisches Werk "Geht schon, danke". Sami Omar arbeitet als Sprecher und tritt mit seinen abendfüllenden Bühnenprogrammen deutschlandweit auf. Mehr über ihn auf sami-omar.de

DATUM24. März 2017

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RESSORTAktuell, Meinung

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Manchen Menschen scheint die Tatsache, dass die Alternative für Deutschland auch People of color (PoC) als Parteimitglieder und Funktionäre hat, ein solcher Widerspruch in sich zu sein. Entweder – so die Schlussfolgerung – sind diese Menschen in der falschen Partei, oder sie sind in der richtigen Partei. Sind sie aber bei der Alternative für Deutschland richtig aufgehoben, wie könne man die Partei dann noch als rassistisch einstufen?

Ich glaube, da kann ich helfen: Die Hautfarbe einer Person ist eine Äußerlichkeit. Wir sind es, die daraus ideologisch Verortungen ableiten und deshalb glauben, ein schwarzer Mensch könne nicht ideologisch verirrt genug sein, um in der AfD zu landen. Weit gefehlt! Die Mitglieder der Partei wiederum freuen sich sehr über den Zuspruch vereinzelter schwarzer Deutscher. Glauben sie doch mehrheitlich an ein Deutschsein qua Natur und Erbe und können so anhand des vermeintlich Fremden unter ihnen ihre angebliche Toleranz beweisen (tolerare: erdulden, ertragen).

PoC-Menschen wie der stellvertretende Parteisprecher der AfD in Bergisch Gladbach (NRW), Prof. Dr. Harald Weyel, dürfen auch von den Kritikern der Partei nicht auf ihre Hautfarbe reduziert werden. Sie sind weder Opfer, noch in erster Linie schwarz, sondern ganz normale Opportunisten. Sie sind ihrerseits tolerant, wenn der AfD Landeschefs aus Thüringen, Björn Höcke sagt: „Die Evolution hat Afrika und Europa, vereinfacht gesagt, zwei unterschiedliche Reproduktionsstrategien beschert. In Afrika herrscht nämlich die sogenannte r-Strategie vor, die auf eine möglichst hohe Wachstumsrate abzielt. Dort dominiert der sogenannte, Ausbreitungstyp‘.“

Wer sich zur AfD bekennt, der muss auch zu solchen Äußerungen Stellung beziehen. Als Parteimitglied, nicht als Schwarzer oder Person of Colour. Hier entfaltet sich die integrative Kraft des Bösen. Wer seine Ideologie glaubhaft vertritt – und sei sie noch so widersinnig und destruktiv – der hat Chancen, als einer der ihren unter denen zu sein, die ihn als fremd und minderwertig betrachten.

So antwortet der Bremer AfD-Abgeordnete Achille Demagbo auf die recht durchsichtige Frage der Zeitschrift Die Welt, ob er ein Nazi sei: „Ich würde nie in einer fremdenfeindlichen Partei Mitglied werden, aber jetzt mal umgekehrt: Welche rassistische Partei würde einen Schwarzafrikaner in den Vorstand wählen?“

So argumentieren Menschen, die ihre Hautfarbe als Mittel nutzen. Menschen, die sie zur Rechtfertigung nutzen und solche, die sie zur Abgrenzung nutzen. Man nennt sie Rassisten.

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10 Kommentare
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  1. Roman sagt:

    Lieber Autor, danke für diese Perspektive auf das Thema und die schlüssige Argumentation.

  2. AFDlerin sagt:

    Die Hautfarbe eines Menschen ist keine Äußerlichkeit, da man in einem solchen Menschen einen Afrikaner sieht. Afrika gilt als rückschrittlich. Also ist die Schlussfolgerung … Ein bisschen berechtigt ist diese Sichtweise. Denn das Leben könnte nun einmal ohne Vereinfachungen nicht funktionieren. Ich finde das auch nicht gut, aber es ist nun einmal so.

  3. Magistrat sagt:

    Super Artikel! Genau das habe ich mir beim Lesen des Interviews mit Herrn Demagbo neulich auch gedacht. Er reduziert sich selbst auf sein äußeres und noch schlimmer, er suggeriert, dass die Akzeptanz von Schwarzen besonders lobenswert an der AfD sei. Dabei solte es im Gegenteil schlicht selbstverständlich sein! Bedauerlich auch, dass Herr Demagbo dadurch Hockes fremdenfeindliche Äußerungen legitimiert und verharmlost. Das erinnert arg an die holländische Hardlinerin Hirsi Ali, die bald ihrer eigenen asylfeindlichen Partei zum Opfer viel, nachdem ihr Betrug aufflog.als Ministerin hetzte sie gegen Muslime und Ausländer, bis sie 2006 selbst wg Asylbetrugs ausgebürgert wurde.

    Nur die … Kälber ….

  4. Chris sagt:

    Das ist die Masche der Neurechten

    sie tun so als ob sie nichts gegen schwarze, Homosexuelle, obdachlose usw. hätten

    ob das aber so ist? Unglaubwürdig

    sogar die BNP im UK hatte vor einigen Jahren einen inder aufgenommen der die Partei jedoch schnell wieder verlassen hat

    herr demagbo wie kann der in den Spiegel schauen und sich sagen dass er in der AFD ist

    wie lange will er sich noch anlügen lassen

  5. mohammad al faruqi sagt:

    Bei der Lektüre des Artikels kamen mir ein Begriff und ein Mann in den Sinn:“ Onkel Tom“ und der großartige Malcolm X. Herrn Demagbo sei die Lektüre von Malcolm X’s „Message to Grassroots“ empfohlen. Er wird sehen, wie nahe er am Rang eines Onkel Tom’s der AfD ist.
    Hier schon einmal ein Auszug aus Malcolm X’s analytischer Rede zum Onkel-Tom-Syndrom:
    „To understand this, you have to go back to what [the] young brother here referred [] …“
    Hier der Link zum ganzen Artikel:
    http://teachingamericanhistory.org/library/document/message-to-grassroots/

  6. Norman Thiel sagt:

    Ihr macht einfach unterirdische Hetze und Polemik. Zum Kotzen! Da äußert sich ein Mensch mit anderer Hautfarbe dahingehend, dass die Partei auch diese Menschen toleriert und akzeptiert und dies wird gleich wieder negativ als Rassismus interpretiert. Merkt ihrs noch? Wie verblendet kann man in seinem Wahn sein, um solche Äußerungen noch umzudeuten. Kümmert euch mal lieber um die lieben Türken, die hier leben und in ihrer Heimat die Todesstrafe fordern! Schämt euch!

  7. Anna sagt:

    auch schwarze Menschen können rechte Ideologien vertreten, das ist kein Widerspruch. Hier schreibt die taz darüber http://www.taz.de/!5347730/

  8. Soraya sagt:

    Herr Demagbo ist im übrigen nicht mehr in der AFD aktiv. Sämtliche Beiträge über ihn auf den AFD Seiten, so wie sein Profil wurden auf Facebook gelöscht.
    Mich würde sehr interessieren weshalb!
    Ist die Afd für in doch nicht dir richtige Partei? Kam doch Rassismus mit ins Spiel?

  9. Tobi sagt:

    @Soraya auch wenn die Antwort 1 Monat später kommt

    es muss sich hierbei um einen klassischen WAKE UP CALL handeln

    seine Augen wurden wohl geöffnet

    irgendwas ist da vorgefallen google mal da war auch die rede vom schwarzen mann als satz von einem anderen AFD Menschen

  10. Tobi sagt:

    diverse Wissenschaftler haben recht, wenn sie von den Neurechten sprechen und deren Strategien

    Auf einmal ist ISRAEL der freund und auf einmal geben sich rassisten demokratisch und aufklärerisch

    Die selbe Strategie bei BRITISH NATIONAL PARTY im UK und bei FRONT NATIONAL

    beide Parteien wollen den frauen den Feministinnen und den schwulen und den juden helfen, dass sie vor den bösen Muslimen sicher sind

    auf einmal wird unterschieden zwischen integrierten schwarzen und den bösen Muslimen

    natürlich alles pauschal und man nimmt den menschen die Individualität und teilt sie ein in gut und schlecht



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